von Ines am 04.06.2013, 10:12 Uhr , Kategorie: Burn-out

Um Arbeitnehmer vor den Folgen permanenter Erreichbarkeit zu bewahren, sollten Unternehmen klare Regeln zum Umgang mit Handys und Computern schaffen. Denn: Eine ständige Verfügbarkeit wirkt sich negativ auf Erholung und Wohlbefinden der Betroffenen aus. Dies ergab laut Pressemitteilung der DGUV eine Auswertung der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga).

Die iga hat sich mit der Frage beschäftigt, wie wir mit dem Problem der ständigen Erreichbarkeit gesund umgehen können. Dazu wurden sowohl bereits vorhandene Studien ausgewertet als auch wissenschaftliche Experten und Unternehmen befragt.

Den Antworten lässt sich laut Pressemitteilung entnehmen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet dauernde Erreichbarkeit über Smartphone und Tablet-Computer eine deutliche Beeinträchtigung ihrer Erholungszeiten – Freizeit ist schwerer planbar. Helfen können transparente Regeln für Zeiten der Erreichbarkeit bzw. Nicht-Erreichbarkeit und zu Reaktionszeiten. Als Beispiele für solche Regelungen können Maßnahmen von Daimler und Volkswagen angeführt werden (wir berichteten). Aber: Jeder muss auch seinen Teil zur Prävention beitragen. Daher sollten Arbeitnehmer einen vernünftigen Umgang mit den neuen Techniken lernen und wissen, dass nicht immer sofort auf einen Anruf oder eine eingehende E-Mail reagiert werden muss, so die Experten.

Gründe für die Zunahme des Phänomens sind laut iga die zunehmende Arbeitsverdichtung, die allgemeine Beschleunigung des Arbeitslebens, eine grundlegende Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeitsverhältnissen und die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft. Besonders betroffen von permanenter Erreichbarkeit sind Führungskräfte, Außendienstmitarbeiter und IT-Spezialisten.

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Würden Sie sich auch manchmal wünschen, nach dem Urlaub kein überquellendes E-Mail-Postfach vorzufinden? Für Daimler-Mitarbeiter geht dieser Wunsch bald in Erfüllung: Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, kann ab 2013 jeder Mitarbeiter bis hin zum Manager die während seiner Abwesenheit eingehenden E-Mails automatisch löschen lassen. Gleichzeitig weist eine Abwesenheitsnotiz den Absender der E-Mail auf den zuständigen Vertreter hin, so dass jedes Anliegen dennoch bearbeitet werden kann. „Diese neue Spielregel zur E-Mail-Abwesenheit ist eine ganz wesentliche Maßnahme, damit unsere Belegschaft in Ruhephasen noch besser abschalten kann“, so Wilfried Porth, Personalvorstand von Daimler.

Der Autobauer hatte zuvor in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg 6000 Daimler-Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben befragt, darunter auch Führungskräfte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm erklärte, es gehe nun vor allem darum, dass Mitarbeiter die Möglichkeiten „mit aktiver Unterstützung wahrnehmen können“.
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Das iPhone 5 kommt diese Woche in Deutschland auf den Markt. Die Fans scharren bereits mit den Hufen. Für viele von ihnen steht diese Neuerung für mehr Spaß und Lebensqualität. Doch des Einen Freud ist des Anderen Leid. Denn: Mit Smartphones, Tablet PCs und Handys sind Arbeitnehmer fast immer und überall telefonisch bzw. per E-Mail erreichbar. In vielen Unternehmen wird die ständige Erreichbarkeit sogar vorausgesetzt. Auf Dauer wird so die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigt. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) hat sich dieser Problematik angenommen und einmal geschaut, wie Deutschlands Unternehmen darüber denken.

Insgesamt denken rund 61 % der befragten Personalmanager, dass es expliziter Regelungen bedarf, um die Erreichbarkeit von Mitarbeitern in ihrer Freizeit klar zu definieren. 34 % halten betriebliche Regelungen für die beste Lösung gefolgt von Absprachen mit dem direkten Vorgesetzten. Jeweils 22 % der Unternehmen planen Appelle an Führungskräfte oder Mitarbeiter, außerhalb der üblichen Dienstzeiten keine E-Mails zu verschicken oder zu bearbeiten. In 6 bzw. 5 % der Unternehmen bestehen diese Maßnahmen bereits. Die Weiterleitung von E-Mails zu bestimmten Uhrzeiten wird nur in 2 % der Unternehmen verhindert, unter anderem auch bei Volkswagen (wir berichteten). 35 % der Personalleiter halten explizite Regelungen für unnötig und vertrauen auf die Eigenverantwortung von Mitarbeitern und Führungskräften.

49 % der Befragten sind der Ansicht, dass eine dauerhafte Erreichbarkeit in der Freizeit ganz sicher oder ziemlich wahrscheinlich einen Beitrag zur Entstehung eines Burnout-Syndroms leisten kann.

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Mit Diensthandy muss man rund um die Uhr erreichbar sein. Deswegen hat man es ja bekommen. Was auf den ersten Blick nicht völlig abwegig klingt, ist auf den zweiten totaler Quatsch! Denn noch vor dem ganzen technischen Segen, den iPhone und Blackberry der Menschheit bescheren, thront das Arbeitszeitgesetz. Und dieses ist unmißverständlich: Zehn Stunden am Tag ist das Maximum für den Beschäftigten, kleinere Abweichungen davon regelt das Gesetz (§3 ArbZG). Wenn sich nun aber viele nicht darum scheren bzw. die geistige Austreibung  einer solch hartnäckig vermuteten Diensthandyverpflichtung nur schwer möglich ist, dann sollte auf anderer Ebene etwas unternommen werden.
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