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„Wenn man sich lieb hat und beide wollen…“

[1]Mit der Vertrauensarbeitszeit ist es wie bei einem Ehevertrag: Wenn man sich lieb hat und beide wollen, dann ist es an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen. Im Klartext: Man schließt eine entsprechende Vereinbarung ab. Das meint [2] Michael Felser, der bekannte Fachanwalt und Experte für Arbeitsrecht. Das Problem an der Sache: Vertrauensarbeitszeit ist nicht so easy wie es klingt sondern durchaus umstritten!

Es klingt alles sehr verlockend: Private Termine lassen sich plötzlich ganz problemlos mit geschäftlichen unter einen Hut bringen, die zeitliche Abstimmung etwa von Arztterminen oder ähnlichem funktioniert reibungslos. Arbeiten wann und wo man will. Ist das das Paradies? Um dies zu beantworten, sollte man zuerst mal verstehen, was Vertrauensarbeitszeit bedeutet. Kurz gesagt: Während der Arbeitgeber auf die genaue Kontrolle der Einhaltung der Arbeitszeit durch den Arbeitnehmer verzichtet und darauf vertraut, dass dieser seinen Aufgaben auch ohne Überprüfung nachkommt, kann der Mitarbeiter in einem arbeits- und tarifvertraglich festgelegten Rahmen selbständig entscheiden, wie, wo und wann er seinen Pflichten nachkommt.

Arbeitgeber schätzen besonders, dass bei diesem Arbeitszeitmodell weniger Zeit „verschwendet“ wird, Überstunden reduziert werden, die Arbeitszeiten sich besser an die betriebliche Situation anpassen lassen und nicht zuletzt auch Zeiterfassungskosten entfallen. Demgegenüber kritisieren vor allem Gewerkschaften, dass Arbeitszeiten nicht mehr dokumentiert werden, Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz somit kaum nachweisbar sind. Bei Beschäftigten, die derart tätig sind, komme es häufig zu Leistungsverdichtung, Überlastung und in der Folge zu Burn-out. Die Aufgabe des Zeitmanagements werde zudem fast vollständig an den Mitarbeiter delegiert und könne im schlimmsten Fall zu einer gesundheitlich bedenklichen Art der Selbstausbeutung führen.

Vertrauensarbeitszeit wird immer häufiger zum Thema. Als Betriebsrat sollte man wissen, welche Möglichkeiten es gibt, die betriebliche Arbeitszeit (mit) zu gestalten und wie der gesetzliche Spielraum bei der betrieblichen Mitbestimmung voll ausgeschöpft werden kann. Einen guten Einstieg verschaffen Schulungen, die das Thema Arbeitszeit intensiver aus Sicht der Mitarbeitervertretung beleuchten. Einen Überblick zu Inhalten und Terminen erhält man hier [3].

Weiterer Lesetipp: Artikel aus der Fachzeitschrift „der betriebsrat“ mit Tipps für die Betriebsratspraxis [4]

Bildquelle: © Jeanette Dietl – Fotolia.com