Der Automobilhersteller Daimler kämpft, wie viele andere in seiner Branche auch, mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Herbst 2009 befinden sich unternehmensweit etwa 27.400 Kolleginnen und Kollegen in Kurzarbeit, für rund 89.000 weitere Beschäftigte gelten verkürzte Arbeitszeiten, für die kein Lohnausgleich gezahlt wird. Schwere Zeiten also! Da fragt man sich, wie das mit dem hier zusammenpassen soll:

Seit 1995 ist das Unternehmen im Formel 1-Rennzirkus vertreten: Zusammen mit dem britischen Motorsport-Team McLaren und dem Piloten Lewis Hamilton gewann man zuletzt im Jahr 2008 nach vielen Jahren wieder mal die Fahrer-Weltmeisterschaft. Dennoch trennen sich die Teams nun. Bis 2011 werden 40 Prozent der Anteile an die Engländer zurückgegeben. Gleichzeitig gab Daimler-Chef Dieter Zetsche bekannt, dass man mit Hilfe eines arabischen Investors 75 Prozent der Anteile an Formel 1-Konstrukteurs-Weltmeister Brawn GP erwerben werde, um in der kommenden Saison wieder mit einem eigenen Werksteam an den Start zu gehen.

Daimler-Betriebsratsvorsitzender Erich Klemm verurteilt diese Entscheidung scharf. Er kritisiert, dass der Aussstieg bei McLaren endlich die Chance gewesen sei, das kostspielige Abenteuer Formel 1 zu beenden. Stattdessen steige der Vorstand sofort wieder anderswo neu ein! Klemm laut Focus online:In den Fabriken wird derzeit jeder Cent dreimal umgedreht. Die Beschäftigten nehmen in der Krise aufgrund von Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit erhebliche Einkommensverluste hin.“ Das Unternehmen solle in diesen schwierigen Zeiten lieber ins Marketing investieren, damit sich die Autos wieder besser verkaufen.

Mythos Silberpfeil: Die Formel 1 ist langfristig auf dem absteigenden Ast! Andere große Automobilhersteller wie BMW oder Toyota steigen derzeit aus dem Rennzirkus aus, weil Millionen verbrannt werden, bei Toyota das ganze auch noch ohne jeden sportlichen Erfolg. Langsam setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass man mit einem solchen Image nur suboptimal für den zweifelsfrei ökologisch geprägten Automarkt der Zukunft aufgestellt ist. Und dass man sein Kapital wesentlich sinnvoller investieren kann, als in hochgezüchtete Motoren. Was denkt man sich da wohl als Mitarbeiter in Kurzarbeit?

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 16. November 2009 um 17:22 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Kurzarbeit, Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Das Engagement in der Formel 1 kann man sicherlich nicht als reine Kosten-Nutzen-Rechnung begreifen. Vielmehr muss man sehen, dass man einen immensen Imageeffekt hat. Über das Fernsehen und auch den eigentlichen Grand Prix kommt man doch in viele Länder; gerade die F1 hat in den letzten Jahren sich sehr stark nach Asien geöffnet.

    Wenn man dann noch bedenkt, wie schnell man die gehobene Kundschaft damit begeistern kann und auch VIP-Karten verteilt, wird es doch wohl klar, dass dieses Engagement eine reine Werbemaßnahme ist.

    Wenn im Beitrag gefordert wird, mehr für die (herkömmliche?) Werbung auszugeben, etwa mehr Spots im Fernsehen oder in den Zeitungen zu schalten, muss man schon fragen, ob solche Maßnahmen überhaupt noch die Zielgruppe erreichen. Mercedes lebt wie kaum ein anderes Automobil-Unternehmen von der Marke und diese pflegt man mit der Formel 1.

    Man kann ja durchaus über Einsparungen dort nachdenken, schließlich denkt die Formel1 darüber derzeit auch sehr stark nach, aber so kurzsichtig zu sein, dass man in der F1 keinen guten Werbeträger sieht, sollte man nicht sein.

    Kommentar von: egal – am 16. November 2009 um 18:05

  2. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum Mercedes diese Entscheidung getroffen hat. F1 bietet eigentlich die beste Werbung für die Automarke an…

    Kommentar von: felix – am 07. Dezember 2009 um 12:42

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