Tabletten, PillenMehrarbeit, Überstunden und eine Produktion, die auf vollen Touren lief. Dennoch: Nichts scheint bei Salutas Pharma in Stuttgart-Gerlingen mehr zu helfen. Eigentlich sollte im Herbst das 40jährige Standortjubiläum gefeiert werden. Doch vor einer Woche dann die Nachricht von oben, die die Beschäftigten wie ein Blitz traf: Der Betrieb wird geschlossen, er wird ins Ausland verlagert. Der Grund dafür: Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Knapp 300 Mitarbeiter verpacken für das Tochterunternehmen des Pharma-Giganten Sandoz/Hexal „feste Darreichungsformen“ von Arzneimitteln, also Pillen, Kapseln und Tabletten. Man labelt und etikettiert. Das ist in der Branche eine ziemlich wichtige Arbeit. Für jedes Land, in das exportiert wird, gelten andere Vorschriften. Da muss genauestens aufgepasst werden, um Verstöße gegen nationales und anderes Recht zu vermeiden. In Gerlingen wird mit Generika gearbeitet, also mit Nachahmerprodukten regulärer Arzneimittel. Weil die Kostenvorgaben im Gesundheitswesen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern unter massivem Preisdruck sind, scheint die Rentabilität des Werkes dramatisch gesunken zu sein.

Und das, obwohl die Mitarbeiter nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden Gabriele Eisinger alles
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MindestlohnAm Mindestlohn kommt man als Arbeitgeber spätestens seit Jahresbeginn nicht mehr vorbei. Das Mindestlohngesetz gilt seit 1. Januar 2015 und zwar fast ausnahmslos. Bislang ist aber noch nicht geklärt, ob man als Arbeitnehmer den vollen Mindestlohn auch dann erhält, wenn man krank ist oder an einem Feiertag frei hat. Das wird Aufgabe der Gerichte sein. Einen ersten, ähnlich gelagerten Fall hat es nun im niedersächsischen Braunschweig  gegeben.

Eine Frau ist dort als pädagogische Mitarbeiterin bei einem Unternehmen der Aus- und Weiterbildungsbranche angestellt. Bezahlt wurde sie gemäß MindestlohnVO und dem Tarifvertrag-Mindestlohn für pädagogisches Personal (also nicht nach Mindestlohngesetz). Dieser Tarifvertrag sieht eine Mindeststundenvergütung in Höhe von 12,60 Euro brutto vor.

Wer nach Mindestlohngesetz bezahlt wird, hat bislang keinen Anspruch, den vollen Mindestlohn auch im Fall von Krankheit zu erhalten.

Die Arbeitgeberin zahlte auch für tatsächlich geleistete Arbeitszeit sowie für Urlaubszeiten den vollen Mindestlohn, nicht jedoch für Arbeitsstunden, die wegen Krankheit (Arbeitsunfähigkeit) oder aufgrund von Feiertagen ausgefallen sind. Den Urlaubsabgeltungsanspruch berechnete sie ebenfalls nach einem geringeren Stundensatz. Die Kollegin ging vor Gericht und verlangte Nachzahlung der Differenz zum vollen Mindestlohn in Höhe von rund 1.000 Euro brutto.
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von Peter am 12.05.2015, 18:05 Uhr , Kategorie: Allgemein

Uni-Klinikum MarburgSteigende Patientenzahlen und ein wahres Gebirge von 130.000 Überstunden. Dennoch baut das Universitätsklinikum Marburg Personal ab. Nun hat sich der Betriebsrat der privatisierten Klinik in einer Art Brandbrief direkt an Volker Bouffier gewandt, den Ministerpräsidenten von  Hessen.

Die betriebliche Interessenvertretung forderte den Politiker dazu auf, „der verfassungsgemäßen Verpflichtung zur Sicherung der Krankenversorgung aktiv und sichtbar nachkommen“.

Die Zustände im Klinikum erscheinen als äußerst schwierig. Nach Angaben des Betriebsrats werden offene Stellen nicht mehr in vollem Umfang nachbesetzt. Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen werden nicht mehr darüber informiert, ob sie weiterhin beschäftigt werden. Und auch für Auszubildende gebe es keine Sicherheit zur Übernahme mehr.

Es muss schon sehr dramatisch sein, wenn sich ein Betriebsrat direkt an Politik und Öffentlichkeit wendet.

Zitat aus dem Schreiben der Betriebsratsvorsitzenden Bettina Böttcher: „Die Ungewissheit über die berufliche und damit auch private Zukunft führt zu einer Resignation der Beschäftigten, die allseits spürbar geworden ist“. Und weiter: „Wir sind an die Grenze gekommen, wo das Personal einfach nicht mehr mitmacht“, konkretisierte sie die Schilderung in einem Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk. „Viele Mitarbeiter seien krank, einige bereits auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.“

Dramatische Zustände und Resignation in Marburg. Vom Klinikum selbst kam bislang keine Reaktion. Und auch aus der hessischen Staatskanzlei gab es lediglich die Info, man werde sich „zeitnah“ damit beschäftigen.

