Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung liegt auf schwarzer Tastatur Jedenfalls fordert das laut Focus eine Medizinrechtlerin. Wie bitte? Ist man jetzt bei einer Erkältung nicht mehr krank? Absurd – weiß jeder, den es schon einmal richtig erwischt hat. Aber genau das könnte man beim Lesen der Fragestellung in der Überschrift denken. Doch: Eigentlich ist das, was die Medizinrechtlerin fordert, genau das Gegenteil. Nämlich: Wer wegen einer Erkältung nicht arbeiten kann, sollte nicht mehr vom Arzt, sondern durch sich selbst krankgeschrieben werden. Dies würde Patienten von unnötigen Wegen entlasten und Ärzte von unnötiger Arbeit. Denn nicht jede Erkrankung erfordere tatsächlich eine Betreuung durch einen Arzt, so die Expertin. Insbesondere bei einer „normalen“ Erkältung wisse man, dass das Schlimmste nach ein bis zwei Tagen wieder vorbei ist.

Unwahrscheinlich? Nicht überall? Laut Focus dürfen sich in Norwegen Arbeitnehmer für bis zu drei Tage am Stück ohne ärztliche Bescheinigung selbst krankmelden. In einem Großteil der norwegischen Unternehmen ist die selbstständige Krankmeldung sogar bei Ausfällen von bis zu acht Tagen am Stück und bis zu 24 Tagen im Jahr zulässig.

Warum das bei uns in Deutschland zumindest zur Zeit noch undenkbar ist, sind vor allem auch die gesetzlichen Regelungen z.B. im Entgeltfortzahlungsgesetz. Danach ist der Arbeitnehmer verpflichtet, ab dem 3. Krankheitstag dem Arbeitgeber eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen (wie berichteten darüber). Darüber hinaus ist der Arbeitgeber jedoch auch berechtigt, die AU-Bescheinigung bereits ab dem 1. Krankheitstag zu fordern.

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Blaulicht PolizeiDie Krankmeldungen bei der Polizei sind laut Rainer Wendt, dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, in der Flüchtlingskrise so stark angestiegen (in manchen Dienststellen um bis zu 20%!), dass dies auf Dauer nicht zumutbar sei. In einem Presseinterview erzählt er: „Tausende Polizisten sind seit Monaten weit weg von ihrem eigentlichen dienstlichen Auftrag eingesetzt. Sie erfüllen Aufgaben, für die sie eigentlich gar nicht ausgebildet wurden, und was auch mit Polizeiarbeit gar nichts zu tun. Das Ganze noch in einer unglaublich psychisch und körperlich belastenden Situation in zwölf Stunden Schichten, in denen ihnen dann auch fürchterliche menschliche Schicksale begegnen. Das alles belastet die Polizisten, vor allen Dingen auch psychisch, es belastet ihre Familien und ihre Gesundheit. Und es ist kein Ende absehbar.“ Wendt fordert den Bundesinnenminister de Maizière auf, jetzt „schnell und kurzfristig für Entlastung zu sorgen“.

Polizisten sind sehr resistent, sonst könnten sie diesen Job gar nicht machen. Aber irgendwann ist Schluss. Wie bei uns allen. Jeder hat seine Grenzen. Auch Polizisten sind bloß Menschen. Es wäre gut, sie schnellstmöglich von der Vielzahl an Sonderaufgaben zu befreien– zu ihrer und zu unserer Sicherheit.

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Banner für die Fachtagung GesundheitDer betriebliche Arbeits- und Gesundheitsschutz gehört nach wie vor zu den zentralen Aufgaben des Betriebsrats. Dies zeigt sogar das Ergebnis einer aktuellen Betriebsrätebefragung, die 2015 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt wurde. 83% der befragten Interessenvertretungen haben sich im vergangenen Jahr intensiv mit diesem Thema befasst – bzw. befassen müssen. Hohe Fehlzeiten wegen erkrankter Mitarbeiter und die immer neuen Herausforderungen durch den raschen Wandel unserer Arbeitswelt sind nur zwei von vielen Gründen, warum in den Betrieben dringender Handlungsbedarf besteht.

