von Peter am 14.05.2013, 14:09 Uhr , Kategorie: Tarifrecht

Fünf Betriebsräte aus jeder Karstadt-Filiale waren zum außerplanmäßigen Treffen in die Düsseldorfer Firmenzentrale eingeladen – in der Summe rund 300. Ein „Krisentreffen“ sollte es nicht sein, viele anreisende Mitarbeitervertreter werden sich da nicht so sicher gewesen sein. Und dann ging es auch hoch her: Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz erklärte in der Versammlung, dass der Konzern für einen Zeitraum von zwei Jahren aus der Tarifbindung aussteigen werde. 24.000 Beschäftigte seien damit für diesen Zeitraum von Tariferhöhungen ausgeschlossen. Begründung der einschneidenden Maßnahme: Dies sei für eine vollständige Gesundung des Unternehmens nötig!

Die Versammlung verlief turbulent: Nach Teilnehmerangaben verließ ein Drittel der 300 anwesenden Betriebsräte vorübergehend den Raum. Fragen sollten zuerst nur schriftlich eingereicht und verlesen werden. Nach heftigem Protest durften die Betriebsräte ihre Fragen dann doch selbst stellen. Da war die Atmosphäre sicher zum Zerreissen gespannt.

Die Gewerkschaften sind empört und sprechen von einem Skandal. Verdi-Vorstand Stefanie Nutzenberger betont, dass es sich schon wieder um eine Fehlentscheidung des Karstadt-Managements handle. Die Beschäftigten hätten bislang zahlreiche Belastungen auf sich genommen, in der Summe über 650 Millionen Euro durch Verzicht auf Weihnachts- und Urluabsgeld sowie Tariferhöhungen. Damit leisteten sie ihren Beitrag zur Sanierung des Konzerns. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen investiere dagegen „so gut wie nichts“.

Weitere Infos dazu auf betriebsrat.de

Foto: © Wittelsbach bernd – iStockphoto



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 14. Mai 2013 um 14:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Tarifrecht abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Ist schon komisch, dass es so einfach geht. Aber momentan ist es voll im Trent. Jahr für Jahr wird immer weniger nach Tarif bezahlt. Auch 2012 ging die Verbreitung von Branchentarifverträgen in Deutschland zurück. Im Jahr 2012 galt demnach nur noch für rund 50 Prozent der Beschäftigten ein Branchentarifvertrag. (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/tarifbindung-geht-weiter-zurueck/ )
    Aber bei Karstadt finde ich es eine Frechheit. Die Mitarbeiter wurden stark strapaziert und es hört nicht auf. Immer weiter wird auf die Mitarbeiter eingeschlagen. Dadurch geht die Motivation zugrunde und meiner Meinung nach wird hier auch stark das Image des Unternehmens angegriffen.

    Gruß,
    W.

    Kommentar von: Wasi – am 05. Juni 2013 um 08:48

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