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“Arschloch”-Urteil wird aufgehoben

Beschimpft ein Mitarbeiter einen Kunden seines Arbeitgebers als „Arschloch“, kann er trotzdem nicht ohne Weiteres gekündigt werden. Das entschied kürzlich das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein. Es muss zusätzlich geprüft werden, ob der Betreffende die Funktion und Stellung der Person als „Kunde“ erkannt hatte.

Was war passiert: Ein Kraftfahrer wurde bei der Warenanlieferung von einer ihm nicht bekannten Person gebeten, wegen der beengten Verhältnisse das Parkdeck nicht zu befahren. Bei der Person handelte es sich um einen Mitarbeiter des zu beliefernden Unternehmens, den der Transportfahrer aber nicht kannte. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung, die mit den Worten „Ich liefere hier seit Jahren und jetzt aus dem Weg, du Arsch“ begann. In der anschließenden Diskussion entwich das Wort „Arschloch“ dem Fahrer noch einige Male. Als sein Arbeitgeber später davon erfuhr, erhielt er die fristlose Kündigung.

Das Arbeitsgericht bestätigte zunächst die Kündigung und gab dem Arbeitgeber Recht. Die Richter des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein [1]sahen das jedoch anders und hoben das erstinstanzliche Urteil auf. Zwar kann eine solch grobe Beleidigung gegenüber Kunden grundsätzlich schon eine Kündigung rechtfertigen. In diesem Fall hatte der Fahrer jedoch nicht erkannt, wen er vor sich hatte. „Es macht einen Unterschied, ob ein Arbeitnehmer in voller Kenntnis der Rolle der betreffenden Person diese beleidigt“, so das Urteil. Außerdem gab es keine einschlägigen vorherigen Vorfälle. Daher wertete das Gericht die Beleidigung als einmalige Entgleisung. Eine Abmahnung wäre hier ausreichend und angemessen gewesen.

Ines