Die ideellen Wurzeln der betrieblichen Mitbestimmung reichen zurück bis in die Anfänge der modernen Industriegesellschaft. Bis heute hat sie eine starke Entwicklung durchgemacht und ist aus vielen Betrieben und Unternehmen gar nicht mehr wegzudenken. Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) setzten sich im Jahr 2011, also in der letzten Amtsperiode, in der Privatwirtschaft Betriebsräte für 44 Prozent aller Arbeitnehmer im Westen und 36 Prozent im Osten ein. Das ist viel – doch es könnten durchaus auch mehr sein. Das dem nicht so ist, liegt daran, dass es immer noch Unternehmer gibt, die massiv und hartnäckig versuchen, ihre Beschäftigten an der Gründung eines Betriebsrats zu hindern. Was übrigens nach § 119 BetrVG strafbar ist. Eine aktuelle Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, welches Ausmaß diese Aktivitäten inzwischen haben.

Befragt wurden 184 der zuständigen hauptamtlichen Gewerkschafter aus den Bezirken, Regionen und Verwaltungsstellen. Diese haben in der Regel einen guten Überblick über die Arbeitsbeziehungen vor Ort. Repräsentativ sind die Ergebnisse nicht, doch erlauben sie aus Sicht der Forscher eine Trendaussage.
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von Ines am 03.04.2014, 14:07 Uhr , Kategorie: Allgemein, Mindestlohn

Das Bundeskabinett hat laut Pressemitteilung vom 02.04.2014 jetzt den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Tarifautonomie beschlossen. Wichtigster Bestandteil darin: Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro, der vom 1. Januar 2015 deutschlandweit für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für alle Branchen gelten wird. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren sind aber noch tariflich vereinbarte Mindestlöhne unter 8,50 Euro möglich. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hierzu: „Der Mindestlohn wird in unserem Land für mehr Gerechtigkeit sorgen. Und dazu beitragen, dass rund vier Millionen Menschen für ihre anständige Arbeit endlich auch ihren verdienten Lohn bekommen.“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geht davon aus, dass infolge der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns am 1. Januar 2015 dann 3,7 Millionen Beschäftigte einen höheren Lohn erhalten werden. Die Höhe des Mindestlohns soll jährlich von der Mindestlohnkommission überprüft werden.

Für wirklich alle ist der Mindestlohn aber dann doch nicht. Es gibt Ausnahmen, für den dies nicht gilt, z.B. Langzeitarbeitslose. Diese geplanten Ausnahmen bleiben nicht ohne Kritik, unter anderen von Verdi-Chef Frank Bsirske . Er meint, der Mindestlohn solle vor Lohndumping schützen. «Das muss für Langzeitarbeitslose genauso gelten wie für jedermann und jede Frau».

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von Peter am 25.02.2014, 17:00 Uhr , Kategorie: Allgemein

Deutschland gilt schon seit ewigen Zeiten als Exportweltmeister. Dabei stimmt das gar nicht. Denn bereits seit 2009 ist China der Staat, der Jahr für Jahr den höchsten Gesamtwert an Waren ausführt. Unabhängig davon ist Deutschland  extrem exportstark. Die Handelsüberschüsse sind enorm. Dass das nicht unbedingt positive Folgen hervorruft, hat sich jetzt auch bis ins Auswärtige Amt herumgesprochen. Dennoch: Der Export geht weiter. Ganz aktuell auf der Ausfuhrpalette: Die Sozialpartnerschaft. Darin enthalten: Das Modell des Betriebsrats nach deutschem Vorbild.

Im Volkswagen-Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee stimmten die Mitarbeiter kürzlich gegen den Einzug der Gewerkschaft UAW in ihren Betrieb. Und damit war auch die Einführung eines Betriebsrats nach deutschem Muster vom Tisch. Es wäre zu einfach zu sagen, die Beschäftigten dort hätten „gegen einen Betriebsrat“ gestimmt. Die Situation ist komplex. In den USA ist es für Gewerkschaften schwerer geworden. Ein kompliziertes Thema, das mit der demokratischen Kultur der USA und offenbar auch einer zunehmend gewerkschaftsfeindlichen Gesetzgebung in den US-Bundesstaaten zu tun hat. Über Hintergründe und die sog. „Right to work“-Gesetze kann man in diesem äußerst lesenwerten Artikel der Nachdenkseiten mehr erfahren.

