„Fridays for Future“ hat wieder einen weltweiten Protest angekündigt. Unter dem Motto #AlleFürsKlima sind übermorgen, am 20. September, nicht nur Schüler, sondern auch Arbeitnehmer aufgerufen, sich an den zahlreichen Kundgebungen zu beteiligen. Fernbleiben von der Arbeit für den Klimaschutz, darf ich das als Arbeitnehmer – oder drohen mir Abmahnung und sogar Kündigung? Und was können Betriebsräte tun?

„Gemeinsam können wir die Welt retten“, sagte meine 11-jährige Tochter heute zu mir am Frühstückstisch. Sie ist dabei, wenn es übermorgen wieder auf die Straße geht. Ihre Schule hat dies sogar zur Pflicht gemacht, eine Exkursion im Namen der politischen Bildung.

Auch die Gewerkschaften beteiligen sich. Klimaschutz sei weltweit eine „Aufgabe von absoluter Dringlichkeit“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Allerdings dürfen Gewerkschaften nur im Rahmen von Tarifverhandlungen zum Streik aufrufen, nicht aber zu politischen Demonstrationen wie Fridays for Future.

Daher gilt: „Stopp!“ an alle Arbeitnehmer, die am Freitag einfach so während ihrer Arbeitszeit losmarschieren möchten. Denn bleibt man unerlaubt der Arbeit fern, kann dies zu arbeitsrechtlichen Sanktionen – und schlimmstenfalls sogar zu einer Kündigung führen.

Sicher als Arbeitnehmer mitdemonstrieren

Ganz wichtig: Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher mit seinem Arbeitgeber darüber absprechen. Möglich sind, je nach den Regelungen des Arbeitsvertrages, zum Beispiel Zeitabbau, ein Tag Urlaub oder die Verlängerung der Mittagspause. Vielleicht lässt sich auch eine Schicht tauschen? Kurzum, die Regel lautet: Erst freinehmen, dann ab zur Demo.

Betriebsrat als Vorreiter

Auch als Betriebsrat dürfen Sie natürlich nicht zur Teilnahme an dieser Demonstration aufrufen. Doch vielleicht können Sie im Gespräch mit dem Arbeitgeber eine Regelung für das ganze Unternehmen finden. Wie wäre es zum Beispiel mit einer gemeinsamen aktiven Mittagspause?

Unternehmen machen es vor

Es gibt sogar Unternehmen, die selbst aktiv geworden sind und den Aktionstag unterstützen. In den Netzwerken Together for Future und Entrepreneurs for Future finden sich zahlreiche Einträge von Firmen, die sich beteiligen am 20.09.2019.

So stellt beispielsweise der Bundesliga-Verein Mainz 05 seine Mitarbeiter frei für die Klimademos; auch Axel Springer ermöglicht seinen Mitarbeitern die Teilnahme am Klimastreik ohne Extra-Urlaub.

Tipp: Eine Übersicht der deutschlandweiten Demos am 20.09.2019 findet sich unter https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/#map

Exkurs
Demonstrieren oder streiken – Was ist der Unterschied?
Alle Deutschen haben grundsätzlich das Recht, sich ohne Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Gemeint sind damit „Demonstrationen“, geregelt ist dies in Art. 8 des Grundgesetzes (GG). Demonstrationen unter freiem Himmel müssen bei der Polizei angemeldet werden.
Das Streikrecht ist in Art. 9 GG geregelt. Arbeitnehmer dürfen sich in Gewerkschaften zusammenschließen; Streiks sind als Mittel des Arbeitskampfs für das Erreichen tariflicher Ziele zulässig (z.B. für Lohn und Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen).



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 18. September 2019 um 13:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsvertrag, Arbeitszeit, Tarifrecht abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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