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Der neue Anspruch auf Brückenteilzeit

Was ist Brückenteilzeit?

Seit dem 1. Januar 2019 können Arbeitnehmer Brückenteilzeit beantragen. Geregelt ist das in § 9a TzBfG. Sie haben damit die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit für einen bestimmten, von vornherein festgelegten Zeitraum zu reduzieren, um danach wieder in der ursprünglichen Stundenzahl zu arbeiten. Die Brückenteilzeit ist also eine zeitlich begrenzte Reduzierung der Arbeitszeit mit automatischer Rückkehr in die alte Arbeitszeit.

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Wozu Brückenteilzeit?

Die Brückenteilzeit gibt Arbeitnehmern die Möglichkeit, nur für eine bestimmte Weile in Teilzeit zu gehen. Ein bestimmter Grund ist nicht nötig. Brückenteilzeit kann jeder beantragen. Das Ziel der Brückenteilzeit ist die bessere Vereinbarkeit von Job und Privatleben. Die Brückenteilzeit muss mindestens ein und kann höchstens fünf Jahre dauern. Innerhalb dieses Zeitrahmens ist die Dauer frei wählbar.

Für wen gilt die Brückenteilzeit?

Der gesetzliche Anspruch auf Brückenteilzeit gilt in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten (also ab 46) für alle Arbeitnehmer, die schon länger als sechs Monate im Betrieb arbeiten.
Den Anspruch auf Brückenteilzeit haben alle Arbeitnehmer, egal, ob sie in Vollzeit oder bereits in Teilzeit arbeiten, auch dann kann die Arbeitszeit vorübergehend noch weiter reduziert werden.

Wie muss ich vorgehen?

Die Brückenteilzeit ist beim Arbeitgeber zu beantragen und zwar in Textform, also entweder auf Papier oder als E-Mail. Der Antrag ist mindestens drei Monate vor dem gewünschten Termin zu stellen und muss den geplanten Beginn und die gewünschte Dauer enthalten. Der Arbeitnehmer muss außerdem angeben, wie er sich die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage vorstellt.
Ist ein Antrag gestellt, muss der Arbeitgeber diesen prüfen und zusammen mit dem Arbeitnehmer erörtern. Ziel dieses Gespräches ist, gemeinsam ein gutes Ergebnis für beide Seiten zu erreichen. Der Betriebsrat kann vom Arbeitnehmer zu diesem Erörterungsgespräch hinzugezogen werden. Er sollte deshalb unbedingt die gesetzlichen Grundlagen der Brückenteilzeit und die Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers kennen.
Den Antrag auf Brückenteilzeit kann ein Arbeitgeber nicht einfach ablehnen. Eine Ablehnung ist nur dann möglich, wenn dringende betriebliche Gründe vorliegen. Das ist der Fall, wenn die Arbeitsorganisation oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt werden oder wenn unverhältnismäßige Kosten entstehen würden. Ablehnungsgründe können in Tarifverträgen näher geregelt werden.

Besonderheit: Zumutbarkeitsgrenze

Eine Besonderheit gibt es in Betrieben mit bis zu 200 Arbeitnehmern: Hier gilt die sogenannte Zumutbarkeitsgrenze, d.h. ein Arbeitgeber kann den Brückenteilzeitwunsch eines Arbeitnehmers ablehnen, wenn pro 15 Beschäftigten bereits ein Arbeitnehmer in Brückenteilzeit ist. Beantragen mehrere Arbeitnehmer gleichzeitig Brückenteilzeit, kann der Arbeitgeber innerhalb der Zumutbarkeitsgrenze entscheiden, welchen Anträgen er stattgibt und welchen nicht.

Gut zu wissen

Bei der Rückkehr in die ursprüngliche Arbeitszeit besteht kein Anspruch auf denselben Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber kann auch eine andere, gleichwertige Arbeit zuweisen.
Lehnt ein Arbeitgeber einen berechtigten Antrag auf Brückenteilzeit ab, kann der Arbeitnehmer den Anspruch vor dem Arbeitsgericht einklagen.

Mehr zu den Voraussetzungen und Möglichkeiten der Brückenteilzeit findet Ihr auch in unserem neuen Webinar zur Brückenteilzeit [1].