In den Medien ist heute wieder zu lesen, dass Frauen deutlich weniger Geld verdienen als Männer. Schon Anfang des letzten Monats hat unser Blog über diese Lohnungerechtigkeit berichtet. Spiegel-Online meldet, dass die Lohn-Kluft zwischen Mann und Frau schon beim Berufseinstieg beginnt: Arbeitnehmerinnen verdienen schon bei Arbeitsbeginn fast 20 Prozent weniger als männliche Berufseinsteiger.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hat untersucht, warum es zu diesen eklatanten Unterschieden im Gehaltsgefüge kommt. Dabei ist an´s Licht gekommen, dass sich der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen mit steigenden Berufsjahren sogar noch vergrößert. Zudem ist die Lohn-Kluft in den alten Bundesländern höher als in den Neuen. Das Ungleichgewicht der Einkommen ist laut der Studie die Folge tief verwurzelter gesellschaftlicher Entwicklungen, die über Jahrzehnte hinweg ein Wertesystem geformt haben, das Frauen von Grund auf benachteiligt.

Gerüchten zufolge soll wenigstens die Kanzlerin das gleiche Gehaltsniveau haben wie ihre männlichen Vorgänger. Bleibt zu hoffen, dass sich dies auch in der Gesellschaft durchsetzt!

Thomas

Das Bundesarbeitsministerium hat gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern den Diskussionsentwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Entgeltgleichheit von Männern und Frauen vorgestellt (EntgGlG). Danach sollen Frauen in bestimmten Fällen ein Auskunftsrecht gegenüber dem Arbeitgeber über die Löhne von männlichen Beschäftigten im Betrieb erhalten. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, SPD: „Wir müssen jetzt handeln, um die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Freiwillige Vereinbarungen reichen dazu nicht aus.“

Der Diskussionsentwurf behandelt auch die Frage, wie ein solches Verfahren eingeleitet werden kann. Dazu ist vorgesehen, dass unter anderem auf Antrag des Betriebsrats vom Arbeitgeber eine statistische Entgeltanalyse im Betrieb durchgeführt werden muss.

Peter

Diskussionsentwurf des EntgGlG zum Download als pdf-Datei

Wenn man sich das Gehaltsgefüge in unserem Land anschaut, könnte man tatsächlich zu diesem Ergebnis kommen. Denn: Laut einer neuen EU-Studie verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 23% weniger als Männer! EU-Weit beträgt der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern immerhin noch 16,6%. Am Besten sieht es in Italien aus. Auch dort ist zwar immer noch eine Ungleichheit bei den Löhnen vorhanden, jedoch verdienen im Mittelmeerstaat Männer durchschnittlich „nur“ 4,4% mehr als Frauen. Bleibt zu hoffen, dass sich im Sinne unseres Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes die Löhne und Gehälter schnellstmöglich angleichen werden. Schließlich sollte der Grundsatz gelten „gleiche Arbeit gleiches Geld!“

Die angesprochene Studie hat nach Berichten der Zeitung DIE WELT übrigens auch noch andere interessante Tatsachen an´s Licht gebracht: So haben sich die Löhne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich ungünstiger entwickelt als in den meisten EU-Ländern. 2008 stiegen die Reallöhne hierzulande nur um 0,1% und 2007 gingen sie sogar um 0,1% zurück (EU-Schnitt: 2008: +1,3%; 2007: +3,6%).

Dabei entwickelten sich die Entgelte in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich. So legten die Einkommen in der deutschen Metallindustrie laut EU im Jahr 2008 um 2,8% zu, während die Bankangestellten genauso viel verdienten wie im Jahr 2007.

Thomas

Zwei Euro 75: das ist der niedrigste tarifliche Stundenlohn, der in Brandenburg zur Zeit gezahlt wird. Er gilt seit 1993 für Arbeiter im Friseurhandwerk. Das ist absolute Spitze, nach unten gesehen. Löhne unter 7 Euro 50 pro Stunde sind sehr weit verbreitet. Viele Arbeitnehmer in diesem Bundesland müssen ihr Einkommen regelmäßig mit Hartz IV aufstocken, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Der DGB Bezirk Berlin-Brandenburg hat nun das „Schwarzbuch Billiglohn“ veröffentlicht. In diesem schildern 13 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus verschiedenen Branchen ihr ganz persönliches Leben und Arbeiten am untersten Rand des Lohnniveaus. Aus den Beschreibungen wird recht schnell deutlich, wie stark die äußeren Arbeitsbedingungen vom Lohndruck geprägt sind, wie schwierig es ist, Betriebsräte zu gründen und wie riesengroß dennoch die Angst vieler vor einem Jobverlust.

