von Andrea am 24.03.2009, 08:41 Uhr , Kategorie: Kurzarbeit, Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise wird in den kommenden Monaten den Arbeitsmarkt erfassen: bis zu fünf Millionen Menschen könnten bis Ende 2010 ihren Job verlieren.

Nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) droht Deutschland ein Rückfall in die Massenarbeitslosigkeit. Der Konjunkturchef des Essener Instituts, Roland Döhrn, erwartet, dass im Verlauf dieses Jahres rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen und die Zahl der Arbeitslosen um 1,1 Millionen steigt. Bereits im Oktober werde die Zahl der Arbeitslosen auf vier Millionen anwachsen, Ende 2010 könnten es bis zu 5 Millionen Arbeitslose sein. Laut RWI wird ebenso die Zahl der Kurzarbeiter stärker steigen als in früheren Rezessionen.

Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)prognostiziert, dass sich die wirtschaftliche Schwäche im zweiten Halbjahr 2009 deutlich auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird. Im Jahresschnitt 2010 werden voraussichtlich 4,5 Millionen Menschen ohne Job sein.

Die Experten sind sich nicht einig, wie stark die Konjunktur einbrechen wird, Einigkeit besteht nur darin, dass sie einbrechen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass der Aufschwung nicht so lange auf sich warten lässt.

Andrea

Die Zahl der Krankmeldungen in Deutschland ist nach 2007 auch im letzten Jahr wieder angestiegen, nachdem sie vor 2 Jahren noch auf dem niedrigsten Stand seit langem war.

Im Jahr 2008 waren die Erwerbstätigen durchschnittlich einen Vierteltag mehr krankgeschrieben als im Vorjahr. Die durchschnittliche Anzahl der Krankheitstage stieg im Vergleich zu 2007 um 0,27 auf 11,25 Tage (Studie der TK).

Grund hierfür sind vor allem die steigenden psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Diese verursachten im Schnitt 1,4 Krankheitstage – so viele wie noch nie. Mit über einem Drittel haben Depressionen besonders zugelegt, aber auch das Burn-out-Syndrom greift mehr und mehr um sich.

Sind die Zahlen der „üblichen Krankheiten“ wie Rückenschmerz, Muskel- und Skeletterkrankungen, Verletzungen, Atemwegserkrankungen und Erkältungen eher rückläufig, so nehmen die psychischen Störungen kontinuierlich zu. Lag deren Anteil an den Gesamtausfällen vor 30 Jahren noch bei 2%, so waren es 2006 schon 8,9%; Tendenz steigend.

Zu den am stärksten belasteten Berufsgruppen gehören nach der Studie des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen vor allem Sozialarbeiter, Krankenpfleger und Telefonisten.

Es bleibt abzuwarten wie sich das Krisenjahr 2009 auf die Zahl der Krankmeldungen auswirken wird. In der Vergangenheit sanken in Krisenzeiten die Krankmeldungen stets, da die Arbeitnehmer bei schwacher Konjunktur Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes hatten.

Thomas

von Peter am 18.03.2009, 17:20 Uhr , Kategorie: Wirtschaftskrise

Schaden tut es sicher nicht, im Gegenteil: Arbeitnehmer sollten sich gerade jetzt in Zeiten der Wirtschaftskrise rein vorsorglich darüber informieren, wie sie grundsätzlich vom Arbeitsrecht geschützt werden. Zu diesem Zweck hat Rechtsanwältin Marlene Schmidt im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung aktuell analysiert, welches arbeitsrechtliche Instrumentarium zum Schutz von Arbeitnehmern in der Unternehmenskrise besteht. Unter dem Titel „Schutzschirm für Arbeitnehmer“ erschien nun eine 20seitige Broschüre. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, dass das deutsche Arbeitsrecht ein flexibles und die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern fein ausbalanciertes Gefüge an Schutzmechanismen bereit hält.

Die Themenauswahl erstreckt sich über viele Bereiche, die derzeit Konjunktur haben: Arbeitszeitkonten, Betriebsferien, Kurzarbeit, betriebsbedingte Kündigungen, Massenentlassungen, Interessenausgleich und Sozialplan sowie Insolvenz des Arbeitgebers. Alle Themen werden verständlich und knapp aber übersichtlich beschrieben.

Heide Pfarr, Geschäftsführerin der Böckler-Stiftung betont: „Das Arbeitsrecht ist ein wichtiger gesellschaftlicher Stabilitätsfaktor, weil es Millionen Menschen das Gefühl von Berechenbarkeit gibt.“ Frau Pfarr weiter: Die Medien würden immer nur über den individuellen Kündigungsschutz berichten, die Schutzregeln bei Massenentlassungen seien dagegen kaum bekannt.

