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Von Duschgewohnheiten und Arbeitsunfällen

[1]Dass Mord kein Arbeitsunfall [2] ist, wissen wir inzwischen. Aber wie verhält es sich mit der morgendlichen Dusche, wenn dort ein Unfall passiert?

Nein, das kann nicht sein? Doch – zumindest ausnahmsweise – wie der Fall eines Rettungssanitäters zeigt. Dieser war im Sommer immer mit dem Fahrrad zu seiner Dienststelle gefahren und legte dabei über sieben Kilometer pro Wegstrecke zurück. Um die Patienten nicht verschwitzt behandeln zu müssen, duschte der Kläger regelmäßig in seiner Dienststelle. Unglücklicherweise stürzte er dort auf dem Weg zur Dusche und zog sich eine Gelenkverletzung am Fuß zu.

Die Unfallkasse wollte den Sturz nicht als Arbeitsunfall anerkennen. Schließlich habe der Kläger nur seinem privaten Hygienebedürfnis nachkommen wollen. Das Sozialgericht Speyer sah das anders und entschied in seinem Urteil vom 24.01.2012, dass Unfallversicherungsschutz bestand (Az: S 15 U 40/10 [3]).

Zwar gehöre das Duschen vor und nach der Arbeit normalerweise zur unversicherten privaten Tätigkeit, da ein „dienstliches Bedürfnis“ hierfür in der Regel nicht vorliege. Hier sei das Duschen aber eine sogenannte „gemischte Tätigkeit“ gewesen: Es diente zwar auch dem privaten Hygienebedürfnis, wesentlich sei aber die Herstellung der dienstlichen Einsatzfähigkeit gewesen. Sich für die Patienten zu reinigen, habe in einem „inneren Zusammenhang“ mit der dienstlichen Tätigkeit gestanden.

 

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