Dazu meint DGB-Funktionärin Doro Zinke: „In Brandenburg sei eine Mischung aus Angst und Resignation zu verzeichnen, die dazu führt, dass sich viele Arbeitnehmer nicht gegen schlechte Bezahlung und schikanöse Arbeitsbedingungen wehren. Viel zu viele junge Brandenburger würden abwandern und die entsprechenden Strapazen auf sich nehmen, statt hier zu bleiben und sich zu wehren“

Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns: nirgendwo wäre sie dringender geboten als hier.

Peter

Schwarzbuch Billiglohn als Download (pdf-Datei)

Zur Webseite der Kampagne „Mindestlohn“ vom Bündnis soziales Deutschland

Eine Altenpflegerin sollte nach dem Willen Ihres Arbeitgebers auf das ihr vertraglich geschuldete 13. Monatsgehalt verzichten. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse der Arbeitgeber schließlich sparen.

Deshalb lud er die angestellte Altenpflegerin zu einem Einzelgespräch in das Büro des Personalleiters ein. Die Altenpflegerin erklärte, dass sie nur zusammen mit ihren Kolleginnen über die Verminderung des 13. Gehalts verhandeln werde und nicht alleine.

Dies lehnte der Personalleiter ab und erteilte ihr eine Abmahnung. Da auch Gespräche mit dem Arbeitgeber zu den arbeitsvertraglichen Pflichten gehören würden und sie diese abgelehnt hat, hätte sie ihre Arbeitsleistung verweigert.

Die betroffene Altenpflegerin sah das anders und klagte auf Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte. Das BAG (Entscheidung vom 23. Juni 2009 – 2 AZR 606/08) gab der Arbeitnehmerin Recht: Zwar habt der Arbeitgeber ein Weisungsrecht (§ 106 GewO) , dies bezieht sich aber nur auf Arbeitsinhalte und auf das Verhalten im Betrieb. Die Ausgestaltung der arbeitsvertraglichen Regelungen hingegen unterliegt der Vertragsfreiheit – eine geschuldete Arbeitsleistung ist darin nicht zu sehen!

Die Altenpflegerin musste sich deshalb nicht auf ein Einzelgespräch über die Kürzung des 13. Monatsgehalts einlassen.

Thomas

von Peter am 17.06.2009, 18:43 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt, Mindestlohn

Es war nicht mehr so viel zu hören in letzter Zeit zu diesem Thema. Zuletzt haben wir im April darüber berichtet, dass der CGZP-Tarifvertrag vom Berliner Arbeitsgericht für ungültig erklärt worden ist. Welche erheblichen Folgen das haben kann, ist hier zum Nachlesen. Nun hat der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering wieder Bewegung in das Thema gebracht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk meinte er, dass nicht einzusehen sein, warum Leiharbeiter sittenwidrig niedrige Löhne erhalten. Er fordete die Union dazu auf, miteinander ins Gespräch zu kommen um möglichst noch vor den Bundestagswahlen einen solchen Mindestlohn auf den Weg zu bringen.

Die SPD hat im übrigen vor kurzem ihr offizielles Wahlprogramm veröffentlicht, in welchem sie nach wie vor für die Einführung eines alllgemeinen gesetzlichen Mindestlohns eintritt.

Die CDU wird vor der Bundestagswahl sicher einen Teufel tun, sich auf die Ansage von Müntefering einzulassen. Das ist bedauerlich, aber es ist zu erwarten. Und wie es nach der Wahl mit dem Mindestlohn weitergeht, das steht sowieso noch in den Sternen. Wobei: Wenn die Wahl so ausgeht, wie jetzt gerade die Umfragen sind, dann kann man substanzielle Lohnuntergrenzen für die nächste Regierungsperiode getrost vergessen.

Peter

DGB-Seite zum Thema „Deutschland braucht den Mindestlohn“

Da Männer nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit viel häufiger in sog. konjunkturabhängigeren Berufen arbeiten als Frauen, führt die Wirtschaftskrise nun dazu, dass die Arbeitslosenquote dort stärker ansteigt. Im ersten Quartal nahm sie bei Männern um 0,5 Prozent zu, bei den Frauen dagegen waren es nur 0,1 Prozent. Interessant ist dabei in diesem Zusammenhang, welches Phänomen die Rezession gerade in den USA hervorzurufen scheint: Seit Beginn des Wirtschaftsabschwungs haben dort über 5 Millionen Menschen ihren Job verloren, davon 80 Prozent Männer. Und diese drängen nun scheinbar, weil sie nämlich keine Alternative finden, in sogenannte Frauenberufe. Mit mäßigem Erfolg jedoch bislang. Und so kommt es auch, dass immer mehr Frauen zu Alleinverdienern in der Familie werden (müssen). Wenn da nur nicht die Krux wäre, dass viele Frauen standardmäßig in Teilzeit arbeiten und häufig auch noch schlechter bezahlt werden. Mal sehen, wann die ersten Männer in Frauenberufen auftauchen, den vollen Lohnausgleich fordernd…