Quelle: hr online – Bildquelle: © Blackosaka – fotolia.de

Kindertagesstätten werden bestreikt„Dieser Betrieb wird bestreikt!“. Ein bekanntes Schild, das viele vor allem im Zusammenhang mit Werkstoren kennen, taucht seit heute morgen an Orten auf, die man bisher damit eher nicht in Verbindung brachte: Kindertagesstätten.

Die Gewerkschaft Verdi rief in ganz Deutschland zu unbefristeten Streiks auf. Rund 10.000 Beschäftigte sollen in 1.000 der insgesamt 17.500 kommunalen Kitas die Arbeit niederlegen. Kirchliche Einrichtungen sind übrigens nicht betroffen.

Um was geht es bei dem Tarifkonflikt?

Die Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst scheiterten Ende April 2015. Beteiligte sind die Gewerkschaften Verdi und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) sowie die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). In der letzten Verhandlungsrunde ging es nicht um eine bestimmte Lohnforderung in Höhe X, sondern um die
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Laut einer aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist die Hälfte aller Deutschen (Frauen und zunehmend auch Männer!) am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt worden. Das heißt im Einzelnen: Fast jede fünfte Frau ist schon einmal gegen ihren Willen von Kollegen berührt worden. Bei den Männern sind es immerhin 12% die von unerwünschter körperlicher Annäherung berichten. Dabei findet die Belästigung von Männern meist auf der gleichen Hierarchiestufe statt. Bei Frauen dagegen gibt es häufiger ein Hierarchiegefälle zwischen Täter und Opfer.

Über ihre Rechte sind viele Arbeitnehmer leider nur unzureichend informiert. 81 % wissen nicht, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, sie aktiv vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu schützen. Und mehr als 70 % kennen zu dem Thema auch keine präsente Ansprechperson in ihrem Betrieb.

Nach § 3 Abs. 4 AGG liegt ein Fall von sexueller Belästigung vor, wenn
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Die Teilnahme an der TV-Sendung Germanys Next Topmodel GNTM hat für viele junge Frauen nach wie vor maximalste Prio. Scharen von „Mädchen“, wie die Nachwuchsmodells von Mama Klum genannt werden, lassen dafür alles liegen und stehen. Ungünstig, wenn man einen Job hat und die Modell-Vorauswahl (vulgo: Casting) während der Arbeitszeit stattfindet. Noch ungünstiger, sich krank schreiben zu lassen, um mit AU-Bescheinigung in der Tasche daran teilzunehmen. Und völlig in die Hose geht letztlich alles, wenn man beim High Heels-Gestackse richtig fett im Fernsehen gezeigt wird.

Wie BILD schreibt (Verlinkung nicht möglich, da Artikel kostenpflichtig), entdeckte ein Arbeitgeber die bei ihm beschäftigte 20jährige Melanie in den TV-Trailern zur neuen GNTM-Staffel. „Moment, die kenn ich doch„, wird er sich gedacht haben, gefolgt von „war die nicht neulich krank„?

Nun, die Aufnahmezeiten des Castings waren schnell rekonstruiert, ebenso wie die Feststellung, dass die sehr attraktive Arbeitnehmerin offenbar genau zu diesem Zeitpunkt krank geschrieben war. Die Folge: Er kündigte das Arbeitsverhältnis, die Kündigungsschutzklage scheint derzeit vor dem Arbeitsgericht anhängig zu sein.

Model oder normalsterblich
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von Peter am 30.01.2015, 15:57 Uhr , Kategorie: Allgemein

Yeah, vermutlich braucht’s das. Denn was früher die Yogurette-Frau aus der Fernsehwerbung war, die offensichtlich nichts besseres zu tun hatte, als süß-gestresste Bürofrau in der Mittagspause mit der Kollegin joggen zu gehen um sich am Abend einen dieser übersüßen Schokoriegel reinzuschieben (oder war das die Milchschnitte), tja das ist heute die Tanzmaus, die Mittags beim Lunch Beat abhängt. Wobei abhängen falsch ist: Hier wird gedanced, was die Beats hergeben. Und das Beste daran: Man muss gar nicht aufwändig irgendwo hinfahren. Unternehmen wie die Otto Group in Hamburg bieten ihren 5.000 Mitarbeitern die Disse gleich direkt auf dem Betriebsgelände.

Spiegel Online berichtet von den mittäglichen Club-Events und irgendwie möchten wir das auch haben. Na klar: Immer nur Essen, Spazierengehen, etwas Lesen oder die Pause mal wieder durcharbeiten hat auch seinen Reiz. Aber bei DJ Udo eine halbe Stunde lang exzessiv unter der Discokugel? Warum nicht? Das nennen wir mal Employer Branding! Duschen bitte nicht vergessen.