Stehen Sie vor ähnlichen Problemen? Bestimmen Überstunden, Leistungsdruck oder eine zu geringe Personaldecke Ihren Arbeitsalltag? Muss auch in Ihrem Betrieb dringend etwas passieren, damit nicht noch mehr Kolleginnen und Kollegen krank werden? Dann sind Sie auf unserer Fachtagung „Arbeit gesund gestalten – Kollegen vor Gefahren schützen“ genau richtig. Ob gesunde Führung, Gefährdungsbeurteilung oder bewusste Gesundheitsförderung: Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, sich in kurzer Zeit über die wichtigsten Themen im Arbeits- und Gesundheitsschutz zu informieren. Besuchen Sie vier von Ihnen gewählte Workshops und seien Sie bei den spannenden Vorträgen unserer Gastredner dabei. Tauschen Sie sich mit unseren Experten und unter Kollegen zu aktuellen Trends nachhaltiger Gesundheitsarbeit aus.

Übrigens: Auch eine Fachtagung, die die notwendigen erforderlichen Inhalte vermittelt, gilt als Schulungsveranstaltung im Sinne des § 37 Abs. 6 BetrVG! Das hat das Landesarbeitsgericht Hamburg (Beschl. v. 04.12.2012 – 4 TaBV 14/11) entschieden.

Wir freuen uns auf Sie!

Arbeit am Notebook mit HandverletzungWelches Körperteil am häufigsten bei Arbeitsunfällen in den Branchen Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse verletzt wird, verrät eine aktuelle Unfallstatistik der zuständigen Berufsgenossenschaft BG ETEM. Danach sind nicht der Kopf oder der Rücken, sondern die Hände der Spitzenreiter und zwar mit 22.705 Fällen im vergangenen Jahr. Das entspricht in etwa 40 % aller erfassten 57.000 meldepflichtigen Arbeitsunfälle des Jahres 2014. Die Verletzungen erfolgen dabei meistens durch das Einwirken von Werkzeugen und laufenden Maschinen und Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Platz zwei in der Unfallstatistik belegen Knöchel und Füße gefolgt von Kniegelenk und Unterschenkel.

Unfälle sorgen nicht nur für Schmerzen und Leid, sie verursachen auch Kosten: Für die medizinische Behandlung und anschließende Rehabilitationsmaßnahmen aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle, Wegeunfälle sowie der Berufskrankheiten hat die BG ETEM nach eigenen Angaben im  Jahr 2014 gut 814 Millionen Euro ausgegeben.

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In einem Tischkalender ist am 2. November das Wort Spätschicht eingetragenLaut der Auswertung einer aktuellen amerikanischen Studie haben zumindest Nachtschichten negative Folgen sowohl auf die Gesundheit als auch auf die Lebensdauer und seien „mit einem leichten Anstieg der Sterblichkeit verbunden“. Ein internationales Forscherteam hatte im Rahmen dieser Langzeit-Expertise die möglichen Auswirkungen von rotierenden Nachschichten auf die Wahrscheinlichkeit von Sterblichkeit, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen untersucht. Dafür wurden rund 75.000 Krankenschwestern über einen Zeitraum von 22 Jahren beobachtet. Andere Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, hohes Alter, Rauchen, wenig Bewegung oder Übergewicht wurden in der Studie berücksichtigt. Das berichtet unter anderen das Ärzteblatt.

Natürlich könnte man jetzt denken, dass gerade Krankenschwestern allein durch ihre Tätigkeit schon so vielen Gefahren ausgesetzt sind, dass das Ergebnis eigentlich kein Wunder sei. Doch so ist es nicht. Bereits im Jahr 2007 hatte laut Ärzteblatt die  Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Schichtarbeit als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Doch warum das alles?

