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Die Bewerbung der Zukunft: Ohne Foto, ohne Papier, ohne Hirn?

Was waren das noch für Zeiten, als man seine Bewerbung für eine neue Stelle mit der Schreibmaschine [1] getippt und anschließend links oder rechts oben das teure Porträtbild aus dem örtlichen Fotostudio mit Kleber befestigt hat. Der Lebenslauf hatte das gleiche Schicksal, Tabelleneinzug war schon schwieriger, damit am Ende auch alles halbwegs gut aussah. Wie schön, als man dann einen PC zu Hilfe nehmen konnte und nicht immer gleich alles neu schreiben musste, wenn man einen kleinen Rechtschreibfehler gemacht hat. Eintüten, zum Postamt fahren, abschicken, bangen.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet [2] nun Neues aus dem Lager der sog. Karriereberater und „Recruiting-Experten“. Diese haben, wie schon öfters, mal wieder einen Blick in die Zukunft geworfen und festgestellt: Konventionelle Bewerbungsmappen werden schon bald megaout! In Zukunft findet alles nur noch online und digital statt. Der Gipfel: Unterlagen auf dem Postweg würden gar nicht mehr angenommen. Fachfrau Svenja Hofert meint [2], dass sich die Bewerbungen auch inhaltlich verändern werden, angepasst an das sog. angelsächsische Modell: „Persönliche Daten wie Geburtsdatum, Familienstand und Foto gibt es in amerikanischen Lebensläufen nicht mehr“.

Kollege Steffen Rühl, Chef der Personen-Suchmaschine yasni [3]geht in seiner Vision noch einen Schritt weiter: Klassische Bewerbungen würden bis in etwa zehn Jahren ganz verschwinden, Arbeitnehmer werden dann ein eigenes elektronisches Profil im Netz haben, das sie pflegen müssen.

Ich sehe schon den durchschnittlichen deutschen Arbeitgeber (Mittelstand, ca. 20 Arbeitnehmer) vor mir, wie er gerade seine vernetzte Online-Datenbank pflegt oder sogar jemanden dafür einstellt, dies zu tun, damit Online-Interessenten ihre gesichtslose eBewerbung reinschicken können. Oder der ungelernte Arbeitnehmer, der sein Online-Profil in sozialen Netzwerken „pflegt“, damit er bei einer Zeitarbeitsfirma vielleicht die Chance bekommt, zu einem Mindestlohn, der diesen Namen sicher nicht verdienen wird, tätig zu werden.  Hirnlose neue Welt.

Peter