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Die Weisheit der Dakota-Indianer am schwarzen Brett des Betriebsrats

[1]„Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ Diese angeblich uralte Weisheit der Dakota-Indianer macht schon seit langer Zeit ihre Runden durch die Arbeitsstätten moderner Büromenschen. Wir verzichten auf ihre Wiedergabe und verlinken lieber zu Roland Schäfer, dem Bürgermeister der Stadt Bergkamen, der diese Sprüchlein hier auf seiner Webseite veröffentlicht [2] hat.

Der Betriebsrat eines süddeutschen Unternehmens hatte sich bestimmt etwas dabei gedacht, als er die legendäre Dakota-Weisheit (und noch eine „witzige“ andere Anekdote) per Aushang an seinem Schwarzen Brett den Beschäftigten zugänglich machte. Das hing dann etwa zwei Wochen lang aus, ohne dass beim BR irgendeine Reaktion von Seiten der Belegschaft eingetrudelt wäre. Bis es der Arbeitgeber gesteckt bekam. Und der war nicht sehr amused! Er teilte dem Betriebsrat mit, dass er in der Dakota-Weisheit einen unangemessenen, symbolischen Vergleich mit dem Unternehmen sehe, womit er nicht einverstanden sei (Unternehmen = totes Pferd. Klar oder? Falls nicht, dann vielleicht doch den Link oben mal kurz anklicken). Der andere Witz sei sexistisch und gehe gar nicht (wer das beurteilen möchte,  bitte hier klicken [3], aber nicht enttäuscht sein…). Ja, es hätte sogar schon Beschwerden aus der Belegschaft gegeben. Fazit des Chefs: Die Aushänge müssen sofort entfernt werden!

Mit dem Schwarzen Brett des Betriebsrat ist es eigentlich ganz einfach: Nach § 40 Abs. 2 BetrVG [4] hat der Arbeitgeber sog. sachliche Mittel in erforderlichem Umfang zur Verfügung zu stellen. Dem Betriebsrat muss es möglich sein, die Beschäftigten ordnungsgemäß und angemessen zu unterrichten. Zwar ist E-Mail schon länger schwer im Kommen, aber das Schwarze Brett ist in vielen Betrieben immer noch der Klassiker.

Die Frage ist: Was darf ein Betriebsrat eigentlich aushängen? Alles was er will? Oder kann der Arbeitgeber den Aushang bestimmter Dokumente verbieten? Wem jetzt das Stichwort Zensur in den Sinn kommt, der darf beruhigt sein. Das geht natürlich überhaupt nicht! Denn: Ob etwas ausgehängt wird oder nicht, entscheidet grundsätzlich allein der Betriebsrat. Er hat das Recht alle Anschläge anzubringen, die thematisch im Rahmen seiner Aufgaben und Befugnisse liegen. Schwieriger wird es, wenn durch einen Aushang möglicherweise der Betriebsfrieden gestört ist, zum Beispiel weil der Arbeitgeber beleidigt wird. Wenn der Fall extrem ist,  dürfte der Arbeitgeber sogar berechtigt sein, das entsprechende Dokument eigenmächtig abzuhängen. In „gemäßigteren“ Fällen muss er jedoch den Rechtsweg beschreiten, um den Aushang beseitigen zu lassen, ob er sich nun beleidigt fühlt oder nicht. Das bedeutet: Nur das Arbeitsgericht entscheidet dann über die Zulässigkeit, aber nicht der Arbeitgeber.

Natürlich könnte man sich fragen, ob das Verbreiten von Witzen noch in den Aufgabenbereich des Betriebsrats fällt. Unter dem Aspekt einer Verbesserung des Betriebsklimas kann man das sicher bejahen (übrigens: wie man als BR das Betriebsklima nachhaltig verbessert, erfährt man hier [5]). Nun haben nicht alle den gleichen Humor, aber das ist ja nichts Neues. Der Hammer: Im vorliegenden Fall hat der Arbeitgeber die betriebsübliche „Du“-Anrede zumindest dem Betriebsrat gegenüber auf „Sie“ zurückgenommen. Ob nun die Witze der Auslöser waren oder das Faß nur zum Überlaufen brachten, wissen wir nicht. Aber wenn sogar der Bürgermeister von Bergkamen, wie eingangs erwähnt, diese Dakota-Geschichte auf seiner Webseite als „Fallbeispiel für Erfolgsstrategien moderner Verwaltungsführung“ veröffentlicht, dann kann das Ding inhaltlich so doof nicht sein. Dann sollte man vielleicht mal versuchen, die „Message“ dahinter zu suchen und nicht nur am toten Pferd hängen bleiben. Ohne Humor geht’s im Leben einfach nicht. Spaßfreie Arbeitszonen – nein danke.

(Bildquelle: © Bonnie Schupp – iStockphoto)