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SPD-Politikerin putzt undercover im Krankenhaus

Die Sozialpädagogin Renate Hendricks [1] sitzt seit 2005 für die SPD im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Im September begab sie sich auf eine Undercover-Mission in das Bonner Universitätsklinikum [2]: Nach Absprache mit dem Personalrat, von dem Sie über negative Arbeitsbedingungen an der Klinik informiert wurde, wollte sie durch persönliches Arbeiten als Reinigungskraft die Zustände dort „aus eigener Hand“ erfahren.

Frau Hendricks (hier ein Foto bei ihrer Arbeit in der Klinik, das der Kölner Express veröffentlichte [3]) schrubbte die Stationen: „Toiletten, Duschen, Wannen, Waschbecken, Kacheln, zweimal die Zimmerböden in den Krankenzimmern wischen, Türen säubern, Schwesternzimmer putzen, Stationsflur und Lager putzen, Abfalleimer leeren, Abfall entsorgen, Reparaturnotwendigkeiten anzeigen.“ [4] Sie berichtet, dass sie auf Vorgaben getroffen ist, die auch für geübte Kräfte nicht zu erfüllen sind. Dadurch würden Hygienestandards unterlaufen.

Frau Hendricks kritisiert weiterhin, dass in der Gebäudereinigerbranche Lohndumping stattfindet und das Leistungssoll der Mitarbeiter bis an die Grenze der Sittenwidrigkeit ausgereizt wird. Am 01.10.2009 ist nun auch der Tarifvertrag für Gebäudereiniger ausgelaufen und somit die Sondervereinbarung zum Mindestlohn. Arbeitgeber können Stundenlöhne ab sofort für neu eingestellte Arbeitskräfte um 30 Prozent senken, Mindestlöhne bis zu einem Betrag von 5,71 Euro pro Stunde sind zukünftig möglich.

Die Undercover-Mission von Renate Hendricks dauerte nur einen Tag. Andere erleben die geschilderten Zustände an ihrem Arbeitsplatz ständig, Tag für Tag. Frau Hendricks dürfte in diesen wenigen Stunden nicht den wahren Alltag von Putzkräften kennengelernt haben. Aber zumindest hat sie einen Eindruck erhalten. Das ist schon mal gut, denn Erkenntnisse aus erster Hand sind immer die nachhaltigeren! Vor allem, wenn man etwas verändern möchte.

Das in der Kritik stehende Uni-Klinikum Bonn wies die Vowürfe als nicht konkret genug zurück [5]: Klinik-Direktor Hackenberg verwies weiterhin darauf [6], dass die Arbeitsbedingungen branchenüblich und die Hygienezustände in Ordnung seien.

Peter