Medizinisch tiefer gehende Details können unter dem angegebenen Link des Ärzteblatts nachgelesen werden. Hier wollen wir es einfach halten:
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Arbeitnehmer macht Yoga vor dem PCMan nennt sie auch „dynamische Arbeitsstationen“, die neuen Büroarbeitsplätze, die Schreibtischarbeit mit Gehen oder Radfahren verbinden. Diese sollen gesundheitsförderliche Wirkung haben, ohne dass darunter die Arbeitsleistung wesentlich leidet, so die DGUV laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA).

Schauen wir uns einmal den Hintergrund an. Problem 1: Aufgrund des raschen Wandels unserer Arbeitswelt in Form einer modernen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft gibt es zahllose Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer Bürotätigkeit oft stundenlang vor dem Schreibtisch sitzen. Ausreichende Bewegung, die der Körper nun einmal braucht, kommt hier meist zu kurz. Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Beschwerden sind die bekannten Folgen. Problem 2: Nicht allen Mitarbeitern gelingt es, den Bewegungsmangel und die damit einhergehenden negativen Folgen durch eine aktive Freizeitgestaltung auszugleichen. Die Idee: Zur Vorbeugung soll eine Erhöhung der physischen Aktivität am Arbeitsplatz angestrebt werden.

So kamen Experten zu den sogenannten „dynamischen Arbeitsstationen“.
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Gruppe von Menschen stellen diverse Berufe darEine Antwort auf diese Frage gibt der Depressionsatlas 2015, den die Techniker Krankenkasse kürzlich veröffentlicht hat. Der Bericht zeigt, in welchen Berufen die meisten Fehltage wegen Depressionen vorkommen. Vor allem Arbeitnehmer mit einem hohen Stresslevel und einer großen psychischen Belastung sind betroffen. So verbuchte die Krankenkasse 2013 in der Altenpflege 2,5 Fehltage pro Erwerbsperson, während es in Erziehungsberufen 1,6 Tage waren und in Sicherheitsberufen 1,4 Tage. Am meisten fehlten jedoch Beschäftige in Call-Centern. Hier betrug die Fehlzeit im Schnitt 2,8 Tage. Das liegt nicht nur an dem hohen Stresslevel sondern auch an der fehlenden Selbstbestimmung, die diesen Job kennzeichnet. Die Mitarbeiter in Call-Centern arbeiten meist sehr fremdbestimmt, d.h. sie haben kaum eigenen Handlungs- und Entscheidungsspielräume. Fehlende Selbstbestimmung ist ein wichtiger Faktor, der oft genannt wird, wenn es um psychische Belastungen am Arbeitsplatz geht.

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Ab 1. Januar 2015 gilt ausschließlich die elektronische Gesundheitskarte mit Lichtbild und Chip. Aufgrund dieser Datenspeicherung haben bereits viele Versicherte Bedenken geäußert. Hierzu gibt es nun ein Urteil vom Bundessozialgericht (18.11.2014, Az. B 1 KR 35/13 R). Ein Mann hatte eine Karte ohne Lichtbild verlangt, diese nicht erhalten und daraufhin geklagt. Er sah sein Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Außerdem argumentierte er, es könne nicht nachverfolgt werden, wer die hochsensiblen Daten abrufe und verarbeite. Das Bundessozialgericht wies die Klage ab. Mitglieder einer Krankenkasse können keine Gesundheitskarte ohne Lichtbild verlangen. Ausnahmen gelten nur für Kinder unter 15 Jahren sowie für bettlägerige Menschen. Außerdem überwiege der durch das Bild verbesserte Schutz vor Missbrauch gegenüber dem Interesse des Einzelnen. Die elektronische Gesundheitskarte mit Chip und Lichtbild verbessere ja gerade den Schutz vor missbräuchlicher Inanspruchnahme, so das Urteil.

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Noch ist es nur ein Spielzeug. Ein teures Spielzeug, das es in Deutschland derzeit nicht zu kaufen gibt. Aber das wird sich wohl bald ändern.

