- Betriebsrat Blog - https://blog.betriebsrat.de -

Über Menschenausbeutung und Billigkleidung

Letzte Woche war im Betriebsrats Blog ein TV-Tipp zu lesen: Die KiK-Story [1]. Eine hochinteressante Reportage [2], die sich mit der Ausbeutung von KiK-Arbeitnehmern in Deutschland und vor allem mit den skandalösen Bedingungen in den Produktionsstätten in Bangladesh beschäftigte.

Heute morgen stand in der Tageszeitung  Die Welt eine interessante Pro-Contra-Debatte genau zu diesem Thema: „Soll man Billig-Kleidung“ boykottieren?“

Für einen Boykott [3]spricht ganz klar unsere Ethik und Moral: Es ist nur schwer mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren, dass man (billige) Kleidung trägt, die unter menschenverachtenden Bedingungen geschaffen wurde. Als Ausweg schlägt die Autorin vor, dass ähnlich wie in der Kaffeeindustrie ein faires Handelssystem geschaffen werden sollte. Die Kleidung wird dann zwar teurer, aber dafür kann der Kunde sie auch ruhigen Gewissens kaufen, ohne Menschenausbeutung indirekt unterstützt zu haben.

Der Contra-Autor [4]nennt die skandalösen Arbeitsbedingungen ebenso beim Namen. Er macht aber auch deutlich, dass ein faires Handelssystem keinen Ausweg bietet. Er verweist vielmehr auf einen Blick in die Wirtschaftsgeschichte: Auch Japan, Südkorea und Singapur waren einmal absolute Billiglohnländer. Erst durch diesen Prozess hindurch sind sie zu Wirtschaftsmächten geworden. Und selbst in Deutschland wurden vor Generationen Kleidungsstücke unter ausbeuterischen Bedingungen produziert. Das Stichwort heißt „Industrialisierung“. Und weiter: „Niemand kann von einer Agrargesellschaft in eine Wissensgesellschaft springen ohne diesen schwierigen Zwischenschritt getan zu haben“. Das Problem werde sich also im Laufe der Zeit von selbst lösen.

Auch diese These mag nicht unbedingt befriedigen.