- Betriebsrat Blog - https://blog.betriebsrat.de -

24-Stunden-Kitas im Anmarsch

blaue Männchen stehen um einen Uhr herum [1]Erst kürzlich hat das Bundesverfassungsgericht [2]festgestellt, dass das Betreuungsgeld unwirksam ist, da es in seiner bisherigen Form gegen das Grundgesetz verstößt. Die entsprechende Vorschrift wurde für nichtig erklärt. Neuanträge werden künftig nicht mehr berücksichtigt. Bestehende Bescheide sollen aber nicht geändert werden.

Damit könnte die Sache ja nun erledigt sein. Doch nein – jetzt beginnt der Streit ums Geld! Denn immerhin waren für das „Projekt Betreuungsgeld“ 2015 im Bundeshaushalt 900 Millionen Euro eingeplant. Was geschieht jetzt damit? Ein polarisierender Plan kommt von Familienministerin Manuela Schwesig: Sie will Kinderbetreuung rund um die Uhr und setzt sich für 24-Stunden-Kitas ein. Doch der Vorschlag ist umstritten. Kritiker befürchten, dass durch dieses Modell das Familienleben der Arbeit untergeordnet wird und die Kinder am Ende die Verlierer sind. Arbeitgeber-Präsident Dulger dagegen bestätigt laut FAZ  [3]Schwesig in ihrem Ansatz. Er ist der Meinung, es sei „in Ordnung, wenn Du Dein Kind mal für 24 Stunden in einer Kita abgibst.“ Dulger beklagt ein „verkrampftes Familienbild“ und ist der Meinung, „wir müssen uns von erlernten Weltbildern verabschieden“.

Das Familienministerium plant, jetzt nicht nur dafür sorgen, dass es neue 24-Stunden-Kitas gibt, sie will auch die erheblich fördern, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung bereits anbieten. Denn das Modell gibt es tatsächlich schon länger. Die erste Einrichtung öffnete vor sechs Jahren in Schwerin, berichtet unter anderen der Spiegel [4]. Der Bedarf war so groß, dass 2014 die zweite folgte. Ein drittes Angebot für Schichtarbeiterfamilien ist geplant. Weniger erfolgreich war das Projekt an anderen Standorten: Wegen zu hoher Personalkosten und Mieten mussten einige wegen finanzieller Engpässe ihre Öffnungszeiten wieder reduzieren. Woanders wurde das Angebot von Familien gar nicht angenommen.

Für Arbeitnehmer in Deutschland, die ihr Geld am Wochenende, abends, in der Nacht oder im Schichtbetrieb verdienen, lohnt es sich, über eine Lösung wie diese nachzudenken. Immerhin ist das inzwischen jeder Vierte. Und: Das besondere Kita-Angebot ist nicht dafür da, dass Mama und Papa ihre Kinder abgeben, um ihr eigenes Freizeitprogramm ausschweifender gestalten zu können. In den meisten Einrichtungen müssen die Eltern jeden Monat einen Arbeitszeitnachweis vorlegen, damit kein Missbrauch möglich ist. Anderswo gibt es sogar „Stechuhren“ für die Junioren: Jedes Kind darf hier pro Werktag nur zehn Stunden eine Kita besuchen.

Bildquelle: © alexsl-istockphoto.de