Google Glass ist eine Hightech-Brille. In ihr Gestell ist ein Hochleistungs-Computer im Miniformat montiert. Das Brillenglass wird zum Monitor. Auf dieses werden Daten projiziert, die der Träger der Brille direkt vor Augen hat. Egal wohin er seinen Blick richtet. Das Bild der echten Umgebung wird für ihn um weitere Daten ergänzt. Für den sog. Lifestyle-Bereich funktioniert das offenbar schon ganz gut. Da hat der Läufer seine aktuelle Zeit vor Augen, der Autofahrer die Navigation und als Besucher einer Stadt kann man sich wichtige Infos zu Sehenswürdigkeiten einblenden lassen.

Wie gesagt, bisher ist es nur ein Spielzeug. Ein Spielzeug aber, das bald den Sprung in die Arbeitswelt vornehmen wird. Auf der Sonderausstellung „Schöne schlaue Arbeitswelt“ der DASA in Dortmund kann man sich darüber informieren.

Eine Visison: Ein Ingenieur repariert eine komplizierte Maschine. Die Datenbrille zeigt ihm genau an, wo sein nächster Handgriff sitzen muss und um was es sich bei dem dem einen oder anderen Teil genau handelt. Noch eine Vision: Der Chemiker, der im Labor an Substanzen forscht, bekommt die nächsten Schritte eingeblendet. Samt detaillierter Arbeitsanweisung und wichtigen Warnhinweisen.

Manche Arbeitgeber sind offenbar schon ganz verrückt danach. Der erste Gedanke:
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von Peter am 05.09.2014, 15:09 Uhr , Kategorie: Gesundheitsschutz

Arbeiten, wann man will – ist fast schon ein alter Hut. Betriebliche Regelungen zur Vertrauensarbeitszeit machen das möglich. In Zukunft werden sich mehr und mehr Beschäftigte aber zugleich aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Der neue Begriff lautet: Vertrauensarbeitsort.

Was ist ein Vertrauensarbeitsort? Microsoft Deutschland macht es vor: Unternehmen und Betriebsrat haben soeben eine rechtlich verbindliche  Gesamtbetriebsvereinbarung zum Arbeitsort abgeschlossen. Nun dürfen die Mitarbeiter nicht nur arbeiten, wann sie wollen, sondern auch wo sie wollen. Der Anspruch gilt für jeden einzelnen Beschäftigten. Das Unternehmen spricht von „innovativer Arbeitskultur“, man reagiere auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Mitarbeiter.

Wieder mal schöne neue Arbeitswelt? Klingt doch ganz gut. Denn allein schon die eigene Arbeitszeit frei einteilen zu können, kann in vielen Lebenssituationen sehr von Vorteil sein. Und nun auch noch den Arbeitsplatz? Ist das Homeoffice also doch die Zukunft? Für manche vielleicht schon. Viele andere werden auch weiterhin in die Firma pilgern. Der Grund: Betriebliche Notwendigkeiten, die eine Anwesenheit erforderlich machen. Aber auch vielleicht gar keine sonderliche Lust darauf. Denn im Home-Office zu arbeiten kann tückisch und nicht unproblematisch sein. Darüber schrieb der Betriebsrat Blog bereits im Jahr 2009 recht ausführlich (hier zum Nachlesen).

Es ist wichtig, eine gute Work-Life-Balance zu erreichen. Als Betriebsrat sollte man die Entwicklung aber mit kritischem Blick begleiten. Und gerade wenn es um die Erstellung von Betriebsvereinbarungen zu diesen Themen geht, sollte man sich über Vor- und Nachteile von Telearbeit und Home-Office gut auskennen.

Nicht zu unterschätzen: Die volle Breitseite der lieben Kollegen – die gibt es auch weiterhin nur direkt vor Ort. Wer möchte dieses tägliche Vergnügen schon missen?

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