Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir unter Berufung auf den DAK-Gesundheitsreport 2012 folgenden Blogbeitrag gepostet: „Alarmierend: Psychische Leiden auf Platz drei der Fehlzeiten“. Damals lagen vor den psychischen Leiden nur noch Muskel-Skelett- sowie Atemwegserkrankungen. Kaum ein Jahr später haben wir ein neues und – leider auch noch passend zur Thematik – deprimierendes Ergebnis. Denn: Die psychischen Erkrankungen haben inzwischen die Atemwegserkrankungen vom zweiten Platz verdrängt. Das berichtet der Gesundheitsreport des BKK-Dachverbandes 2013.

Angesichts dieser Statistik werden in den Betrieben Aufschreie laut: „Was das bedeutet!“ klagt der Arbeitnehmer. „Was das kostet!“, jammert der Arbeitgeber. Klar ist jedoch: Dringender Handlungsbedarf ist angesagt – an allen Ecken und Enden und auf allen Ebenen. Aber: Der Arbeitgeber müsste handeln, tut es aber nicht. Der Arbeitnehmer möchte handeln, kann es aber nicht. Wie so oft ist auch an dieser Stelle der Betriebsrat gefragt. Holen Sie sich hier das nötige Praxiswissen und hilfreiche Handlungskonzepte, um psychischen Belastungen in Ihrem Betrieb erfolgreich entgegen zu treten.

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Dies ist das traurige Ergebnis einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtk). Danach sind 2012 rund 75.000 Versicherte vorzeitig wegen psychischer Probleme in den Ruhestand versetzt worden. Dies macht 42 Prozent aller Frühverrentungen aus. Seit 2001 haben vor allem Depressionen (plus 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (plus 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (plus 49 Prozent) als Grund zugenommen. Im Durchschnitt waren die frühverrenteten Versicherten 49 Jahre alt.

Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der BPtk, macht unter anderem einen „Missstand“ für dieses Ergebnis verantwortlich, für den „das deutsche Gesundheitssystem seit Jahren keine angemessene Lösung findet“. Gemeint ist, dass laut BPtk psychisch kranke Menschen in Deutschland rund drei Monate auf einen ersten Termin in einer psychotherapeutischen Praxis warten. Viele geben bei der Suche nach einem Behandlungsplatz auf und bleiben unbehandelt. In Deutschland erhält überhaupt nur jeder dritte psychisch Kranke eine Behandlung. „Dass psychische Erkrankungen so häufig und so früh zu Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit führen, liegt auch daran, dass psychisch kranke Menschen nicht oder nicht rechtzeitig behandelt werden“, so Richter.

Und das ist leider noch nicht alles: Laut Pressemitteilung haben Menschen, die lange psychisch erkrankt und deshalb arbeits- oder erwerbsunfähig werden, ein hohes Risiko, ein Leben in Armut zu führen. Die Erwerbsminderungsrenten sind seit 2000 stark gefallen. Ihre Höhe betrug 2012 durchschnittlich rund 600 Euro pro Monat. Mehr als ein Viertel der erwerbsunfähigen Rentner lebt in Einkommensarmut.

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„Trotz der öffentlichen Debatte um Depressionen und Burnout sind psychische Krankheiten in den Betrieben immer noch ein Tabu“, sagt DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher laut einer Pressemitteilung im Zusammenhang mit einer aktuellen Bevölkerungsumfrage, die die DAK-Gesundheit im Rahmen des Gesundheitsreportes 2013 durchgeführt hat. Dieser Zustand bleibt nicht ohne Folgen: Mehr als jeder dritte Berufstätige geht trotz psychischer Probleme wie Depressionen, Angst oder Belastungsstörungen zur Arbeit (Stichwort Präsentismus). Weil die Betroffenen Nachteile im Job befürchten, verschweigen sie gegenüber dem Arbeitgeber häufig ihre seelische Erkrankung, so das Ergebnis der Umfrage.

Laut DAK fällt es vielen Betroffenen schwer, sich zu ihrer Depression oder Angststörung zu bekennen. 65 % der Teilnehmer erklärten, dass ihnen ein Arbeitsausfall durch ein Seelenleiden unangenehmer sei als eine Krankschreibung wegen körperlicher Symptome. Jeder Dritte fürchtet Nachteile im Job, wenn die Kollegen oder Vorgesetzten von der psychischen Erkrankung erfahren. Ebenso viele Betroffene sagten, dass es im Job nur wenig Verständnis dafür geben würde, wenn ein Mitarbeiter wegen seelischer Probleme ausfällt. „Da besteht weiter Aufklärungsbedarf“, so Rebscher.