Peter

von Thomas am 15.05.2009, 08:06 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt

Im vergangenen Jahr sind die Verdienste der Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich in Deutschland durchschnittlich um 2,8 Prozent gestiegen.
Allerdings legten auch die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent zu, so dass die Einkünfte im Jahr 2008 real nur einen guten halben Prozentpunkt zulegten. Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer im genannten Bereich verdiente nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im Schnitt 41.509,- € brutto im Jahr.

Allerdings profitieren nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen: In einigen Bereichen gab es sogar reale Lohneinbußen: so stiegen zum Beispiel im Gastgewerbe die Einkommen gerade mal um 1,7 Prozent, was real ein Minus von 0,5 Prozent bedeutet.

Am deutlichsten spürten die Beschäftigten von Kredit- und Versicherungsgewerbe den Verdienstzuwachs: Hier gab´s im vergangenen Jahr 4,6 Prozent bzw. bereinigt 2,4 Prozent mehr Geld. Das Bruttojahreseinkommen betrug im Schnitt 58.791,- €.

Thomas

Nach einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim wirkt sich das Bestehen eines Betriebsrats positiv auf den Geldbeutel der Arbeitnehmer aus.

Ein Vergleich von Unternehmen mit ähnlichen Merkmalen hinsichtlich Branchenzugehörigkeit, Unternehmensgröße etc. zeigt, dass in Unternehmen mit Betriebsrat die Gehälter im Schnitt um gut zehn Prozent höher sind als in Unternehmen ohne Betriebsrat.

Außerdem ist in Betrieben mit Betriebsrat der Abstand zwischen den Gehaltsgruppen kleiner .

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Betriebsräte auch den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen verringern. Demnach profitieren Frauen mit geringen Einkommen am stärksten von der Anwesenheit eines Betriebsrats in einem Unternehmen.

Thomas

Auf Grund der Umweltprämie geht es der Autobranche im Moment trotz Wirtschaftskrise noch relativ gut. Jedoch profitieren nicht alle Autobauer von dem staatlichen Finanzzuschuss.

Denn in knappen Zeiten sind vor allem Kleinwägen gefragt. Diese sind nämlich zu einem besonders günstigen Preis zu haben. Mittel- und Luxusklassewägen bleiben hingegen in finanzschwachen Zeiten eher Ladenhüter. So bleibt z.B. Daimler auf vielen unverkauften Autos sitzen. Die Verkäufe von Autos und Lastwagen sind dort um 34 Prozent eingebrochen.

Nach Auskunft des Bundesamtes für Wirtschaft Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden statt dessen vor allem VW-Marken wie Volkswagen, Seat und Skoda verkauft. Auf diese Marken entfallen ca. 27 Prozent aller Abwrack-Anträge. Den zweitgrößten Anteil erzielt mit ca. 10 Prozent Opel.

Die Luxuswagen-Hersteller BMW und Daimler profitieren hingegen kaum von der Abwrackprämie. So entfielen lediglich ca. 2 Prozent der Anträge auf Daimler, unter anderem mit den Konzernmarken Mercedes-Benz und smart, sowie nur 1 Prozent auf BMW.

Die Prämie kann somit den Umsatzrückgang bei Daimler nicht mildern; eine dramatische Absatzkrise besteht.

Um Gegenzusteuern wird es deshalb ab Mai bei 60.000 Daimler-Beschäftigten die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt werden. Außerdem soll die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben werden. Wenigstens schließen sich auch Vorstände und leitende Führungskräfte dem Gehaltsverzicht an: Der Vorstand verzichtet umgerechnet auf zwei Monatsgehälter, leitende Führungskräfte büßen ein volles Monatsgehalt ein. Eine Erfolgsbeteiligung wird es ebenfalls nicht geben.

Mit diesen schmerzhaften Einbußen hat der Gesamtbetriebsrat jedoch erreicht, dass bis 30.06.2010 keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.

Daimler will mit diesen Maßnahmen versuchen den Umsatzrückgang auszugleichen.

Thomas