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Was sind eigentlich Wohlstandsverluste?

Neulich recherchierte ich einen Artikel [1] über den heftig umstrittenen Fachkräftemangel. Dabei stieß ich auf ein Zitat von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Laut einer Meldung von „Welt Online [2]“ habe der Personalmangel, so der Minister, allein im Jahr 2009 zu Wohlstandsverlusten in Höhe von 15 Milliarden Euro geführt. Ich frage mich, was er damit eigentlich genau gemeint hat, da mir das Wort nicht geläufig ist? Bei 15 Milliarden Euro wird man das ja mal tun dürfen.

Jetzt kann man natürlich sagen, was stellt der sich so an, ist doch klar, was das ist, sagt ja schon das Wort. Ein Verlust an Wohlstand ist ein Weniger an Wohlstand. Scheinbar würden wir mehr Wohlstand haben, wenn es diese Verluste nicht gegeben hätte. Na ja, aber der Brüderle nennt ja auch eine konkrete Zahl, 15 Milliarden. Wie kommt der da drauf? Und wer genau hat nun diesen Wohlstand verloren? Wir die Bevölkerung, die Arbeitnehmer, die Unternehmer oder der Staat selbst? Heißt Wohlstandsverlust, dass weniger Umsatz gemacht werden konnte, weil in Brüderles Fall viele Fachkräfte in den Betrieben gefehlt haben, mangels derer Aufträge nicht erteilt oder abgelehnt werden mussten? Zur Erinnerung: Der Begriff tauchte im Zusammenhang mit „Fachkräftemangel“ auf. Wie hat Brüderle das gemessen? Gibt es eine Erfassung für von Firmen abgelehnte Aufträge, die in einen Wohlstandsverlust-Index mündet? Zwischenfrage: Warum wurden letztes Jahr eigentlich fast überall Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt, wenn dem so gewesen wäre? Hier hakt es aber gewaltig.

Mich beschleicht das Gefühl, dass wir hier gehörig auf den Arm genommen werden. Mal abgesehen davon, dass man volkswirtschaftlich im Bereich der Messung des allgemeinen Wohlstandes tatsächlich von Wohlstandsverlusten spricht, die sich aber auf andere Zusammenhänge wie etwa die allgemeine Umweltverschmutzung oder die Zunahme von Lärm beziehen, sind die vom Herrn Minister erwähnten Verluste wohl lediglich dazu geeignet, das „Märchen vom Fachkräftemangel“ [3] mit einer „Was wäre wenn“-Geschichte blumig auszumalen. Gut dass diese Propaganda endlich mal einen Riss bekommen hat.

Peter