Ist das ein Aprilscherz oder ein echtes Gerichtsurteil? Passend zum 1. April, dem offiziellen Feiertag des Humors, stellen wir Ihnen drei wunderliche Geschichten aus dem Gerichtssaal vor. Tauchen Sie ein in die Welt der drolligen Urteile!

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Zu oft auf der Toilette?

In einer Kanzlei führte der Chef genau Buch – nämlich ein Toilettentagebuch. Das Ergebnis: Sein Mitarbeiter habe „pflicht- und vertragswidrig erhebliche Arbeitszeit über das übliche Maß weit hinausgehend auf der Toilette verbracht“.

Verdauungsstörungen, argumentierte der so Überwachte. Eine Gehaltskürzung von rund 680 € wollte er trotzdem nicht hinnehmen – zu Recht. Auch das Arbeitsgericht Köln hielt dies für unzulässig (6 Ca 3846/09). Ob der übermäßig Gang zum stillen Örtchen zu Lohnkürzungen führen kann oder nicht – eine Hochrechnung der Toilettenaufenthalte sei jedenfalls unsubstantiiert. In einem anderen Klagepunkt wurde das Arbeitsgericht Köln dann richtig deutlich: „Das müsste der Beklagte (…) als Rechtsanwalt eigentlich wissen.“ Ob der Beklagte, also der Arbeitgeber, daraus gelernt hat, ist nicht bekannt. Der Arbeitnehmer suchte sich jedenfalls schnell einen neuen Arbeitsplatz.

222 Mio. € mit einem Klick

Mit einem Klick steinreich! Weil ein Bankangestellter für eine Sekunde nicht aufgepasst hatte, wechselten mehr als 222 Millionen € den Besitzer. Genauer gesagt waren es 222.222.222,22 € statt richtigerweise 62,40 €. Aus Versehen freigegeben hatte den Geldsegen eine Sachbearbeiterin, die seit 26 Jahren bei der Bank tätig war – und handelte sich damit ein unschönes Nachspiel vor Gericht ein. Denn ihr wurde postwendend von der Bank gekündigt, und zwar fristlos. Zum Glück durfte sie letztlich bleiben, denn eine Abmahnung hätte gereicht, urteilte das LAG Hessen (9 Sa 1315/12). Zwar habe die Sachbearbeiterin einen schweren Arbeitsfehler begangen, die Androhung von Folgen im Wiederholungsfall sei aber ausreichend.

Kein Wunder übrigens, dass ihr mal ein Fehler unterlief: An dem besagten Tag hatte sie 603 Belege jeweils in weniger als 1,4 Sekunden freigegeben, 105 Belege innerhalb von 1,5 bis drei Sekunden und nur für 104 Belege mehr als drei Sekunden gebraucht. Das nennen wir Tempo.

Und das Geld? Das wurde nie ausgezahlt, sondern am Folgetag durch die Abteilung Disposition zurückgenommen …

Duzen Sie Ihre Kollegen noch?

Schon etwas älter, aber immer noch brandaktuell ist eine Entscheidung des LAG Hamm zum Thema duzen oder siezen (14 Sa 1145/98). Eine Bekleidungsfirma wollte jugendlichen Esprit in das Unternehmen bringen und wies ihre Mitarbeiter an, sich untereinander ab sofort mit dem Vornamen und „Du“ anzusprechen. Der Betriebsrat fand´s ok, die Kollegen auch. Am Anfang zumindest. Erst gut zwei Jahre später muckte ein Mitarbeiter auf und wollte zurück zum „Sie“. Das Unternehmen bestand auf dem „Du“ – und man traf sich vor Gericht.

Das LAG Hamm stellte klar, dass gegen die „Duzerei“ weder kollektiv- noch individualarbeitsrechtliche Bedenken bestehen. Das Anredeselbstbestimmungsrecht gelte nicht absolut, so die Richter. Entscheidend sei letztlich auch, dass der Beschäftigte das „Du“ in den ersten zwei Jahren akzeptiert hatte. Dabei kam es auch nicht darauf an, ob dies – wie der Duz-Gegner behauptete – mit Widerwillen geschah. Also blieb alles beim „Du“.

Weiterlesen: Abmahnung wegen eines Aprilscherzes?



Dieser Beitrag wurde am Montag, 01. April 2019 um 13:22 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsvertrag, Betriebsrat, Rechtsprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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