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Das Millionenheer der Aufstocker

Und wieder ein Begriff aus der Hartz IV-Welt, der etlichen wahrscheinlich nicht geläufig sein dürfte: Der Aufstocker [1]. Kurz zusammengefasst handelt es sich dabei um einen Arbeitnehmer, der so wenig verdient, dass er Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat, um überhaupt das sog. Existenzminimum zu erreichen.

Laut einer DGB-Studie aus dem Jahr 2007 [2] gibt es mittlerweile 1,3 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland, die die Kriterien eines Aufstockers offiziell erfüllen. Und wer immer noch denkt, bei Arbeitslosengeld II-Beziehern handelt es sich nur um Langzeitarbeitslose, weit gefehlt: ein Drittel davon ist aktiv erwerbstätig, viele mit 10-Stunden-Tag und zusätzlichen Nebenjobs! Tendenz laut Umfrage steigend.

Die Bundesregierung plant seit längerem eine Reform des Niedriglohnsektors. Zuletzt stand hier zur Diskussion, niedrige Gehälter durch einen sog. Erwerbstätigenzuschuss aufzustocken. Beiträge zur Sozialversicherung wären zum Teil erlassen worden, wodurch dem einzelnen effektiv mehr Lohn zur Verfügung gestanden hätte. Die Koalition konnte sich nach langem Hin und Her nicht einigen, weshalb das Thema nun vorerst wieder vom Tisch ist [3]. Als kleines Trostpflaster gibt es alternativ eventuell ein höheres Wohngeld sowie eine Ausweitung des Kinderzuschlages [4]. Kleine Fische?

Viele Modelle im Niedriglohnbereich bieten sich dazu an, von Arbeitgebern durch Zahlung von Dumpinglöhnen ausgenutzt zu werden. Deswegen sind nicht wenige der Meinung [5], dass solche Modelle nicht viel taugen, sofern nicht gleichzeitig ein verpflichtender Mindestlohn gezahlt werden muss. Wie man es auch dreht und wendet: In der jetzigen Situation scheint am Mindestlohn kein Weg vorbeizuführen.

Peter