Arzt spricht mit PatientBisher war es recht einfach. Man fühlte sich krank, also ging man zum Arzt. Dieser diagnostizierte etwas und stellte die Arbeitsunfähigkeit fest. Man erhielt einen gelben Schein, den schickte man an den Arbeitgeber. Dann ging man ins Bett und irgendwann war man hoffentlich wieder gesund.

Bald könnte das alles anders ablaufen. Denn in Zukunft wird sich der Arzt einen Patienten, wenn er denn Arbeitnehmer ist, viel genauer anschauen als bisher. Schließlich könnte er entscheiden, dass der Patient tatsächlich gar nicht krank, sondern nur etwas teil-krank ist. Zum Beispiel nur zu 50%. Die Folgen: Die Arbeitsbefreiung liefe dann auch nur über 50%. Und ein mögliches Krankengeld würde sich ebenfalls entsprechend reduzieren.

Die Vorschläge eines Sachverständigenrats im Auftrag der Bundesregierung verblüffen. Sein Vorsitzender Ferdinand Gerlach erklärte, dass die Änderungen „das System flexibler und alltagstauglicher machen würden„. Dazu sein Beispiel aus der Praxis: Der Dachdecker mit gebrochenem Fuß könnte
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Das entschied das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz (Beschluss vom 23.12.2011 – L 5 KR 309/11 B). Hat ein Arzt in einem Auszahlschein für Krankengeld Arbeitsunfähigkeit „bis auf weiteres“ bescheinigt, hat er die Dauer der Bestätigung in der Regel nicht auf einen Endzeitpunkt begrenzt. Dies gilt auch, wenn er in dem Schein selbst den nächsten Untersuchungstermin angegeben hat.

In diesem Fall hatte der Hausarzt Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2010 bescheinigt, woraufhin die Krankenkasse zunächst Krankengeld gewährte. Mit Auszahlschein vom 08.04.2011 bestätigte der Hausarzt aufgrund einer Untersuchung am gleichen Tag Arbeitsunfähigkeit „bis auf weiteres“. Als nächsten Praxisbesuch gab er den 30.04.2011 an. Handschriftlich ist hinzugefügt, dass der Termin auf den 02.05.2011 verlegt wird, weil der zuvor genannte Termin ein Samstag war. Am neu festgesetzten Termin erschien der Kranke und es wurde wiederum ein Auszahlungsschein ausgestellt, in dem festgestellt wurde, dass er noch arbeitsunfähig sei.

Die Krankenkasse lehnte die Krankengeldzahlung ab dem 01.05.2005 ab. Begründung:
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Ist das Burn-out-Syndrom eine Modeerscheinung oder eine ernstzunehmende Krankheit? Zu dieser Frage nimmt der Ärztliche Direktor der Panorama-Fachkliniken Scheidegg, Dr. Christian Dogs in einem Interview Stellung. Seinem Eindruck nach täuschen immer mehr Patienten in Deutschland psychische Erkrankungen vor, um früher in Rente gehen, sich in wunderschön gelegenen Kliniken erholen oder unberechtigterweise Krankengeld kassieren zu können. Und beuten damit mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit das System aus. Besonders bei einem Krankheitsbild wie dem Burn-out-Syndrom gibt es viele Pseudo-Patienten, so Dogs.

Wie kann das sein?
„Früher waren psychische Erkrankungen stigmatisiert. Heute sind sie salonfähig und werden zu einer ernsthaften Belastung der Volkswirtschaft und der Krankenkassen“, sagt der Ärztliche Direktor. „Wir erkennen in der Klinik,
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