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Optimale Arbeitsplatzgestaltung in Zeiten der Digitalisierung

Von Arbeitsschutz und Ergonomie bis zur Work-Life-Balance

Ein Interview von Marina Kunz mit Fachkraft für Arbeitssicherheit Jan-Philipp Roth

Arbeitsplatzgestaltung
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Denken Sie mal zurück – ein Jahr, zwei Jahre, fünf Jahre: Wie hat sich Ihr typischer Arbeitstag seither verändert? Und wie Ihr Betrieb? Der stetige Wandel in der Arbeitswelt wird oft gar nicht so bewusst wahrgenommen. Dabei gab es gerade in den letzten Jahren rasante Entwicklungen.

Einen Überblick über die aktuellen Trends und Debatten rund um unsere Bürowelt und -arbeitsplätze hat sich ifb-Referent für Arbeits- und Gesundheitsschutz [1] Jan-Philipp Roth auf der internationalen Messe „Paperworld 2020“ geholt. Auf der Veranstaltung des PRIMA VIER Nehring Verlags, erfuhr er viel Interessantes über das Büro der Zukunft [2]. Wir haben ihn zu seinen Eindrücken und die Bedeutung für Betriebsräte befragt.

Marina Kunz, ifb: Das Thema Digitalisierung ist mit Hoffnungen und Befürchtungen verbunden. Welche Herausforderungen birgt die Digitalisierung für Arbeitnehmer und Unternehmen?

Jan-Philipp Roth, Fachkraft für Arbeitssicherheit: Die Herausforderungen sind vielschichtig. Wie wir auf den Vorträgen auf der Veranstaltung erfahren haben, geht es u. a. um folgende Punkte:

Marina: Von welchen Lösungsbeispielen kannst Du uns berichten? Wie können neue Technologien zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes beitragen?

Jan-Philipp: Es müssen nicht unbedingt neue Technologien sein, die die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz verbessern. Es kann auch eine „klassische“ organisatorische Lösung sein. Zum Beispiel bei der Büroraumplanung: Führungskräfte sind oft extern unterwegs oder in Meetings. Sie haben zwar große Büros, sind aber meist gar nicht so lange „am Platz“ wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Warum nicht von Anfang an den Führungskräften kleinere Büros geben und die freiwerdende Fläche für die Beschäftigten nutzen?

Viele Unternehmen setzen auch auf die Flexibilisierung von Arbeitsräumen. Da gibt es verschiedenste Konzepte von Bürowelten mit Großraumbereichen, abgetrennten Einzel- und Gruppenbüros und Kommunikationsinseln. Konzentriertes Arbeiten ohne Störungen ermöglicht auch eine Bibliothek, in der Smartphones und Sprechen untersagt ist. Jeder im Unternehmen weiß dann – wer in der Bibliothek sitzt, der wird nicht gestört.

Auch ein Coworking-Space für Beschäftigte, die viel unterwegs und nur ab und zu in der Firma sind, kann Sinn machen. Dieser Arbeitsbereich kann zusätzlich auch von flexibel zusammengesetzten Teams – z. B. für Projektarbeiten – genutzt werden.

Marina: Das hört sich nach Großraumbüro an. Da gibt es ja seit Langem Diskussionen über das Für und Wider.

Jan-Philipp: Die Bürowelt ist im Wandel. Die neuen technischen Möglichkeiten führen auch zu neuen Jobanforderungen und Geschäftsmodellen. Tätigkeiten ändern sich. Die Komplexität nimmt zu. Teams sind zunehmend diversifizierter. All das ändert natürlich auch die Ansprüche an den Arbeitsplatz. Welches Raummodell für ein Unternehmen und die Belegschaft das richtige ist, kann nur individuell beantwortet werden.

Heute wie gestern gilt aber dabei: Die Mitarbeiter müssen frühzeitig miteinbezogen werden und ihre Ideen und Bedenken müssen ernst genommen werden. Also schrittweise vorgehen: zunächst eine Vision entwickeln, das Ziel und das Warum der Veränderung klären, mit der Kommunikation starten – nicht gleich mit dem Umsetzen, die Mitarbeiter involvieren und immer wieder prüfen, ob es noch passt.

Marina: Und wie sieht es mit der körperlichen Gesundheit aus?

Jan-Philipp: Gerade Büroarbeiter bewegen sich viel zu wenig. Ergonomie muss heutzutage deshalb noch stärker als Bewegungsförderung verstanden und gelebt werden. Moderne Bürostühle haben ja die verschiedensten Einstellmöglichkeiten. Da kann ich mir als Nutzer Vieles auf meine Bedürfnisse einstellen. Auch finden höhenverstellbare Schreibtische immer mehr Verbreitung. Aber das heißt noch lange nicht, dass Mitarbeiter diese Möglichkeiten auch nutzen. Hier sind Stühle und Tische interessant, die z. B. durch Vibration oder langsames Hochfahren zum Positionswechsel animieren. Aber ob das der Weisheit letzter Schluss ist? Auch bei allen technischen Lösungen halte ich es für wichtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sensibilisieren und langfristig einen Bewusstseinswandel zu unterstützen.

Marina: Vielen Dank für das Gespräch!

Weiterlesen:
Die Gesundheit im Betrieb managen [3]
Gesunde Mitarbeiter, zufriedene Betriebsräte: betriebliches Gesundheitsmanagement im erfolgreichen Unternehmen [4]

Schulungen zum Thema:
Digitalisierung im Arbeits- und Gesundheitsschutz: Ihr Beitrag zu gesunder Arbeit 4.0 [5]
Fachtagung Betriebsratsarbeit 4.0: Die digitale Arbeitswelt mitgestalten [6]