- Betriebsrat Blog - https://blog.betriebsrat.de -

Skandal im Berliner Zoo: Frau = Zuchtstute?

[1]Da ist mal einer mit Karacho ins Fettnäpfchen gesprungen: Im Berliner Zoo leistete sich der Direktor Bernhard Blaszkiewitz den Fauxpas, in einem internen Dokument die Vornamen seiner Mitarbeiterinnen mit dem Code 0,1 zu ersetzen. Hierzu muss man wissen, dass dieser Code in der Zoologie zur Kennzeichnung weiblicher Tiere benutzt wird.

Die Frau als Zuchtstute? Mit diesem zweifelhaften „Kompliment“ versuchte sich der Zoo-Chef auch noch aus der Affäre zu ziehen: Er wehrte sich gegen die Anschuldigungen mit der Begründung, die Klassifizierung von Frauen-Namen mit dem Zusatz 0,1 für „Weibchen“ – in der Zoo-Welt auch eine Bezeichnung für „Zuchtstute“ – sei „nicht etwa eine Bezeichnung von Missachtung“, vielmehr sei das von ihm „als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht“. Ah ja!

Nicht nur die Zoo-Mitarbeiter(innen) sind – im wahrsten Sinne des Wortes – tierisch sauer. Auch Berlins Frauen-Senatorin Dilek Kolat zeigt sich empört. Nach Ansicht der SPD-Politikerin ist der Zoo-Direktor nicht mehr tragbar: „Wer so handelt, hat sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert. Das ist ein klarer Fall von Diskriminierung.“

Zumindest vorübergehend ist der Zoo-Direktor mit einem blauen Auge davongekommen: Nach einer dreistündigen Krisensitzung hat das Präsidium des Aufsichtsrats beschlossen, dass Blaszkiewitz zunächst im Amt bleiben darf. Zuvor war er vom Aufsichtsratsvorsitzenden sowie vom Betriebsrat angehört worden. Nach Angaben von Aufsichtsratschef Frank Bruckmann will sich der Zoo-Direktor schriftlich an die Belegschaft wenden und sich für seine frauenfeindlichen Äußerungen entschuldigen. Außerdem beschlossen die Aufsichtsräte, einen Posten für eine Gleichstellungsbeauftragte einzurichten und eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, die strittigen Punkte „einer juristischen Würdigung zu unterziehen“.

Bildquelle: © Guido Thomasi – Fotolia.com