Die Onlineausgabe der Welt berichtet darüber, auf welche Art Gewerkschaften wie IG Metall und Verdi im Ausland expandieren. Eigene Mitglieder dürfen sie dort nicht gewinnen. Dagegen spricht die Satzung. Aber ihre Präsenz verstärken, das tun sie.
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von Peter am 20.02.2014, 17:15 Uhr , Kategorie: Allgemein

Kennen Sie Stromberg? Na klar, fast jeder hat ihn schon mal in der gleichnamigen Fernsehserie gesehen. Dann wissen Sie vielleicht auch, wie sich Stromberg selbst findet. Ziemlich super, so mein Eindruck. Man kann es kaum fassen, wenn man ihm zuschaut, wie er in der Serie mit seinen Mitarbeitern umgeht (hier eine Kostprobe im Video). Nur: Das ist Fiktion. Wir lachen darüber. Denn Bernd Stromberg erscheint wie ein Ventil für unsere eigenen Sorgen. Weil es in der Realität anders aussieht. Oder was denken Sie, wie sich Ihr Chef ganz persönlich einschätzt? Ob er sich für eine gute Führungskraft hält? Wahrscheinlich schon, oder?

Nun, da ist er keine Ausnahme. Denn satte 95 Prozent der Führungskräfte in diesem Land finden sich selbst ziemlich cool.
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Die Diskussionen zum Thema Mindestlohn reißen nicht ab. Jetzt wollen CDU und CSU bestimmte Gruppen vom geplanten flächendeckenden Mindestlohn (8,50 €) ausschließen – maßgeblich Studenten und Rentner. Doch Bundestags-Experten warnen: Das könnte gegen das Grundgesetz verstoßen. So berichtet die Süddeutsche Zeitung.

In Artikel 3 des Grundgesetzes findet sich der Grundsatz, dass alle Menschen gleich zu behandeln sind. Daher kann es nicht verfassungsgemäß sein, Rentner und Studenten vom Mindestlohn auszuschließen, so die Bedenkenträger. Es stellt sich die Frage: Warum soll ein Rentner oder ein Student, der sich etwas dazuverdient (vielleicht sogar dazuverdienen muss), nicht den Mindestlohn- Regeln unterliegen?

Auch die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte sich bereits gegen Ausnahmen vom Mindestlohn gewandt (wir berichteten). Denn: Große Gruppen von den 8,50 Euro auszuschließen, berge die Gefahr, dass die Untergrenze „systematisch unterlaufen und ein neues Niedriglohnheer unterhalb des Mindestlohns gebildet wird“.

Rechtlich unproblematisch sind laut Bundestags-Gutachten übrigens Ausnahmen bei ehrenamtlich Tätigen, Auszubildenden oder Praktikanten in der Ausbildung, weil es sich hierbei nicht um Arbeitnehmer handelt (bei Studenten und Rentnern hingegen schon). Außerdem könnten jedoch auch Ausnahmen bei Jugendlichen und jungen Arbeitnehmern gerechtfertigt sein, um „falsche Anreize zu vermeiden. Jugendliche sollten mit der Aussicht auf eine Entlohnung nach Mindestlohn nicht verleitet werden, auf eine Berufsausbildung zu verzichten.“

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von Peter am 22.01.2014, 13:27 Uhr , Kategorie: Allgemein

