Halten Sie folgende Situation für abwegig? Ein Mitarbeiter steht nach längerer Erkrankung vor der Rückkehr in den Betrieb. Als Betriebsrat wissen Sie, dass der Arbeitgeber unter Umständen nach dem SGB IX dazu verpflichtet ist, ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchzuführen. Das ist eine Leistung, die für ein kleineres Unternehmen häufig nicht besonders einfach zu realisieren ist. Und deswegen passiert … gar nichts!

So verhält es sich leider insgesamt recht häufig mit dem Versuch, gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb auf die Beine zu stellen: Die Hürden sind hoch und die (Behörden-)Wege oft gepflastert mit Demotivation und Frustration.

Vor allem Betriebsräte in kleinen und mittelständischen Unternehmen aus den Regionen Segeberg, Dresden, Köln, München/Nürnberg und Münster, die sich für eine bessere betriebliche Gesundheitsförderung engagieren möchten, sollten hier jetzt mal etwas genauer lesen:

Das Projekt „Gesunde Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) hat zum Ziel, das Thema betriebliche Gesundheit verstärkt in kleine und mittlere Unternehmen zu bringen und diese zu mehr präventivem Denken und Handeln zu bewegen. In den fünf vorhin genannten Modellregionen gibt es jeweils einen örtlichen Ansprechpartner, der interessierte Betriebe bei der Planung und Durchführung entsprechender Maßnahmen kostenlos berät. Bei Erfolg soll das Projekt bundesweit angeboten werden.

Auf der Webseite www.gesunde-arbeit.net erfährt man alles, was man zur Teilnahme wissen muss, insbesondere auch die direkten Kontakte zu den regionalen Ansprechpartnern.

Peter

pdf-Download der Broschüre „Gesunde Arbeit“

Über psychische Belastungen am Arbeitsplatz und ihre Folgen haben wir in diesem Jahr schon ein paar Mal geschrieben, zum Beispiel hier, dann auch hier und schließlich kürzlich auch hier. Die IG Metall veröffentlicht in ihrer Rubrik „Gute Arbeit“ regelmäßig Tipps für den Arbeitsplatz. Die aktuelle Ausgabe 36 vom Juni 2009 widmet sich nun dem Thema Psychostress auf vier sehr informativen Seiten.

Hier die Broschüre der IG Metall direkt herunterladen (pdf-Datei)

Wer sich als Betriebsrat auf einem Seminar ganz gezielt zu diesem Thema informieren will, für den haben wir dies hier speziell im Angebot:

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Teil I
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Teil II (Aufbauseminar)

Peter

von Peter am 11.05.2009, 18:32 Uhr , Kategorie: Allgemein, Gesundheitsschutz

Jede Menge Sonderkündigungsschutz hat der Gesetzgeber über das Arbeits- und Sozialrecht verteilt. Da gibt es mal vor allem den Betriebsrat, an dieser Stelle glatt überflüssig zu erwähnen, genauso wie weitere bekannte Schutzvorschriften für Schwangere oder Schwerbehinderte. Wehrpflichtige, Abgeordnete?? Hier hört bei vielen schon das Wissen um diese Besonderheiten auf. Wer kennt schließlich schon den Gewässerschutzbeauftragten oder gar denjenigen für den Störfall? Und somit gestehe ich an dieser Stelle öffentlich, dass ich von der folgenden Person noch nie was gehört habe: dem Abfallbeauftragten, also salopp gesagt: der Mann an der Mülltonne. Dieser genießt 1A-Sonderkündigungsschutz nach § 55 Abs. 3 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (welcher wiederum auf § 58 Abs. 2 S.1 Bundesimmissionschutzgesetz verweist).
Eins mal vorweg, damit ich nicht mißverstanden werde: ich stehe voll hinter der Mülltrennung und mehr noch, hinter der Müllvermeidung. Beruflich wie privat. Menschen, die sich damit als Teil ihres Jobs beschäftigen, das find ich super, denn es kann unmöglich auf dieser Welt so weitergehen, dass immer größere Gebirge an Müll entstehen, immer mehr und immer noch mehr und keiner hat einen Plan wohin damit, also verbrennen, im Meer versenken, in die dritte Welt verschiffen oder in den Weltraum schießen. Das kann nicht gut gehen.

Aber wie komm ich auf dieses Thema? Na ja, das BAG hat kürzlich entschieden, dass Abfallbeauftragte nur dann Sonderkündigungsschutz genießen, wenn sie vom Arbeitgeber wirksam schriftlich bestellt worden sind. Die Entscheidung selbst, ja gut, das hätte man sich auch irgendwie denken können, dass das so ist. Und ich will auf dieses Urteil auch gar nicht näher eingehen. Aber ich hatte da einfach diese spontane Assoziation mit dem Müllmann und mit der Tatsache, dass er ja wegen dem Kündigungsschutz mit dem Betriebsrat irgendwie gleichgesetzt werden kann. Und da dachte ich mir noch: das geht ja noch viel weiter und passen tut es wieder wie die Faust aufs Auge: Der Müllmann, der sich um die sinnvolle Entsorgung des ganzen Abfalls kümmert, der auf der Halde landet und weg muss und ihm dann gegenüber der Kollege vom Betriebsrat, der auch nicht so viel anderes macht, nämlich den vielfachen Müll, den manche Arbeitgeber personell, sozial, wirtschaftlich und organisatorisch so fabrizieren, zu sortieren, filtern, kompostieren um irgendwie zu schauen, dass das alles möglichst wenig gesundheitlichen und sonstigen Schaden bei der Belegschaft anrichtet.

