von Peter am 03.08.2009, 21:27 Uhr , Kategorie: Wirtschaftskrise

Es ist August. Und somit Ferienzeit. Die Medien kämpfen darum, ihre Seiten mit Lesenswertem zu füllen. Nur passiert erfahrungsgemäß nichts im Juli und August. Na gut: es passiert fast nichts. Liegt vermutlich daran, weil wieder mal alle im Urlaub sind. Wie jedes Jahr. Nur: Dieses Jahr ist nicht wie jedes Jahr. Denn dieses Jahr ist Wirtschaftskrise.

Davon haben mittlerweile alle gehört. Auch Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Der musste das quasi von Berufs wegen merken. Gefallen hat es ihm nicht. Und irgendwie muss er dann gespürt haben, dass viele Zeitungen händeringend nach Druckbarem suchen, nach irgendwas, völlig egal, die Hauptsache, dass jemand mit einem Titel, der dem Leser halbwegs verständlich ist („Präsident“ – „Wirtschaft“ – „Mittelstand“, das passt!) drei Sätze geradeaus sprechen kann. Das tat er dann. Mehr nicht. Der Bild-Zeitung gegenüber deckte er auf, dass aktuell 45.000 Unternehmen des deutschen Mittelstandes ums Überleben kämpfen. Fast eine halbe Million Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Und dann klinkte er eiskalt seinen verbalen Torpedo aus, der präzise und zielgenau den Weg in die Mitte von noch unbedruckten blütenweißen Zeitungsseiten fand: „Wer einen Urlaubstag opfert, sichert seinen Arbeitsplatz.“

Das also ist der Weg aus der Krise? Finanz- und Anlageberater Ohoven, der mit seiner Firma Cinerenta vor zwei Jahren wegen Kapitalanlagebetrugs vom Oberlandesgericht München zu Schadensersatz verurteilt worden ist (Az. 20 U 2052/07) sollte ernsthaft selber Urlaub in Erwägung ziehen. Da kann man sich prima erholen, seine körperliche und geistige Arbeitskraft wieder herstellen um dann anschließend kreativ zum Wohle von Arbeitgeber und Gesellschaft zu wirken. Die einfach gestrickte Angstmacher-Parole von Ohoven lautet nur barsch: „Arbeitnehmer, opfert euren Urlaub, sonst ergeht es euch schlecht“. Ein Jammer, aber anderen Angst machen hilft fast immer!

Was kommt als nächstes? Vielleicht doch besser gleich auf zwei Tage Urlaub verzichten, auf einem Bein steht es sich schließlich schlecht. Gewagter Vorschlag, kommt aber sicher bald: Ein ganzes Jahr aussetzen! Nein, nicht mit der Arbeit, mit dem Urlaub! Das wird schon irgendwie gehen, muss ja, schließlich behält man dadurch vielleicht seinen Arbeitsplatz, das kann einen schon mal motivieren. Der Arbeiter als solcher ist ja zu Enormen fähig, wenn er denn will.

Ach ja, an dieser Stelle gleich noch ein Blick in die Zukunft: Wenn es denn mit der Wirtschaft irgendwann wieder bergauf gehen sollte, und das wird es, dann bitte ganz ganz vorsichtige Lohnzurückhaltung von allen üben, damit das kleine zarte Pflänzchen Aufschwung nicht rüde kaputt getrampelt wird von den unsensiblen und groben Stiefeln der ahnungslosen weil urlaubsreifen Arbeitnehmern.

Man findet doch immer was, das einem argumentativ in den Kram passt. Und sei es noch so blöd.

Wir verzichten vor der Krise, wir verzichten in der Krise, wir verzichten nach der Krise. Diesmal kippen wir einen Tag Urlaub weg. Gut dass er nur im Sommerloch landet.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 03. August 2009 um 21:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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