Unser Tipp: Broschüre herunterladen und informieren. Schließlich weiß man nie, für was es gut sein kann.

Ebenfalls interessant: Unser spezielles ifb-Seminarangebot zu allen Themen die in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise gerade im Fokus stehen.

Peter

Broschüre bei der Böckler-Stiftung herunterladen (pdf-Datei)

von Thomas am 06.03.2009, 08:41 Uhr , Kategorie: Wirtschaftskrise

Die andauernden schlechten Wirtschaftsnachrichten haben sich inzwischen sehr deutlich auf die Stimmung in der Bevölkerung niedergeschlagen:

Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage von infratest dimap glauben inzwischen schon über 80%, dass uns der schlimmste Teil der Wirtschaftskrise erst noch bevorsteht. Das sind fast 10% mehr als im letzten Monat.

Mehr als jeder Zweite (55%) macht sich Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft.

53% der Bürger sehen ihre Ersparnisse in Unsicherheit.

Doch wie soll der Staat auf die Krise reagieren? Soll er die großen Unternehmen finanziell unterstützen? Nein – ist die Meinung der Bevölkerung bei Schaeffler: 65% wollen, dass sich der Staat hier raushält. Bei Opel hingegen unterstützen 47% eine Staatshilfe – genauso viele sind aber auch dagegen. Eine staatliche Unterstützung für kleinere und mittelständige Betriebe findet hingegen eine klare Mehrheit unter den Befragten.

Thomas

Das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung („was ist das?“) hat im Februar 2009 untersucht, wie weit sich Tarifverträge auf die in Deutschland aktuell immer häufiger eingeführte Kurzarbeit auswirken. Ein Ergebnis lautet dabei: Die Mitbestimmung des Betriebsrats steht fast immer im Mittelpunkt!

Eine stark wachsende Anzahl von Betrieben versucht derzeit mit Hilfe von Kurzarbeit Kündigungen zu vermeiden und die Beschäftigten im Betrieb zu halten. In vielen Fällen sehen dabei Tarifverträge Regeln für die Einführung und die Ausgestaltung von Kurzarbeit vor. Eine aktuelle Auswertung untersuchte jetzt die Tarifverträge aus 18 Branchen etwas genauer. Die Ergebnisse im groben Überblick:

– In fast allen Branchen ist per Tarifvertrag geregelt, dass Kurzarbeit nur mit Zustimmung des Betriebsrats eingeführt werden darf.

-Sehr häufig müssen tarifvertragliche Ankündigungsfristen für die Kurzarbeit eingehalten werden: sie reichen von 5 Arbeitstagen bis zu einem Monat.

– In Teilbereichen (zum Beispiel bei der Deutschen Bahn AG) werden keine Gehaltskürzungen vorgenommen. Manche Bereiche stocken das Kurzarbeitergeld tariflich auf 75-100% auf.

– Mitarbeiter, die während der Kurzarbeitphase gekündigt werden, erhalten über die meisten Tarifverträge einen rückwirkenden Anspruch auf das volle Tarifentgelt.

Mehr Informationen zu dieser Untersuchung gibt es auf den Webseiten der Böckler-Stiftung.

Peter

von Thomas am 04.03.2009, 15:14 Uhr , Kategorie: Wirtschaftskrise

Überall in den Medien hört man: Opel steht kurz vor dem Abgrund – ohne Staatshilfe ließe sich die Schließung der Werke in Deutschland nicht verhindern. Tausende Opel-Mitarbeiter würden in die Arbeitslosigkeit fallen.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz reagiert allerdings noch relativ gelassen. Die Schließung von Fabriken sei ein Thema „das schon lange in der Diskussion ist“, sagt er trocken in einem Spiegel-Interview. Das sei alles „ein altes Szenario“. Gleichwohl ist er sich mit GM-Europa-Chef Forster darin einig, dass Opel dringenst Staatshilfen benötigt und zwar in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.

Damit diese allerdings nicht dem US-amerikanischen Mutterkonzern GM zukommen und die Hilfe somit in Deutschland verpuffen würde, ist eine Abnabelung Opels von General Motors nötig. Nach Angaben des deutschen Opel-Chefs Demant resultiert die Misere bei Opel nämlich auch aus der finanziellen Verpflechtung mit dem Mutterkonzern GM.

Opel-BRV Franz befürwortet deshalb für Opel die juristische Form einer Aktiengesellschaft nach deutschem Recht, besser noch eine Europäische Aktiengesellschaft, um eine Kapitalabwanderung in die USA zu verhindern.

