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Transparenz statt Tabu: Sind die Gehälter der Kollegen demnächst öffentlich?

[1]Wenn es nach Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) geht, lautet die Antwort: Ja! Und das sogar per Gesetz. Der Hintergrund: Schwesig will sich mehr für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen einsetzen. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland bei 22 %. Der Plan: Mehr Transparenz in den Lohnstrukturen soll insgesamt zu einer faireren Bezahlung führen. Das neue Gesetz erlaubt allen Angestellten Auskunft über die Gehälter von Arbeitskollegen, die einer ähnlichen Tätigkeit nachgehen. Das berichtet u.a. der Spiegel [2].

Doch ist das wirklich zielführend? Und was ist mit dem Datenschutz? Muss man das als Arbeitnehmer dulden? Gehört das Gehalt nicht zu sehr persönlichen Daten, die eigentlich keinen etwas angehen? Die Bundesministerin versucht, die aufkommenden Bedenken zu zerstreuen: Im Tagesspiegel [3]wird sie wie folgt zitiert: „Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen, aber es wird möglich sein zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist“.

Die Wirtschaft hat trotzdem große Zweifel und lehnt das geplante Gesetz in dieser Form ab. Bislang wurde hier wegen der Formulierung im Koalitionsvertrag davon ausgegangen, dass die Regelung nur für Mitarbeiter von Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten gelten soll. Doch die Bundesfamilienministerin plant, dass alle Gehälter öffentlich sind – unabhängig von der Größe des Betriebs.

Wirtschafts-Experten machen sich Sorgen um den Betriebsfrieden. Sie fürchten, dass die Offenlegung der Gehälter in den Betrieben zu einem „Klima des Misstrauens und der Ausforschung“ führt. Auch vor „starker Unruhe“ und „Unfrieden“ wird gewarnt. Außerdem werden Fragen nach dem Datenschutz laut. Frau Schwesig jedenfalls scheint unbeeindruckt und will als nächstes gemeinsam mit den Gewerkschaften eine große Kampagne starten.

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