Falls hier ein Abfallbeauftragter mitliest: bitte einen Kommentar schreiben, damit ich weiß dass es Euch gibt!

Peter

von Thomas am 28.04.2009, 08:25 Uhr , Kategorie: Allgemein, Gesundheitsschutz

Die Schweinegrippe verbreitet sich. Auch in Europa sind schon Fälle bekannt geworden. In Deutschland hat sich bisher Gott sei Dank noch kein Fall bestätigt. Dennoch ist Vorsicht geraten und zugleich Panik zu vermeiden.

Gestern habe ich mit einem Betriebsrat gesprochen. Dieser hat mir erzählt, dass in seinem Betrieb in München ein Brief der Geschäftsleitung verteilt wurde: Falls irgendwelche Anzeichen für einen grippalen Infekt beständen solle jeder Mitarbeiter sofort einen Arzt konsultieren und auf jeden Fall zu Hause bleiben. Das Prinzip der Geschäftsleitung lautet: Lieber einen Krankheitstag mehr als die Grippe-Gefahr für die ganze Belegschaft.

Wie schaut es denn bei Ihnen im Betrieb aus? Hat Ihre Geschäftsleitung schon Maßnahmen getroffen oder ist die Schweinegrippe noch gar kein Thema?

Thomas

Schichtarbeit ist wahrlich kein Vergnügen. Das weiß jeder, der schon mal in einem solchen Arbeitszeitmodell tätig war. Und dass auch die Gesundheit dabei belastet wird, ist nichts Neues. In welchem Ausmaß dies allerdings geschieht, das ließ sich bislang eher nur schwer einschätzen. Denn Krankheiten, die davon hervorgerufen werden, entwickeln sich nur langsam und im Lauf der Zeit. Einen unmittelbaren Zusammenhang herzustellen, das ist nicht immer leicht.

Nun hat die Harvard Medical School in Boston eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Diese dokumentiert, wie Schichtarbeit langfristig zu Übergewicht, Diabetes und Herzleiden führen kann. Nach etwa sechs Jahren Schichtarbeit steige zum Beispiel das Risiko zu erkranken ganz stark an. Professor Jürgen Zulley ist Schlafforscher an der Universität Regensburg: „Die Studie zeigt, dass Schichtarbeit nicht zu kurzfristigen Befindlichkeitsstörungen führt, sondern zu ernsthaften Folgeerkrankungen“. Sein dringender Rat lautet: Bei Schichtarbeit unbedingt auf die Gesundheit achten und mehr ärztliche Beratung in Anspruch nehmen.

Peter

Ratgeber für Schichtarbeiter bei der BKK-Krankenkasse herunterladen (pdf-Datei)

Die Zahl der Krankmeldungen in Deutschland ist nach 2007 auch im letzten Jahr wieder angestiegen, nachdem sie vor 2 Jahren noch auf dem niedrigsten Stand seit langem war.

Im Jahr 2008 waren die Erwerbstätigen durchschnittlich einen Vierteltag mehr krankgeschrieben als im Vorjahr. Die durchschnittliche Anzahl der Krankheitstage stieg im Vergleich zu 2007 um 0,27 auf 11,25 Tage (Studie der TK).

Grund hierfür sind vor allem die steigenden psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Diese verursachten im Schnitt 1,4 Krankheitstage – so viele wie noch nie. Mit über einem Drittel haben Depressionen besonders zugelegt, aber auch das Burn-out-Syndrom greift mehr und mehr um sich.

Sind die Zahlen der „üblichen Krankheiten“ wie Rückenschmerz, Muskel- und Skeletterkrankungen, Verletzungen, Atemwegserkrankungen und Erkältungen eher rückläufig, so nehmen die psychischen Störungen kontinuierlich zu. Lag deren Anteil an den Gesamtausfällen vor 30 Jahren noch bei 2%, so waren es 2006 schon 8,9%; Tendenz steigend.

Zu den am stärksten belasteten Berufsgruppen gehören nach der Studie des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen vor allem Sozialarbeiter, Krankenpfleger und Telefonisten.

Es bleibt abzuwarten wie sich das Krisenjahr 2009 auf die Zahl der Krankmeldungen auswirken wird. In der Vergangenheit sanken in Krisenzeiten die Krankmeldungen stets, da die Arbeitnehmer bei schwacher Konjunktur Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes hatten.

