von Susanne am 17.09.2012, 10:25 Uhr , Kategorie: Rechtsprechung

Wer sich deutschlandweit bewirbt, hat größere Chancen, eine Stelle zu finden – allerdings auch wesentlich mehr (Kosten-) Aufwand. Schließt der potentielle Arbeitgeber die Kostenerstattung nicht ausdrücklich aus, so ist er verpflichtet, dem Bewerber die Vorstellungskosten wie z. B. Fahrtkosten zu erstatten, sofern sie tatsächlich erforderlich waren – und zwar unabhängig davon, ob die Bewerbung erfolgreich ist oder nicht (§ 670 BGB).

Im vorliegenden Fall hatte sich ein Hamburger auf eine Stelle in Düsseldorf beworben. Er wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, zu welchem er mit dem Flugzeug anreiste. Nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass er nicht eingestellt wird, verlangte der Bewerber die ihm entstandenen Vorstellungskosten in Höhe von 429,62 € vom Arbeitgeber zurück. Der Arbeitgeber zahlte jedoch nur einen Teilbetrag von 234,00 €.

Zu Recht, wie das Arbeitsgericht (ArbG) Düsseldorf mit Urteil vom 15.05.2012 (Az.: 2 Ca 2404/12) entschied. Zwar habe ein Arbeitgeber grundsätzlich nach § 670 BGB alle Aufwendungen ersetzen, die der Bewerber den Umständen nach für erforderlich halten durfte.  Im Streitfall sei aber nicht zu erkennen, dass der Kläger eine Anreise per Flugzeug als erforderlich bzw. üblich ansehen durfte.

Es sei eher unüblich, dass Bewerber per Flugzeug zu einem Vorstellungsgespräch anreisen. Der Kläger habe sich zudem auf die Stelle einer Teamleitung der Abteilung IT- und Kommunikationstechnik mit bis zu fünf Mitarbeitern beworben. Die Stelle sei auch nicht bedeutend genug, um die teuren Flugkosten zu rechtfertigen. Im Übrigen hätte der Arbeitssuchende mit dem Arbeitgeber vor Buchung des Fluges absprechen können, ob die Kosten übernommen werden. Eine derartige ausdrückliche Vereinbarung wurde jedoch nicht getroffen, so dass der Bewerber nun auf den Flugkosten sitzenbleibt.

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