Allerdings hält sich die Bundesregierung mit Finanzspritzen bisher zurück – und das auch aus guten Gründen! Die Arbeitsplätze bei Opel zu sichern hat zwar höchste Priorität, jedoch darf nicht vergessen werden, dass auch alle anderen Autobauer von der Wirtschaftskrise betroffen sind und durch die Staatshilfen für nur einen Autokonzern im Wettbewerb klar benachteiligt würden. Dies könnte wiederum die Jobs von deren Arbeitnehmern gefährden.

Zudem schreien nun nach den Banken immer mehr Unternehmen nach Staatshilfen – es seien nur Schäffler und Schiesser genannt. Würde der Staat nun Opel helfen käme er deshalb in große Erklärungsnot, warum er nicht auch andere Unternehmen finanziell unterstützt.

Thomas

von Peter am 18.02.2009, 18:10 Uhr , Kategorie: Lohn und Gehalt, Wirtschaftskrise

Schon in wirtschaftlich guten Jahren kommt es regelmäßig zu dramatisch anmutenden Verhandlungsszenarien, wenn die Arbeitnehmervertreter ein paar Prozent mehr Lohn von den Arbeitgebern fordern. Nun haben wir aber bekanntermaßen 2009 und es ist das Jahr der ganz großen Krise: unsere Wirtschaftsleistung soll im Sumpf rückläufiger Exportzahlen versinken, die Kurzarbeiterzahlen ver-x-fachen sich von Monat zu Monat und Traditionsunternehmen melden reihenweise Insolvenz an. Und vor diesem Hintergrund begann nun die Tarifrunde 2009.

Gehaltserhöhung auch im Krisenjahr? Hat man da als Arbeitnehmer nicht gleich irgendwie ein leicht mulmiges Gefühl? So nach dem Motto: Bin ich doch mal lieber still und leise und freu‘ mich, dass ich überhaupt noch einen Job hab? Andererseits: guter Lohn für gute Arbeit, oder nicht?

Wie auch immer: Den Automatismus der jährlichen Tarifrunden kratzt dies alles recht wenig. Nur in wahrscheinlich für die Arbeitnehmer noch mageren Ergebnissen als sonst wird sich dieses Jahr zeigen, dass um das Ganze herum ein Rahmen ist, auf dem krakelig das Wort „Krise“ geschrieben steht. Trotzdem: Gerade heuer bin ich besonders gespannt, wie es ausgehen wird.

Zur aktuellen Tarifrunde noch ein paar Informationen:

– die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften bewegen sich im Mittel zwischen 5 und 9 Prozent

– erste Tarifabschlüsse liegen vor, so etwa bei der Deutschen Bahn AG, wo die Mitarbeiter 2,5% mehr Lohn zum 01.02.09 und weitere 2% zum 01.01.10 erhalten

– aktuell laufen die Tarifrunden im öffentlichen Dienst der Länder und in der Textil- und Bekleidungsindustrie

– manche Branchen verhandeln dieses Jahr gar nicht, weil sie 2008 eine Regelung für das laufende Jahr mitgetroffen haben, zum Beispiel die Metaller.

Allen Beteiligten, die sich hier für ihre Kollegen einsetzen, viel Erfolg!

Peter

von Peter am 10.02.2009, 16:05 Uhr , Kategorie: Allgemein, Wirtschaftskrise

Seit der Übernahme der Conti-Gruppe im letzten Jahr geht es beim Schaeffler-Konzern rund: Erst ein heftiger interner Machtkampf, dann die Folgen der internationalen Finanzkrise, die das Unternehmen sehr schwer getroffen haben. Im Raum stehen dabei Schulden in Höhe von 23 Milliarden Euro.

Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler hat kürzlich einen dramatischen Appell verfasst, um neue Finanzinvestoren zu gewinnen. Schaeffler-Betriebsrat Thomas Mölkner äußert sich nun in einem Interview mit sueddeutsche.de über seine derzeitige Tätigkeit als Betriebsrat in einem krisengeschüttelten Unternehmen.

Peter

Die drohende Rezession in der Wirtschaft könnte auch die Situation an den Arbeitsgerichten drastisch verschlechtern. Joachim Vetter, langjähriger ifb-Referent und Vorsitzender des Bundes deutscher Arbeitsrichter, rechnet gegenüber der Wirtschaftswoche mit einer Klagewelle, die dazu führen wird, dass manche Gerichte untergehen werden: Schon im Dezember 2008 sei ein sprunghafter Anstieg von Klagen zu beobachten gewesen, vor allem in Regionen mit starker Präsenz der Autoindustrie.

Peter

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