von Susanne am 10.08.2012, 07:58 Uhr , Kategorie: Urlaub

Keine Frage: Urlaub tut gut. Am Strand liegen, durch fremde Städte schlendern, Sport machen… Für die meisten unverzichtbar, um mal wieder so richtig die Seele baumeln zu lassen und Energie zu tanken. Und die Deutschen sind richtige Weltmeister im Urlaub machen: Mit insgesamt  60,7 Milliarden Euro haben sie 2011 weltweit am meisten für Auslandsreisen ausgegeben – Kurzreisen nicht mit eingerechnet. Dennoch stellen Forscher immer wieder die Sinnhaftigkeit von Urlaub in Frage. Wie bitte – kann das sein?

Klar, diese Situation kennt jeder: Vor Urlaubsbeginn wird gerackert, um der Urlaubsvertretung nicht zu viel zusätzliche Arbeit aufzubrummen. Und liegt man endlich am Strand, ist die Laune immer noch mies, weil das Gehirn einfach nicht loslassen kann. Körper und Geist müssen erst einmal ankommen und sich auf Erholung einstellen. Ein paar Tage vor Urlaubsende sinkt die Stimmung dann wieder in den Keller, weil man nur noch an die Massen von ungelesenen E-Mails im Posteingang denken kann. Je mehr Stress einen am Arbeitsplatz erwartet, desto schlechter wird die Laune. Spätestens, wenn man wieder am Arbeitsplatz sitzt, ist der Blues da. Hierfür gibt es sogar einen hochoffiziellen Begriff: Post-Holiday-Syndrom.

Dass Urlaub prinzipiell guttut, lässt sich physiologisch nachweisen: Die schwedische Biopsychologin Marianne Frankenhaeuser stellte bereits in den 1980er Jahren fest, dass in arbeitsfreien Zeiten die Menge an Stresshormonen wie Adrenalin im Körper sinkt. Was dieses erfreuliche Ergebnis allerdings wieder zunichtemacht, ist die Erkenntnis, dass der Erholungseffekt anscheinend nicht sonderlich lange anhält. Zwar fühlen wir uns im Urlaub glücklicher und entspannter als zu Hause. Doch kaum ist man wieder daheim, verfliegt die Wirkung schnell: Meistens ist der Urlaubseffekt nach einer Woche wieder verschwunden, so Jessica de Bloom, Psychologin an der Universität Nimwegen. Nach Ansicht von Arbeitspsychologen ist das auch der Grund, warum so viele im Urlaub zumindest ein paar Stunden pro Tag arbeiten. Sie versuchen so, den Stress, der sie nach dem Urlaub im Büro erwartet, zu reduzieren.

Und noch eine erstaunliche Erkenntnis trat zutage: Die Dauer des Urlaubs hat nahezu keine Auswirkung auf den Erholungseffekt. De Bloom verglich Berufstätige, die sich eine Auszeit von 23 Tagen genommen hatten, mit solchen, die nur drei bis fünf Tage Kurzurlaub gemacht hatten: Beide Gruppen fühlten sich nach einer Woche zurück im Job genauso gestresst wie vor dem Urlaub.

Das Fazit der Forscher: Ein Tapetenwechsel hilft nur kurzzeitig – und ein schlechtes Stressmanagement im Alltag lässt sich nicht in den Ferien ausgleichen. Was also tun? Am Besten fängt man schon direkt am ersten Tag nach der Rückkehr aus dem Urlaub an, die nötigen Entspannungsphasen einzubauen. Ein beliebter Trick für einen sanften Einstieg ist auch, erst am Mittwoch wieder mit der Arbeit zu beginnen. Die Arbeitswoche ist dann nur drei Tage lang – das reicht, um wieder reinzukommen, ist aber kurz genug, um nicht gleich wieder vollkommen im Alltagsstress zu versinken.

Bildquelle: © DOC RABE Media – Fotolia.com

 

 



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