Primark, Betriebsrat, MitarbeiterüberwachungMit sage und schreibe 128 Videokameras wollte das irische Modeunternehmen Primark Kunden und Mitarbeiter in der Filiale Hannover überwachen. Die Geräte scheinen jeden Winkel der Verkaufsräume, aber auch des sonstigen Betriebsgeländes erfasst zu haben. Auch vor den Umkleideräumen des Personals und im Lager waren sie installiert. Dem Geschäftsführer der Filiale soll es technisch sogar möglich gewesen sein, von seinem Schreibtisch aus jede einzelne der Kameras per Joystick anzusteuern. Ein Albtraum.

Als im Sommer 2014 bekannt wurde, mit welch rabiaten Methoden Primark vorging, war die Aufregung nicht nur in Hannover sehr groß. Nun verfügen leider nicht sehr viele Unternehmen und Betriebe im Einzelhandel über einen Betriebsrat. Gut, dass die Primark-Niederlassung Hannover, mit damals über 500 Beschäftigten immerhin der größte Einzelhändler der Stadt, davon eine Ausnahme macht. Und so setzte sich der engagierte örtliche Betriebsrat gegen die völlig überzogene Überwachung zur Wehr. Mit großem Erfolg: Rund die Hälfte der Kameras musste entfernt werden. Die Kameras, die ausschließlich der Mitarbeiterüberwachung dienten, wurden sogar komplett wieder abgebaut.

Jeder Betriebsrat hat die Aufgabe, die Mitarbeiter vor unzulässiger Überwachung durch den Arbeitgeber zu schützen.

Nun wurde der Betriebsrat von Primark für seinen vorbildlichen Mitarbeiter-Datenschutz mit dem Spiros-Simitis-Award der Gewerkschaften ausgezeichnet. Dieser Preis war zum zehnjährigen Jubiläum des Technologieforums der gewerkschaftsnahen Berliner Datenschutz- und Technologieberatung dtb erstmals verliehen worden. In Zukunft soll das regelmäßig geschehen, vor allem um diejenigen betrieblichen Interessenvertretungen zu stärken, die die Datenschutzrechte von Arbeitnehmern in der Praxis engagiert umsetzen.

Unser Lesetipp zur Erinnerung: Primania-Wahnsinn – jetzt bald auch mit Betriebsrat! (Artikel aus dem Betriebsrat Blog von 2014)

Gegen die unzulässige Überwachung von Mitarbeitern kann man sich als Betriebsrat massiv zur Wehr setzen: Schauen Sie sich unseren Seminartipp an – dieses Seminar ist seit über 10 Jahren aus gutem Grund ein Dauerbrenner!

Quelle: heise.de / Hannoversche Allgemeine – Bildquelle: © CC BY-SA 2.0, via flickr/César

Kennen Sie Primark? Bitte Vorsicht und vor allem als Volljähriger Abstand halten: Wenn dieser Mode-Discounter irgendwo eine neue Filiale eröffnet, ist der absolute Wahnsinn vorprogrammiert. Kinder und Jugendliche flippen völlig aus. Dafür wird die Schule geschwänzt, das Taschengeld auf den Kopf gehauen und anschließend geht der Ausnahmezustand in Form virtueller Modeschauen im Internet weiter.

Die irische Firma wurde 1969 in Dublin gegründet. Ihr Geschäftsmodell ist schnell beschrieben: Primark vertreibt preiswerte Kleidung für junge Leute. In Europa existieren rund 260 Filialen, in denen etwa 28.000 Mitarbeiter beschäftigt werden – viele in Teilzeit. Das Geheimnis: Trendy wie H&M, dabei billig wie KiK.

Zuletzt hatte das Unternehmen ganz schlechte Presse: Da war der schreckliche Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesh im Jahr 2013 mit über 1.000 Toten und vielen tausend Verletzten, wo Näherinnen unter katastrophalen Bedingungen arbeiten mussten. Auch Primark ließ dort produzieren, zahlte anschließend neun Millionen Dollar Entschädigung an betroffene Familien. 2014 tauchten in Primark-Kleidungsstücken eingenähte Hilferufe asiatischer Zwangsarbeiter auf, die über grauenhafte Arbeitsbedingungen klagten. Angeblich alles Fälschungen, aber das wurde nicht aufgeklärt.

Wer ein T-Shirt für zwei Euro kauft, muss wissen, dass jemand anderes den Preis dafür bezahlt“ – mit diesen eindringlichen Worten richtete sich Hubertus Thiermeyer von Verdi an potenzielle Käufer. Diese kratzt das nicht sonderlich. Eine 13-jährige, die von der Süddeutschen befragt wurde:
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