Bildquelle: © clownbusiness – fotolia.de

Karin Müller arbeitet als Sachbearbeiterin bei einer großen deutschen Versicherung. Karins Mutter ist knapp 80 Jahre alt. Vor kurzem stürzte sie unglücklich und brach sich das Bein. Seitdem ist die bisher recht rüstige alte Frau körperlich eingeschränkt und benötigt Unterstützung bei vielen Dingen des täglichen Lebens. Für ihre Tochter eine ganz klare Sache: Sie kümmert sich nun verstärkt um die Mama. Nur: Ihr beruflicher Alltag läßt nicht sonderlich viel Flexibilität zu. Und dann ist da auch noch die eigene Familie. Wie gut wäre es, wenn man sich in so einer Situation vorübergehend von der Arbeit freistellen lassen könnte. Nun ja, das geht! Denn das neue Pflegezeitgesetz, das seit 1.1.2015 in Kraft ist, gewährt genau darauf einen Rechtsanspruch. Aber Karin Müller zögert. Sie hat Bedenken, dieses Recht in Anspruch zu nehmen. Sie fürchtet langfristig Nachteile im Job.

So oder ähnlich geht es scheinbar vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dabei setzt das neue Pflegezeitgesetz prägnante Marken. Es erhebt den Anspruch, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich zu verbessern. Und das ist dringend notwendig, denn: Mehr und mehr Menschen sind direkt oder indirekt von Pflegebedürftigkeit betroffen. Zwar gab es auch bisher schon gesetzliche Regeln, die in solchen Lebenssituationen Hilfe boten. Diese wurden aber kaum in Anspruch genommen. Viel zu viel war freiwillig, zu unbestimmt oder in der Realität mit handfesten Nachteilen behaftet.

Ob der neue gesetzliche Rechtsanspruch, den es seit 2015 gibt, viel ändern wird, ist leider fraglich. Zwar sind
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von Ines am 28.11.2014, 15:20 Uhr , Kategorie: Allgemein

Lebenslanges Lernen macht nicht nur klüger, sondern auch glücklicher, selbstbewusster und gesünder. Dies ist das Resümee der Studie „Benefits of Lifelong Learning“ (BeLL), die den Nutzen der Teilnahme an allgemeiner Weiterbildung in Europa untersuchte. Das Ergebnis unterstreicht einmal mehr die positive Bedeutung von lebenslangem Lernen sowohl für den einzelnen Menschen als auch für die Gesellschaft. Es bestätigt die Vermutung, dass das Mitwirken an Bildungsveranstaltungen sehr viel weitreichendere Folgen hat, als bisher bekannt.

Die BeLL-Studie kam laut Deutsches Institut für Erwachsenenbildung zu drei zentralen Bereichen, für die sich ein besonderer Nutzen gezeigt hat: Der erste Bereich umfasst die persönliche Entwicklung. Hier haben sich durch die Teilnahme an Bildungsmaßnahmen eine erhöhte Selbstwirksamkeit und ein Anstieg von erlebter Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens gezeigt. Der zweite Bereich bündelt Veränderungen im (sozialen) Lernverhalten und spiegelt sich z.B. im Anstieg des eigenen sozialen Engagements und einer generellen Lern- und Veränderungsbereitschaft. Der dritte Bereich verweist auf positiv erlebte Veränderungen im Hinblick auf Familie, Beruf, mentales Wohlbefinden und Gesundheit. Insgesamt fühlen sich die Befragten den Anforderungen und Herausforderungen des Lebens besser gewachsen.

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Es gibt nur wenig wichtigere Ziele als dieses: Beruf und Privatleben müssen zueinander passen. Viele Unternehmen versuchen deshalb, die Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten zu optimieren. Das ist eine gute Nachricht. Denn diese Entwicklung passt. Es ist nicht nur die bessere Ausgangsstellung im verschärften Wettbewerb um gute Mitarbeiter, die Firmen dabei aktiv werden lässt. Natürlich sind auch positive Auswirkungen auf die Motivation der Kollegen und letztlich deren Arbeitsergebnisse wichtig. Diese Motive sind voll ok.

Ob Arbeitnehmer deshalb bald tun und lassen dürfen, was sie wollen? Der britische Milliardär Richard Branson hat bei virgin soeben die Urlaubsanträge abgeschafft. Bestimmte Mitarbeiter (lang nicht alle) können jetzt Urlaub nehmen, wann und so viel sie wollen. Das Modell soll bald für alle gelten. Ein Traum wird wahr? Wohl kaum. Bei näherer Betrachtung handelt es sich eher um eine ziemlich perfide Art, den Konkurrenzdruck untereinander zu schärfen und aus den Mitarbeitern noch das letzte Quentchen Leistung herauszupressen. Kapitalismus? Klar. Hauptsache die Arbeit wird erledigt. Frage: Wer traut sich wohl, als erstes zu gehen? Und wer hat dabei kein schlechtes Gewissen? Diese dauernde nagende Unsicherheit: Tut man wirklich genug? Oder kommt irgendwann alles wie ein Bumerang zurück? Ob man so gerne arbeitet? Wir sind nicht sicher, ob es das bringt.

Vielleicht dann doch lieber so? Bei Bosch in Stuttgart fängt man – nur scheinbar – eine Nummer kleiner an. Dort sind alle Kommunikationsmittel wie Telefon, Internet und e-Mail ab sofort
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