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Tipps für die Krisenkommunikation des Betriebsrats

Betriebsrat Krisenkommunikation
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So gelingt die Öffentlichkeitsarbeit in schwierigen Zeiten

Gastbeitrag von unserem ifb-Kommunikationsexperten Ralf Richter

Eine gute innerbetriebliche Kommunikation ist immer ein zentraler Teil der Betriebsratsarbeit. In schwierigen Zeiten bekommt sie eine noch bedeutendere Rolle. Denn was passiert, wenn den Kollegen Informationen fehlen? Wenn es ihnen nicht möglich ist, die aktuelle Situation oder bevorstehende Veränderungen zu verstehen? Sie füllen die Informationslücken durch vermeintlich logische Erklärungen. Oft – und gerade, wenn mobil gearbeitet wird – sind das aber Ergebnisse einer blühenden Fantasie. Um es mit Alberto Moravia zu sagen: „Wo Nachrichten fehlen, wachsen die Gerüchte.“ Hier gilt es für Sie als Betriebsrat, mit glaubwürdigen Informationen gegenzusteuern.

Grundsätze der Krisenkommunikation

Innerbetriebliche Öffentlichkeitsarbeit bedeutet, durch Informationen kontinuierlich, koordiniert und frühzeitig für Klarheit und Sicherheit zu sorgen. Die vier kommunikativen Grundsätze Offenheit, Transparenz, Glaubwürdigkeit und Dialogorientierung gelten insbesondere auch zu Krisenzeiten:

Offenheit

Vermitteln Sie, was Sie wissen. Stellen Sie dar, wie Entscheidungen zustande gekommen sind. Gerade auch, wenn Sie eine andere Meinung haben als die Geschäftsleitung.

Transparenz

Eng verbunden mit dem Aspekt der Offenheit. Versuchen Sie, ein plausibles Bild der momentanen Lage zu zeichnen, weisen Sie aber an dieser Stelle auch auf Unsicherheiten hin.

Glaubwürdigkeit

Ängste werden vermindert, wenn Informationsvermittlung vertrauens- und glaubwürdig erfolgt. Dazu braucht es von Ihrer Seite eine hohe Sachkenntnis, Offenheit bzw. Ehrlichkeit sowie eine positive und vertrauensvolle Haltung gegenüber der Belegschaft.

Dialogorientierung

Bei jeder Art der Kommunikation können Fragen aufkommen. Geben Sie den Kollegen die Möglichkeit der Rückmeldung.

Wichtig bei der Kommunikation: Versuchen Sie, sich in die konkrete familiäre, berufliche, arbeitsplatztechnische Situation hineinzuversetzen und die jeweils geeigneten Informationen aufzubereiten und zu verteilen.

Keine Kommunikation ohne Konzept

Um wirksam und zielführend zu kommunizieren, brauchen Sie ein Konzept; also eine Idee, was wann zu tun ist. Jede innerbetriebliche Öffentlichkeitsarbeit sollte ein Kommunikationskonzept als Grundlage haben. Dieses ist nicht statisch, sondern wird immer einer aktuellen Situation angepasst. Dabei durchläuft man immer die gleichen fünf Schritte:

1. Situationsanalyse

Verschaffen Sie sich in diesem Schritt eine möglichst klare Vorstellung von der momentanen Situation. Stellen Sie sich selbst Fragen und versuchen Sie, diese zu beantworten. Wenn Fakten fehlen, dann stellen Sie Hypothesen auf. Diese Situationsanalyse ist immer sehr individuell. Hier gibt es leider keine Patentrezepte. Fragen könnten sein: „Was bewegt die Belegschaft gerade?“ „Wie sieht die wirtschaftliche, personelle, arbeitstechnische Lage aus?“, Welche Aussagen, Strategien und Aussichten gibt es von der Geschäftsleitung?“ „Wie stehen wir als Betriebsrat dazu?“ „Wie erreiche ich die einzelnen Kollegen?“

2. Zieldefinition

Sicher, Ihr Ziel ist es, die Belegschaft zu informieren. Aber was ist der tiefere Beweggrund? Wollen Sie zeigen, dass der Betriebsrat auch in unruhigen Zeiten der Fels in der Brandung ist? Wollen Sie sich als Ideengeber profilieren (2022 sind wieder BR-Wahlen)? Wollen Sie deutlich machen, wie Sie die Mitarbeiterrechte wahren und den Arbeitgeber zum Handeln zwingen? Oder auch Partner in der Krise sein? Je nach Ausrichtung wird die Kommunikation unterschiedlich aussehen.

3. Zielgruppe

Die demografische Zusammensetzung der Belegschaft kennen Sie. Aber gerade was die örtliche Verteilung betrifft, kann sich in letzter Zeit viel verändert haben. Wissen Sie, wie viele Kollegen im Home-Office bzw. beim mobilen Arbeiten sind? Gibt es jemanden, der in Quarantäne oder in häuslicher Isolation ist? Wie sieht es mit Themen wie Kurzarbeit und Freistellungen aus? Hier braucht jeder eine andere Menge und Tiefe von Informationen. Versuchen Sie, sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen.

4. Inhalte und Botschaften

Worüber wollen Sie als Betriebsrat berichten? Was sind die momentan wirklich wichtigen Themen? Mit welchen Inhalten können Sie Informationslücken schließen? Womit können Sie zu mehr Sicherheit beitragen? Das kann die wirtschaftliche Lage des Unternehmens genauso umfassen wie die Arbeitssituation eines Alleinerziehenden im Home-Office. Machen Sie deutlich, dass auch die Kollegen beim mobilen Arbeiten nicht alleine sind und in ihren Sorgen und Bedürfnissen gesehen werden. Gehen Sie auch hier offen mit „Nichtwissen“ und „Ungewissheiten“ um.

5. Maßnahmen

Ein Newsletter einmal die Woche per E-Mail, eine Videobotschaft einmal pro Monat auf der Intranetseite oder tägliche Push-Nachrichten über Telegram: Informieren Sie kontinuierlich und regelmäßig. Das schafft Vertrauen und Sicherheit. Geben Sie den Kollegen die Möglichkeit der Rückmeldung, z. B. auch über eine telefonische Hotline. Wenn Sie einen direkten Draht zur Belegschaft einrichten, dann am besten mit dem Hinweis, wann welcher Betriebsrat am Telefon erreichbar ist. Ein Kollege, der sich über seine Ängste und Befürchtungen austauschen will, wird dies vielleicht eher mit Betriebsrat X statt Betriebsrätin Y machen.

Krisenkommunikation beginnt immer vor der Krise

Als Betriebsrat sollten Sie schon jetzt an die Krise von morgen denken. Analysieren Sie Ihre jetzigen Möglichkeiten der innerbetrieblichen Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Sie Schwachstellen finden, dann vertrauen Sie nicht auf Ihr Glück, dass es irgendwann vielleicht schon funktionieren wird. Bauen Sie jetzt krisenfeste Kommunikationswege auf, schaffen Sie Rückkopplungsmöglichkeiten, überlegen Sie, wie Sie als Betriebsrat auch Kollegen erreichen können, die – krankheits- oder krisenbedingt – gerade keinen Zugriff auf ihre Dienst-E-Mail oder ihr Diensttelefon haben.

Bleiben Sie dran und lassen Sie es nicht zu, dass die Angst der Kollegen vor der Veränderung die Chancen, die auch in einer Krise stecken, zunichte machen.

„Never let a good crisis go to waste.” (Lass niemals eine Krise ungenutzt)
– Winston Churchill.