In welche Richtung die Aufklärung gehen sollte, bleibt offen. Denn: Es ist schwer vorstellbar, dass die nun wirklich ausreichend vorhandenen Informationen darüber, was psychische Belastungen sind und wie viele Menschen letztlich darunter leiden, inzwischen nicht bis zu allen Unternehmen durchgedrungen sind. Ist es nicht weniger ein Mangel an Informationen als vielmehr ein Mangel an Verständnis und Mitgefühl, dass – sowohl ein Vorgesetzter als auch die Kollegen – ein „Stell dich nicht so an!“ oder ein „Jetzt reiß dich halt zusammen!“ im Kopf haben? Hier anzusetzen, wäre viel wichtiger. Aber auch unsagbar schwerer.

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Seminare zum Thema:
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Teil I – Die Grundlagen
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Teil II – Maßnahmen und Konzepte
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Teil III – Umgang mit Betroffenen

 

Das große Interesse an unserer ersten Fachtagung und die durchwegs positiven Rückmeldungen zum Thema psychische Belastungen haben uns gezeigt: Wir müssen weitermachen! Deshalb gibt es jetzt eine Fortsetzung mit neuen Schwerpunkten, neuen Workshops und neuen Strategien gegen Psycho-Stress am Arbeitsplatz.

Der Besuch der ersten Fachtagung ist nicht zwingend Voraussetzung für diese Veranstaltung. Das heißt wir freuen uns auf abwechslungsreiche und informative Tage mit bekannten und neuen Gesichtern. Bleiben Sie gemeinsam mit uns dran! Kommen Sie vom 17. bis 20. September 2013 an den Timmendorfer Strand. An diesem idealen Veranstaltungsort können Sie Ihr Wissen über psychische Gesundheit vertiefen, sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen austauschen und Methoden kennenlernen, um in Ihrem Betrieb wirksam Einfluss zu nehmen.

Die Chancen stehen sehr gut. Denn: Die Bundesregierung hat in einem Gesetzentwurf unter anderem auch Änderungen im Arbeitsschutzgesetz vorgesehen. Danach sind auch psychische Belastungen bei einer Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen, welche der Arbeitgeber durchführen muss, um die ggf. erforderlichen Schutzmaßnahmen zu ermitteln. Das berichtet Patrick Esser vom Institut für Deutsches und Europäisches Arbeits- und Sozialrecht Köln auf dem Online Portal „Der Arbeits-Rechts-Berater“.

Der Gesetzentwurf, sieht insbesondere folgende Neuerungen im Arbeitsschutzgesetz vor:

–   In § 4 Nr. 1 ArbSchG wird die Gesundheitsgefährdung klarstellend als „physische und psychische“ definiert.

–   In § 5 Abs. 3 ArbSchG wird die Aufzählung der Gefährdungsfaktoren, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind, um „psychische Belastungen bei der Arbeit“ erweitert.

Der Gesetzentwurf wurde am 21.02.2013 in erster Lesung im Bundestag beraten und an die zuständigen Ausschüsse überwiesen.

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von Ines am 22.02.2013, 10:49 Uhr , Kategorie: Burn-out

Die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und psychischen Belastungen sind in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik gerückt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat zu diesem Thema jetzt die Ergebnisse einer Studie, den Stressreport Deutschland 2012, veröffentlicht. Die Aufgabe dieser Untersuchung ist es, Entwicklungen in der Arbeitswelt zu beobachten. Sie bildet die Arbeitsbedingungen, Beanspruchungen und gesundheitlichen Beschwerden von 20.000 Beschäftigten ab.

Die Ergebnisse in Kürze: Arbeitsunterbrechungen, Multitasking, Termin- und Zeitdruck wie auch Monotonie sind die am häufigsten anzutreffenden psychischen Anforderungen. Dabei kennt die psychische Belastung weder Hierarchiegrenzen, noch macht sie vor gewerblichen Branchen halt. Faktoren wie das gute soziale Klima in deutschen Betrieben oder Handlungsspielräume für die Beschäftigten, um ihre Arbeit zu planen und einzuteilen, helfen aber die Belastung zu bewältigen.

Die ausführliche Studie finden Sie hier.

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von Ines am 13.08.2012, 11:52 Uhr , Kategorie: Allgemein

Dieser Trend überrascht nicht wirklich…und macht dennoch betroffen. Laut DAK-Gesundheitsreport 2012 (Pressemitteilung vom 07.08.2012) haben sich im ersten Halbjahr 2012 die Arbeitnehmer bei einem Krankenstand von 3,6 % genauso häufig krankgemeldet wie in 2011. Bedenklich ist jedoch die Entwicklung der psychischen Erkrankungen. Sie machen inzwischen 13,6 % der Ausfalltage aus und steht damit auf Platz drei der Fehlzeiten. Vor 15 Jahren machten Depressionen & Co. nur 6,6 Prozent aller Fehltage aus und lagen noch auf dem 6. Platz. Heute liegen vor den psychischen Leiden nur noch Muskel-Skelett-Erkrankungen (21,3 %) und Atemwegsinfektionen (16,8 %). Durchschnittlich fehlte ein Beschäftigter in den ersten sechs Monaten 6,5 Tage im Job.