Genau 344 Ausbildungsberufe gab es im Jahr 2012 in Deutschland. Tresoraufseher gehört nicht dazu. Noch nicht. Tresoraufseher kann man werden, wenn man in einer Bank arbeitet. Normalerweise sind Tresore fest verschlossen, warum also eine Aufsicht? Weil in Finanzinstituten immer wieder Wertsachen wie Geld und Gold angeliefert werden und dieses dann sicher in die fest verschlossenen Räume gebracht werden muss. Da gehört es rein. Und darüber muss jemand aufpassen. Einleuchtend. Vielleicht sollte es noch einen Tresoraufseher-Aufseher geben. Nur zur Sicherheit. Wie auch immer: Tresoraufseher ist ein verantwortungsvoller Job. Gut, aber lesen Sie bitte, was bei der HSBC-Bank in Düsseldorf letzten Herbst passierte. Vor einiger Zeit wurde das Bankgebäude an der Königsallee renoviert. Und zwar so gründlich, dass die in normalen Zeiten herrschenden, mit Sicherheit sehr peniblen Zustände und Sicherheitsvorkehrungen ein wenig durcheinandergerieten.

Eine überraschende Lieferung Gold (10 Kilo in Barren, der Tageswert lag am 21.1.2014 bei 294.412 Euro) traf auf eine wohl als leicht chaotisch zu beschreibende Baustellensituation.
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von Anna am 20.01.2014, 14:08 Uhr , Kategorie: Allgemein

Während Umweltschützer sich Sorgen um die Erderwärmung machen, droht in manchen Betrieben eher eine Eiszeit. Lachen und Freude an der Arbeit sind vielerorts unerwünscht. Nur wer schlecht und gestresst aussieht, mit dunklen Augenringen das Büro betritt und es mit noch dunkleren wieder verlässt, kann nach Auffassung eines manchen Chefs überhaupt ein guter Arbeitnehmer sein. Angst und Konkurrenzdenken dominieren in vielen Betrieben den Arbeitsalltag und verhindern Solidarität unter Kollegen. Es könnte schließlich der eigene Arbeitsplatz sein, der als nächstes auf dem Spiel steht.

Der aufmerksame Verfolger aktueller Meldungen wird über diesen Trend in der Arbeitswelt immer wieder informiert. In diesem Artikel hier z.B. auf überspitzte und sehr unterhaltsame Weise. Jedoch so, dass dem selbst betroffenen Leser an mancher Stelle das Lachen im Halse stecken bleiben dürfte.
Dabei müssten Arbeitgeber es doch besser wissen. Wenig überraschend sagt Bernhard Badura, Professor an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, in einem Interview: „Dort, wo die Unternehmenskultur geschwächt ist, nehmen Unfälle zu, die Qualität erleidet Einbußen und die Produktivität geht zurück.“ Die Rechnung, dass, ein Betrieb umso erfolgreicher ist, je unzufriedener und gestresster seine Mitarbeiter sind, geht demnach nicht auf.
Es steht zu hoffen, dass die Realität nicht überall so eisig aussieht (der Redaktion sind erfreulicher Weise Gegenbeispiele bekannt) und dass dort, wo es doch der Fall ist, der tyrannische Chef sich für einen Klimagipfel mit Erfolgsaussichten für alle Beteiligten entscheidet.

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von Peter am 14.01.2014, 17:37 Uhr , Kategorie: Allgemein

Flashmobs sind ein bewährtes Mittel, um die Aufmerksamkeit einer von vielen Seiten medial traktierten Öffentlichkeit zu erhalten. Was bitte? Flashmob? Unter einem Flashmob versteht man einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer meist nicht persönlich kennen und recht ungewöhnliche Dinge tun. Und genau dadurch die Aufmerksamkeit anderer Passanten oder Umstehender auf sich richten. Oder der Medien, wenn die vom Flashmob-Organisator vorab schon eine Info gesteckt bekommen haben. Gerne mündest das in sinnfreien Blödsinn, wie neulich in Berlin, als etliche U-Bahn-Fahrgäste auf Kommando ihre Hosen auszogen. Beknackt. Manchmal kann es aber auch witzig sein.

