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Fetten Respekt? „Respektrente“ ist das Wort des Jahres 2019

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Jedes Jahr aufs Neue suchen Sprachwissenschaftler Wörter und Wendungen, die in den vergangenen Wochen und Monaten in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik eine besondere Bedeutung erlangt haben. Dabei geht es nicht um Häufigkeit, sondern um Signifikanz und Popularität. Dieses Jahr hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS [1]) für „Respektrente“ als Wort des Jahres entschieden. Aus sprachlicher Sicht handele es sich um die Neubildung eines „Hochwertwortes“ in der politischen Debatte, begründete die Jury ihre Wahl. Aus inhaltlicher Sicht ist es ein hochinteressantes Thema, besonders auch für betriebliche Interessenvertreter.

Der Begriff „Respektrente“ wurde heuer von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geprägt. Damit gemeint ist die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch eine Rente unterhalb des Existenzminimums erhalten. Dabei gehe es nicht nur um einen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut, sondern vor allem um Respekt, sprich: die „Anerkennung der Lebensleistung“, sagt Heil [2].

Die große Koalition hat sich zwar auf eine Grundrente geeinigt, doch sie erhält jede Menge Gegenwind. So behaupten beispielsweise Kritiker, das Prinzip dahinter sei nicht gerecht und verstoße damit gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz im Grundgesetz. Sie meinen, dass grundsätzlich alle, die mindestens 35 Beitragsjahre nachweisen können, mit der neuen Grundrente einen Betrag oberhalb des Grundsicherungsniveaus erhalten sollen und zwar ganz unabhängig von den erworbenen Ansprüchen. Ein weiterer Kritikpunkt der Experten ist die Finanzierung, die deren Meinung nach weitaus mehr Kosten als bisher veranschlagen wird.

Ob die Respektrente künftig ihren Namen auch wirklich verdient hat, werden wir sehen. Der Begriff selbst hat jedenfalls bei der Wahl zum „Wort des Jahres“ gewonnen. Auf Platz zwei landete übrigens das Wort „Rollerchaos“, das sich auf Elektro-Roller bezieht, die in Großstädten wild geparkt werden und für eine Veränderung des Verkehrs auf Wegen und Straßen sorgen. Platz drei wurde „Fridays for Future“.