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Prügel-Pauker: Keine Kündigung trotz Ohrfeige

[1]Gott sei Dank, die Prügelstrafe in unseren Schulen gibt es nicht mehr. Vielmehr ist es normalerweise so, dass der bestraft wird, der zuschlägt. Immer? Nicht in dem Fall, den das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (22.9.2011, 4 Sa 404/10 [2]) zu entscheiden hatte. Zumindest konnte hier einem Lehrer, der eine Schülerin geschlagen hatte, nicht gekündigt werden. Denn: Es war nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der Handlung des Lehrers um einen Reflex im Zusammenhang mit eskalierenden Verhaltensweisen von Schülern handelte.

Ob ein Lehrer gekündigt werden darf, der einen Schüler schlägt, bedarf einer genauen Betrachtung der Gesamtumstände, so die Richter. Hier lagen laut Urteil besondere Umstände vor. Zum einen war die Situation insgesamt sehr eskalierend. Dies wurde durch die Beweisaufnahme (hier: Zeugenaussagen) bestätigt. Zum anderen wurde die Schülerin selber körperlich tätig und schlug auf den Arm des Lehrers, der schon vorher verletzt war. Dessen Schlag war deshalb, nach eigener Aussage, ein Abwehrreflex. Dies konnte ihm auch nicht widerlegt werden. Aufgrund der Abwägung in diesem konkreten Einzelfall war die Kündigung des Lehrers unwirksam.

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