von Christine am 08.04.2020, 13:35 Uhr , Kategorie: Arbeitszeit
Gert Altmann / Pixabay

Arbeitszeitverordnung wegen Covid-19

Wegen der Corona-Krise rechnen manche Beschäftigte mit längeren Arbeitszeiten. Die Bundesregierung hat eine Covid-19-Arbeitszeitverordnung auf den Weg gebracht, mit der neben längeren Arbeitszeiten auch kürzere Ruhezeiten sowie Sonn- und Feiertagsdienste eingeführt werden können.

So kann die Arbeitszeit in bestimmten Berufen künftig auf bis zu zwölf Stunden verlängert werden. Die tägliche Ruhezeit soll von elf auf neun Stunden verkürzt werden können. Schließlich kann die Wochenarbeitszeit „in dringenden Ausnahmefällen“ auch über 60 Stunden hinaus verlängert werden, heißt es Berichten zufolge in dem Entwurf.

Systemrelevante Berufe betroffen

Die kurzfristige Lockerung des Arbeitszeitgesetzes soll nicht für alle gelten, sondern für die systemrelevanten Berufe. Betroffen davon sind also Mitarbeiter in der Herstellung, Verpackung und beim Einräumen von Waren des täglichen Bedarfs, in der Landwirtschaft und bei der Wasser- und Energieversorgung. Auch in Apotheken und Sanitätshäusern könnte dann länger gearbeitet werden. Beschäftige in Verkaufsstellen – insbesondere in Lebensmittelfilialen – und Beschäftigte von Lieferdiensten sind von der Covid-19-Arbeitszeitverordnung der Bundesregierung ausgenommen.

Den Entwurf hat laut „Handelsblatt“ das Bundesarbeitsministerium im Einvernehmen mit dem Gesundheitsministerium auf den Weg gebracht.

Die Regelung gilt befristet bis zum 31. Juli 2020. Die Verordnung setzt das geltende Arbeitszeitgesetz teilweise außer Kraft.

Kritik der Gewerkschaften

DGB-Chef Reiner Hoffmann findet die Lockerung laut Tagesspiegel „überflüssig wie einen Kropf“. Die Arbeitgeber seien dazu verpflichtet, längere Arbeitszeiten zu vermeiden und dafür Neueinstellungen vorzunehmen. Zudem hätten die Arbeitgeber auf die Gesundheit der Beschäftigten zu beachten. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) äußerte sich besorgt. „Gerade angesichts der enormen aktuellen Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen, in der Pflege, bei der Bundesagentur für Arbeit und in vielen anderen systemrelevanten Bereichen bedürfen die dort Beschäftigten besonderen Schutz, mit ihrer Gesundheit darf kein Schindluder getrieben werden“, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. „Die Arbeitgeber müssen sich jetzt der Verantwortung für ihre Beschäftigten stellen. Erst wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind, darf von den Notfallregeln Gebrauch gemacht werden“, so Werneke weiter.

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Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 08. April 2020 um 13:35 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeit abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. An dieser Stelle sei nur gesagt wie Realitätsfremd doch unsere Politiker argumentieren.Vom wahren Leben keine Ahnung.
    Voller Histerie und vern von jeder Realität.

    Kommentar von: Frank Reinecke – am 09. April 2020 um 18:15

  2. Wie auch immer die Arbeitszeitregeln jetzt sind oder vorher waren, bei uns in der Dialyse sind die Dienste anders häufig kaum machbar.
    Überstunden müssen jetzt alle leisten, auch um die Covid Patienten auf der Intensivstation dialysieren zu können.
    Der Gesundheitsschutz macht mir tatsächlich Sorgen

    Michaela Niedermaier

    Kommentar von: Michaela Niedermaier – am 12. April 2020 um 12:03

  3. Jetzt sollen die, die eh schon einer enormen Belastung unterliegen auch noch gesetzlich ihres Gesundheitsschutzes durch das ArbZG beraubt werden!!!

    Kommentar von: Stefan Pulver – am 20. April 2020 um 08:21

  4. Gerade die Landwirtschaft ist darauf angewiesen, dass Arbeiten dann durchgeführt werden, wenn sie anfallen. Der einzige, der da was zu sagen hat, ist das Wetter, denn davon hängt im Wesentlichen ab, ob gearbeitet werden kann oder nicht. Da kann sich der Bürger auf den Kopf stellen – wenn am Wochenende die Bedingungen stimmen, dann muss im wahrsten Sinne des Wortes „geackert“ werden. Der Landwirt kann es sich nicht aussuchen. Seien wir doch den Menschen einfach dankbar, die das auf sich nehmen, einschließlich der vielen ausländischen Arbeitskräfte, die sich Arbeit in der Fremde suchen müssen und dafür sorgen, dass gesät, gepflegt und geerntet werden kann, damit wir alle was zu essen haben!

    Kommentar von: Christine Coenen – am 23. April 2020 um 11:10

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