- Betriebsrat Blog - https://blog.betriebsrat.de -

Kirche oder Rechtsstaat: Lesbische Erzieherin bangt um Job

[1]Weil sie lesbisch ist, bangt eine 39-jährige Erzieherin nun um ihren Job: Ihr katholischer Arbeitgeber sieht in der offen gelebten Homosexualität einen Verstoß gegen die kirchliche Moral und will ihr deshalb kündigen. Solche Fälle kommen in der katholischen Kirche immer wieder vor. [2] Doch dieser Fall ist besonders: Die Kindergartenleiterin hatte vergangenen August ihrem kirchlichen Arbeitgeber die Geburt ihres Kindes mitgeteilt und diesen über ihre kurz zuvor standesamtlich geschlossene gleichgeschlechtliche Partnerschaft informiert. Aufgrund ihrer Elternzeit genießt sie jedoch besonderen Kündigungsschutz. Somit muss das Gewerbeaufsichtsamt dem Rauswurf zustimmen. Doch die Behörde weigerte sich, der Kündigung zuzustimmen. Das wollte die Kirche nicht auf sich sitzen lassen: Die katholische Pfarrkirchenstiftung, vertreten durch die Rechtsabteilung der Diözese, zog deshalb gegen den Freistaat Bayern vor Gericht.

Die Kirche beruft sich auf ihr Selbstbestimmungsrecht. “Aus Sicht der Diözese handelt es sich um einen so schwerwiegenden Verstoß gegen die Loyalitätspflicht eines Mitarbeiters, dass eine Kündigung keinen Aufschub duldet“, so der Bistumssprecher Markus Kremser. Die kirchliche Grundordnung sei Bestandteil jedes Arbeitsvertrages. Die Mitarbeiter wüssten, dass ihnen bei Verstößen die Kündigung drohe. Insbesondere Erzieher müssten die Grundsätze des katholischen Glaubens und der Sittenlehre akzeptieren. Nach Ansicht des Gewerbeaufsichtsamts hingegen überwiegen die Interessen der Arbeitnehmerin – unabhängig davon, ob ein besonderer Grund für die Kündigung vorliegt.

Am morgigen Dienstag entscheidet das Verwaltungsgericht Augsburg über die Rechte der 39-Jährigen. Mit Spannung kann erwartet werden, wie das Verwaltungsgericht mit einem so sensiblen Thema umgeht. Kritiker wie die innerkirchliche Reformbewegung „Wir sind Kirche“ [3] werfen der Kirche vor, sie beharre auf ihren Moralvorstellungen. „Die Moral wird durchgefochten – koste es, was es wolle.“ Wenn es um Sexualität gehe, sei die kirchliche Moral sehr undifferenziert. „Ein weniger verkrampfter und verbotsbetonter Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität ist dringend nötig“, so der „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner gegenüber der Süddeutschen Zeitung [4].

Bildquelle: © Jiri Hera – Fotolia.com