von Christine am 30.06.2020, 08:40 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt
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Das Rettungspaket der Lufthansa ist unter Dach und Fach. Trotzdem fürchten viele Beschäftigte weiter um ihren Arbeitsplatz. Heute gehen die Verhandlungen über die Sparpläne in die nächste Runde.

„Wir haben kein Geld mehr“, sagte Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley zu Beginn der entscheidenden Aktionärsversammlung in der vergangenen Woche. Wegen Corona war der Konzern tief in die Krise gerutscht. Von der Zustimmung der Aktionäre hing es am Ende ab, ob das Rettungspaket der Bundesregierung umgesetzt werden konnte. Streitpunkt: Zwar bringt der Staat dem Unternehmen neun Milliarden Euro mit, wird aber zugleich zum Anteilseigner. Am Ende stimmten die Aktionäre zu. Ein Rettungspaket für die Arbeitsplätze bei der Lufthansa?

Keine Beschäftigungsgarantie

Eine Beschäftigungsgarantie ist mit dem Einstieg des Staates in den Konzern nicht verbunden. Auf die Beschäftigten der Lufthansa kommen harte Einschnitte zu. Das Unternehmen bezifferte den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen – rund 11.000 davon in Deutschland.

Ufo: Einsparungen von 0,5 Mrd. €

Mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat sich Lufthansa inzwischen auf Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro geeinigt. Das Corona-Sparprogramm gilt bis Ende 2023 und umfasst einen vierjährigen Kündigungsschutz. Die Lufthansa erklärte, dass durch die Vereinbarungen betriebsbedingte Kündigungen für die 22.000 Kabinenmitarbeiter vermieden werden konnten. Neben freiwilligen Maßnahmen gehören u.a. Gehaltsreduzierungen zu den Einschnitten., die am Ende 0,5 Mrd. € einsparen sollen.

Verhandlungen mit Verdi gehen weiter

Die Verhandlungen mit Verdi gehen indes weiter. Die Gewerkschaft, die rund 35.000 Beschäftigte der Lufthansa vertritt, verlangt einen besseren Schutz vor Jobverlusten. Sparbeiträge seien bereits angeboten worden, aber einen „Blankoscheck“ könnten die Mitarbeiter nicht ausstellen, sagte die Verdi-Vizevorsitzende Christine Behle. Die Menschen erwarteten im Gegenzug Sicherheit. Die nächsten Gespräche finden heute (30.06.2020) in Frankfurt statt.

Vereinigung Cockpit – den Kranich in der Luft halten

Für die mehr als 5.000 Piloten verhandelt derzeit die Vereinigung Cockpit. „Wir wollen den Kranich in der Luft halten“ – mit diesen Worten beschrieb Markus Wahl, Präsident der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, schon vor Wochen die aktuelle Lage bei der Lufthansa. Das Angebot: Auf bis zu 45 % ihres Gehalts sollen die Lufthansa-Piloten verzichten, zunächst bis zum Sommer 2022. Die Verhandlungen gehen weiter, Knackpunkt ist auch hier der Beschäftigtenschutz.

Wieder mehr Flieger in der Luft

Indes fährt die Lufthansa ihren Flugbetrieb wieder hoch. Bis Ende Oktober will das Unternehmen mehr als 380 Flugzeuge einsetzen. Dies sind 200 Flugzeuge mehr als noch im Juni. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im April hoben nur noch rund 60 Flugzeuge der Lufthansa ab.



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 30. Juni 2020 um 08:40 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Hallo, ich bin Lufthanseatin mit Leib und Seele und von der momentanen Krise betroffen. Ich bin seit 32 Jahren am Flughafen Köln Bonn als Boden Stewardess tätig. Nun stehen Kündigungen bevor.
    Ich mache den Job sehr gerne, gleichwohl will die deutsche Lufthansa sich schon seit vielen Jahren der Bodenmitarbeiter entledigen.
    Nach langem Gerangel wurde für die dezentralen Stationen, alle Stationen außer München und Frankfurt, vor 5 Jahren ein Interessensausgleich/Sozialplan ausgehandelt. in dieser Zeit konnten Mitarbeiter Wechselangebote zu den beiden Hubs, Atz oder Aufhebungsvertäge unterschreiben.
    Ich für meinen Teil, habe mich für den Altersteilzeit entschieden.
    Seit 1.6. sind wir im sogenannten Clearing, welches trotz der Krise eröffnet wurde. Der Arbeitgeber hat nun 36 Monate Zeit den Mitarbeitern ein Jobangebote zu unterbreiten.
    Die dezentralen Stationen schließen aber am 31.5 2021, was bedeutet, dass Lufthansa uns die Zusicherung gegeben hat, den Rest der Atz in Frankfurt abzuleisten.
    Nun soll alles anders kommen und der Sozialplan gekündigt werden.
    Die deutsche Lufthansa entledigt sich in schweren Zeiten einfach mal derjenigen Mitarbeiter, die über 30 Jahre im Unternehmen sind, mindestens Mitte 50 sind und immer zum Unternehmen gestanden haben, während die UFO für die Mitarbeiter einen 4 jährigen Kündigungschutz ausgehandelt hat.
    Wir erwarten auch entsprechende Verhandlungen mit uns.

    Kommentar von: Ute Herberg – am 01. Juli 2020 um 05:52

  2. Danke für diesen tollen Blog. Lese schon seit einiger Zeit hier still mit.

    Kommentar von: Evelyn – am 07. Juli 2020 um 08:53

  3. Hallo Ute,

    das tut mir sehr leid für Euch. Gerade, wenn man so lange seinem Unternehmen treu war, schlechte Zeiten mitgemacht hat und trotzdem immer dafür gesorgt hat, dass es weitergeht, ist es sehr bitter, so behandelt zu werden.

    Leider ist es in vielen Konzernen so. Am Ende ist es egal, was du geleistet hast, du wirst eben trotzdem entlassen. Da kann man froh sein, wenn man eine Alterslösung erhält.

    Ich denke, dies ist ein generelles Problem in unserer „sozialen“ Marktwirtschaft, die ja eher eine ökonomische Marktwirtschaft ist.

    Die Menschen sind nicht mehr wichtig. Es wird alles digitalisiert und die Manager vergessen, dass Technik nicht alles ist. Ich bin ein Mensch und will mit MENSCHEN kommunizieren, nicht mit Maschinen. Ein Angestellter hilft mir schneller und besser weiter, als eine Maschine, die eben nicht mit mir wirklich kommunizieren kann.

    Wenn das mal in die Managerköpfe rein geht, wären wir einen großen Schritt weiter.

    Und dann sollte es nicht zur Maxime werden, die Gewinne abzuschöpfen, und wenn es schlecht läuft, den Staat zu beteiligen und somit die Kosten und Verluste auf den Steuerzahler abzuwälzen.

    Wir leben in einer bewegten Zeit und wir alle, insbesondere die BRs sollten sie aktiv zum Besseren mitgestalten.

    Viele Grüße
    Denkt nach!

    Kommentar von: Denkt nach! – am 07. Juli 2020 um 11:15

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