von Nicola am 27.07.2020, 10:41 Uhr , Kategorie: Betriebsrat, Interview
Betriebsratsarbeit Corona
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Welche Betriebsrats-Aufgaben beschäftigen Euch während der Corona-Krise besonders, wie geht Ihr mit Ängsten in der Belegschaft um, und welche Rolle spielt die Fortbildung? Dazu haben wir Kerstin Gebhardt, Ersatzmitglied des Betriebsrats von Avnet, befragt.  

Kerstin, wie hast Du als Betriebsrat die letzten Monate erlebt? Was war für Euch während des „Lockdowns“ besonders wichtig, und welche Aufgaben stehen in der nächsten Zeit in Eurem Fokus?

Als Ersatzmitglied war ich in den letzten Monaten viel im Einsatz, aber natürlich nicht immer bei den Sitzungen anwesend. Zu Anfang des Lockdowns haben uns vor allem die arbeitsrechtlichen Fragen rund um Corona beschäftigt: Was ist, wenn ich Kontakt mit einer infizierten Person hatte und in Quarantäne muss? Was mache ich, wenn ich wegen fehlender Kinderbetreuung nicht arbeiten kann? Da unser Betrieb u. a. auch Computerteile für medizinische Geräte (wie z. B. Beatmungsgeräte) herstellt, war schnell klar, dass unsere Arbeit „systemrelevant“ ist – der Anspruch auf Kinderbetreuung war also gegeben.

Außerdem stand natürlich der Infektionsschutz im Fokus. Im Lager wurde z. B. die Arbeitszeit in den einzelnen Schichten reduziert, um Kontakte zu verringern. Da gab es anfangs viele Fragen von den Kollegen – und es war nicht immer einfach, die zuständige Administration zu erreichen, da in der Abteilung alle Mitarbeiter ins vorübergehende Home-Office geschickt wurden. Wir haben hier aber eine gute Regelung erreicht, es gibt für die Belegschaft keine finanziellen Nachteile.

Für die nächste Zeit gibt es für uns im Betriebsrat sicher noch Handlungsbedarf, was das Thema Home-Office betrifft. Denn die Kollegen in der Administration wollen zum Teil auch in Zukunft verstärkt von Zuhause aus arbeiten. Und da müssen wir jetzt klare Regelungen entwickeln, die zum Beispiel auch die Datensicherheit und den Arbeitsschutz gewährleisten.

Waren auch Mitglieder des Betriebsrats im Home-Office? Wie habt Ihr in dieser Zeit Sitzungen abgehalten?

Die Gremiumsmitglieder haben alle vor Ort gearbeitet, wir konnten unsere Sitzungen deshalb weiterhin im Betrieb abhalten. Allerdings fehlte uns zeitweise ein Raum, der groß genug war. Gespräche mit der Geschäftsleitung fanden virtuell statt, das hat auch ganz gut funktioniert.

Bemerkst Du eine Verunsicherung in der Belegschaft aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage? Und wenn ja, wie geht Ihr im Betriebsrat damit um?

Ja, auf jeden Fall. Wir sind auch Zulieferer der Autoindustrie, und hier gab es ja starke Einbrüche. Als Betriebsrat ist es uns wichtig, mit den Kollegen offen zu reden und regelmäßig zu informieren. Wir haben trotz der Einschränkungen eine Belegschaftsversammlung durchgeführt, bei der dann auch der Wirtschaftsausschuss über die aktuelle Lage informiert hat. Hinbekommen haben wir das, indem wir statt einer Versammlung mit der gesamten Belegschaft drei Versammlungen mit je 50 Kollegen abgehalten haben. So konnten wir die Abstandsregelungen einhalten.

Du hast vor kurzem ein ifb-Seminar zum Arbeitsrecht besucht. Warum hast Du Dich entschieden, jetzt eine Fortbildung zu machen?

Ich komme als Ersatzmitglied relativ häufig zum Einsatz. Mir ist es wichtig, dann mitreden zu können. Für das Seminar (Arbeitsrecht Teil III) hatte ich mich schon vor Corona angemeldet. Nachdem Seminare dann wieder stattfinden konnten, war für mich klar, dass ich da auch hingehe. Sicherheitsbedenken hatte ich keine – die Schutzmaßnahmen werden ja gut umgesetzt.

Seminarbesuch in Corona-Zeiten: Das lief sicher etwas anders ab als gewohnt. Wie war die Woche für Dich?

Ich fand, es war gut gelöst. Wir waren weniger Teilnehmer als sonst, was ich eher als angenehm empfand. Es war eine sehr nette Truppe, und man konnte sich gut austauschen. Gruppenarbeiten fanden draußen statt. Drinnen mussten wir nur in den öffentlichen Räumen des Hotels Maske tragen, also z. B., um auf Toilette zu gehen. Mich hat das nicht weiter gestört.

Online, Präsenz oder gemischt? Welche Weiterbildungsform ist Dir am liebsten – und warum?

Ich persönlich gehe am liebsten auf ein Präsenzseminar. Was mir an den Seminaren so gut gefällt, ist zum einen der Austausch mit den anderen Betriebsräten – da kommt man einfach nochmal auf ganz neue Ideen bzw. kriegt mit, wie es in anderen Betrieben geregelt wird. Und man kann seine eigenen Fragen mitbringen. Der Referent hat sich viel Zeit genommen, auf die einzelnen Leute einzugehen. Das praktische Arbeiten an den Gesetzestexten, die Diskussionen, die sich da in der Gruppe ergeben, finde ich auch immer sehr hilfreich. Es war auch sicher nicht mein letztes Seminar – als nächstes kommt noch Betriebsverfassung Teil III.

Vielen Dank, Kerstin, für das Interview!

Kerstin Gebhardt

Kerstin Gebhardt arbeitet seit fast 23 Jahren bei Avnet und ist seit 2018 Ersatzmitglied im Betriebsrat. „Ich möchte mich einbringen. Wir hatten in letzter Zeit einige schwierige Themen. Hier die Interessen der Belegschaft zu vertreten und, wenn möglich, Lösungen im Konsens mit der Geschäftsleitung zu finden, ist mir sehr wichtig.“

Mehr zum Seminarablauf in Corona-Zeiten sehen Sie auch in diesem Video.

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 27. Juli 2020 um 10:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Betriebsrat, Interview abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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