Oder ernsthaft, wenn das Anliegen das dahinter steckt, es ist. Das Bündnis „Pflege am Boden“ ist ein unabhängiger  Zusammenschluss von Menschen, die in der Pflegebranche beschäftigt sind. Gemeinsam engagieren sie sich für eine allgemeine Verbesserung der Zustände in ihrem Arbeitsbereich. Zusätzlich zu den Herausforderungen der täglichen Arbeit mit alten und kranken Menschen kämpfen sie mit Arbeitskräftemangel, zu niedriger Bezahlung und einer, pauschal gesprochen, fehlenden Wertschätzung durch die Gesellschaft. Die Pflegebranche ist bildlich gesehen am Boden.

Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, veranstaltet „Pflege am Boden“ seit Oktober 2013 regelmäßige Flashmobs. Die Teilnehmer
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Mitarbeiterumfragen sind ein geschätztes und häufig eingesetztes betriebliches Instrument. Ihr Ziel ist es, die Arbeitssituation zu verbessern und die Zufriedenheit bzw. das Engagement der Mitarbeiter zu steigern. Doch nicht immer resultieren die Ergebnisse am Ende auch in konkreten Maßnahmen, sondern bleiben ungenutzt in der Schublade. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage von YouGov, einem international tätigen Institut für Marktforschung, Organisationsforschung und Beratung mit Sitz in Köln. Befragt wurden 916 Arbeitnehmer.

Die große Mehrheit der Arbeitnehmer (87 %), die an einer Mitarbeiterbefragung teilgenommen hat, wurde im Nachgang über die Befragung zwar informiert. Doch auf die Frage, ob im Zuge der Mitarbeiterbefragung konkrete Maßnahmen im eigenen Arbeitsbereich umgesetzt wurden, gab fast jeder Zweite (47 %) an, dass dies nicht der Fall ist. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass sich aus Sicht von mehr als jedem zweiten Arbeitnehmer (54 %) keine positiven Veränderungen nach der Mitarbeiterbefragung feststellen lassen.
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von Anna am 05.12.2013, 18:17 Uhr , Kategorie: Allgemein

In unserem Betrieb erfolgt die Zahlung von Weihnachtsgeld an Betriebsangehörige, die sich am Stichtag des 31.12.2010 in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinden.“ So stand es sinngemäß in den Richtlinien eines Unternehmens zur jährlichen Auszahlung des Weihnachtsgelds.
Und wer nicht bleibt, geht leer aus? Weihnachtsgeld ausschließlich als Karotte vor der Nase, die zum Bleiben animieren soll, statt Anerkennung für eine bereits erbrachte Leistung? Das empfand ein von dieser Stichtagsregelung unmittelbar betroffener Arbeitnehmer als ungerecht. Seit Jahren erhielt er zur besinnlichsten Zeit des Jahres mit der Novembergehaltsabrechnung sein Weihnachtsgeld. Nun sollte es ihm nicht mehr zustehen, weil er zum 30. September 2010 gekündigt hatte.

Nach erfolgloser erster und zweiter Instanz zog er bis vor das Bundesarbeitsgericht, um anteilig 9/12 seiner Sonderzahlung zu erhalten. Die Richter am Bundesarbeitsgericht gaben ihm Recht und verurteilten den Arbeitgeber zur Zahlung. Die Begründung: laut Richtlinie des Unternehmens sei das Weihnachtsgeld nicht nur eine Motivation für die Zukunft. Zwar werde einerseits das Ziel verfolgt, Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und ihre Betriebstreue zu belohnen. Auf der anderen Seite stehe aber auch die Absicht, den bisherigen Einsatz anzuerkennen.
Vor diesem Hintergrund hielten die Richter die Stichtagsregelung für eine unangemessene Benachteiligung gem. § 307 Abs. 1 S. 1 BGB. Sie sei nicht mit dem Grundgedanken des § 611 Abs. 1 BGB vereinbar, weil sie dem Arbeitnehmer Lohn entzieht, den er sich bereits erarbeitet hat. Aus den Richtlinien des Unternehmens ergibt sich, dass Monat für Monat je ein Zwölftel des Vergütungsanspruchs erworben wurde. Dass die Sonderzahlung Gegenleistung für Zeiten nach dem Ausscheiden des Klägers sein sollte, war für die Richter nicht ersichtlich. Verdient ist verdient!

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