„Die Zahlen machen deutlich, dass der Handlungsbedarf für Betriebe bei Arbeitsorganisation und Prävention wächst“, kommentiert Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit, die Entwicklung. Experten sehen laut Pressemitteilung unter anderem in mehr Stress und beschleunigten Arbeitsprozessen Risikofaktoren für psychische Erkrankungen.

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Wer hätte das gedacht? Im Juni 2012 (27. – 29.06.) findet in Berlin zum sechsten Mal die Fachtagung „Wenn Arbeit krank macht: Burn-out, Stress und Innere Kündigung“ statt. Auf der anderen Seite: Wen wundert´s? Überbelastung, Stress und Burn-out – es nimmt kein Ende. Die Meldungen in den Medien und die Zahlen über die Summe der Erkrankten und den volkswirtschaftlichen Schaden sprechen Bände.

Manch einer kann es schon gar nicht mehr hören. Betriebsräte gehören Gott sei Dank nicht dazu. Denn gerade sie sind in den Betrieben aufgefordert zu handeln. Ihr Interesse daran, wie man mit diesem Thema im Betrieb im Allgemeinen und mit den Betroffenen im Besonderen umgeht, ist ungebrochen stark.

Daher hat sich das ifb entschlossen, diese Fachtagung noch einmal anzubieten. Auch dieses Mal warten
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von Peter am 09.12.2011, 16:43 Uhr , Kategorie: Burn-out, Gesundheitsschutz, ifb intern, Seminare

Ersthelfer wissen Bescheid! Bei Erreichen eines Unfalllortes lautet die wichtigste Regel: Safety first! Erst sich selbst absichern, dann erst um die anderen kümmern. Hat nichts mit Egoismus zu tun. Eher mit der Überlegung: Wie soll man anderen helfen, wenn man selbst gleich einbricht?  „Und das bedeutet für den Fall eines Druckverlustes: Immer erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, dann erst dem Sitznachbarn.“ An dieser Stelle hält die Hamburger Psychologin Andrea Danker (im Bild links) inne. Über 100 Betriebsräte, Personalräte und Mitglieder von kirchlichen MAV-Vertretungen sitzen vor der Burn-out-Expertin im Vortragssaal eines großen Leipziger Hotels. Sie fährt fort: „Für Betriebsräte gilt nichts anderes: Wer sich in seinem Amt um Burn-Out-Betroffene kümmert, der muss auch ganz dringend sich selbst genau im Auge behalten. Denn neben Führungskräften gehören vor allem die Mitarbeitervertreter zur besonders gefährdeten Zielgruppe. Bitte vergessen Sie nicht: Als Betriebsrat haben Sie Vorbildcharakter.“ Die Psychologin weiß aus Erfahrung, dass gerade wegen der häufig vorkommenden Doppel- und Mehrfachfunktion die Belastungen bei Betriebsräten durch Stress überdurchschnittlich hoch sind.

Vier Fachtagungen veranstaltete das ifb Institut zur Fortbildung von Betriebsräten zum Thema Psychische Belastungen am Arbeitsplatz im Jahr 2011.  „Wenn Arbeit krank macht: Burnout, Stress und innere Kündigung„, so der offizielle Titel. Ines Heinsius leitet beim ifb den Fachbereich Arbeits- und Gesundheitsschutz: „Manche meinen ja immer noch, Burn-out sei nur eine Modeerscheinung. Aber von wegen: Nach statistischen Angaben erleiden mittlerweile etwa 25-30% aller Beschäftigten während ihres Arbeitslebens ein Burn-out-Syndrom.“ Manche Branchen seien dabei leider besonders stark betroffen, erläutert die Juristin: „Wir haben überdurchschnittlich viele Teilnehmer aus
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von Thomas am 09.09.2011, 13:09 Uhr , Kategorie: Frauen im Beruf, Lohn und Gehalt

Der Mann bringt als Ernährer der Familie das Geld nach Hause. Doch die Zeiten haben sich gewandelt! Heute sind Doppelverdiener-Paare die Regel. Da kann es schnell vorkommen, dass die Frau mehr Geld verdient als der Mann. Eigentlich nicht diskussionswürdig – sollte man meinen. Eine Studie zeigt aber genau das Gegenteil auf. Wie „Die Weltberichtet ist es für viele Männer ein Problem, wenn ihre Partnerin das dickere Portmonee hat. Bei ihnen werden dadurch Existenz- und Versagensängste ausgelöst, weil sie noch immer das alte Rollendenken verinnerlicht haben. Konflikte entstehen vor allem, wenn das Geld ohnehin knapp ist. Oft kommt es dann zu Sticheleien wie: „Ach, schon wieder ein neues Paar Schuhe?

Doch wie kann hier abgeholfen werden? Experten
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