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„XXL-Jahr“ märchenhaft: Wirtschaft boomt, Löhne sinken

Das verstehe, wer will: Die Meldungen über den angeblich größten deutschen Wirtschaftsboom seit Jahrzehnten nehmen kein Ende. Im selben Atemzug stellt das DIW-Institut jedoch fest, dass die realen Netto-Stundenlöhne 2011 nur sehr wenig steigen werden, wenn überhaupt.“ Darüber berichtet das Magazin „Wirtschaftswoche“ (WiWo). [1] Das konjunkturtreibende „XXL-Jahr“ 2011 schlägt wilde Kapriolen, die der normale Arbeitnehmer nicht versteht: Überall boomt es, Produktion und Dienstleistungen platzen aus allen Nähten, aber wir Beschäftigte werden zum Jahresende voraussichtlich ein Minus machen. Der Grund dafür? Die WiWo zitiert Karl-Heinz Däke, den Präsidenten des Steuerzahlerbundes: „Neben der Inflation zehren auch steigende Sozialabgaben und die Steuerprogression an den Löhnen. Vor allem kleinere Einkommen sind betroffen.“ Diese würden im Tarifbereich zwar zwischen 2 und 2,5 Prozent steigen. Allein: Die Inflationsrate wird aller Vorraussicht nach bei etwa 3 Prozent liegen.

Im gleichen Moment gehen die Managergehälter wieder durch die Decke: Sie näherten sich bereits den Rekordwerten von 2007 an, schreibt die Frankfurter Rundschau [2]. So hätten alle DAX-Vorstände zusammen im Jahr 2010 etwa 519 Millionen Euro verdient, ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr.

Alles wie immer: Arbeitnehmereinkommen stagnieren knapp unter der Inflationsmarge, Managergehälter steigen prozentual zweistellig. Die langfristige Ansage an Arbeitnehmer lautet somit auch weiterhin: In der Krise den Gürtel enger schnallen, im Aufschwung bitte auch, schließlich könne man ihn nicht gefährden. Haben Wirtschaftsboom und Lohnentwicklung am Ende gar nichts miteinander zu tun? Wirklich märchenhaft.

Peter