Thomas

von Peter am 18.02.2008, 16:57 Uhr , Kategorie: Gesundheitsschutz

Was sehr viele bereits vermutet haben, wurde nun von einer EU-Studie der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz amtlich festgestellt: Stress macht krank und kostet den Arbeitgeber richtig Geld.

Unsichere Arbeitsverhältnisse, belastende Arbeitszeiten, Druck durch zuviel Termine sowie Mobbing und Unvereinbarkeit von Beruf und Familie: Auslöser gibt es recht viele, welche die Krankmeldungen auf Rekordniveau steigen lassen. Nach der Studie sind geschätzte 60 Prozent aller versäumten Arbeitstage in der Europäischen Union auf entsprechenden Stress zurückzuführen. Und das geht für die Arbeitgeber richtig ins Geld: Mindestens 20 Milliarden Euro, Jahr für Jahr, Tendenz steigend.

Niemand ist vor Krankheit durch Stress am Arbeitsplatz geschützt. Es kann jeden Beschäftigten treffen, egal in welcher Position oder Branche man tätig ist. „Eine ständige ßberwachung und Verbesserung der psychosozialen Arbeitsumgebung sei notwendig, damit hochwertige Arbeitsplätze geschaffen würden und die Mitarbeiter gesund blieben“, erklärte Jukka Takala, Direktor der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz.

Nicht ohne Grund sind Schulungen zum Thema „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ seit mehreren Jahren ein Dauerbrenner im Seminarangebot. Auch Betriebsräte sollten innerbetriebliche Belastungen klar erkennen und definieren können um, wo möglich, Abhilfe zu schaffen und um im Notfall Betroffene zu unterstützen.

Mehr Informationen zum Thema „Stress am Arbeitsplatz“ gibt es auf einer speziellen Webseite der EU-Behörde OSHA.

Peter

Genau 941 Menschen sind im Jahr 2006 am Arbeitsplatz tödlich verunglückt, immerhin neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle stieg insgesamt um knapp zwei Prozent auf etwas über eine Million. Diese Zahlen gehen aus einer Unterrichtung der Bundesregierung hervor. Ursache für die Steigerung sei die gute Konjunktur und der damit verbundene Beschäftigtenzuwachs.

Mehr Arbeitnehmer, mehr Unfälle. Klingt logisch. Dennoch kein Grund zur Entspannung. Eine Million Arbeitsunfälle pro Jahr. Das muss man sich mal vorstellen. Es bleiben somit weiterhin Arbeitgeber und Betriebsräte intensiv gefordert, alles zu unternehmen, damit eben nichts oder so wenig wie möglich passiert. Das ist aktive Verantwortung. Das ifb bietet seit sehr vielen Jahren eine umfangreiche Palette an Schulungen in diesem Bereich an. Mit fundierten und guten Informationen kann jeder hier einen optimalen Einstieg finden, um den eigenen Betrieb ein Stück weit sicherer zu machen.

Peter

von Peter am 31.01.2008, 10:57 Uhr , Kategorie: Allgemein, Gesundheitsschutz

Können Sie sich auch nicht mehr vorstellen, ohne Internet und E-Mail zu leben? Werden Sie unruhig, wenn Sie schon seit mehreren Stunden nicht mehr auf Ihr Mail-Postfach zugreifen können? Ja? Dann sind Sie unter Umstunden schon medienabhängig! Nach einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover gelten rund 6 bis 12 Prozent aller Internet-Benutzer als onlinesüchtig oder zumindest als stark gefährdet. Unkontrollierter stundenlanger Konsum, stetige Erhöhung der online verbrachten Zeit, leichte bis mittlere Entzugserscheinungen wenn mal kein Rechner in der Nähe ist. Das ganze kann in der Teilnahme an Online-Rollenspielen und dem Besuch von Online-Casinos gipfeln. Gerade beim anonymen Internet-Glücksspiel fallen oft die letzten Schranken und wer Pech hat, gerät auch noch in finanzielle Schwierigkeiten.

Bündnis 90/Die Grünen wollen der Medienabhängigkeit nun an den Kragen. Zum einen gelte es, solches Verhalten überhaupt als offizielle Suchtkrankheit anzuerkennen, Ursachen und Wirkung genauer zu erforschen, Beratungs- und Therapiemöglichkeiten zu schaffen und in besonders suchtgefährdeten Bereichen entsprechend wirkungsvoll gegenzusteuern. Ganz entscheidend bleibe aber die wachsende Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche. Diese können heutzutage manchmal schon PCs bedienen, bevor sie gescheit laufen können, erhalten aber in ihrer weiteren Entwicklung keine oder wenige zumeist aber oft unzureichende Hinweise und Tipps, wie man sich verantwortungsvoll, kritisch und kompetent in den Online-Welten bewegt.

Auch wenn es abgedroschen klingt: Lesen Sie mal wieder ein Buch. Das fesselt und macht im besten Fall ebenfalls süchtig.

Peter

Link zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

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