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„Weitere Auskünfte auf Wunsch“ darf nicht ins Arbeitszeugnis!

Kürzlich hat das Arbeitsgericht Herford entschieden (1.4.2009 – 2 Ca 1502/08 [1]), dass folgender Satz keinesfalls in einem Arbeitszeugnis stehen darf:

„Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von Frau S. hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der von ihr für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung.“

Die Arbeitnehmerin wehrte sich diese Formulierung im Zeugnis und das Gericht gab ihr Recht.
Der alte Arbeitgeber versuchte noch zu argumentieren, dass es doch nur im Interesse der Arbeitnehmerin sei, wenn er gegenüber dem neuen Arbeitgeber für nähere Auskünfte zur Verfügung stünde. Dann könne er ja noch viel mehr die positiven Leistungen der Arbeitnehmerin hervorheben.

Mir stellt sich bei solch einer Argumentation dann nur die Frage, warum er diese positiven Leistungen nicht auch gleich alle in das Zeugnis geschrieben hat???

Das Arbeitsgericht sah dies ähnlich und nahm deshalb in dem Satz einen verschlüsselten Hinweis dafür wahr, dass das Zeugnis nicht der Wahrheit entspricht. Das Angebot jederzeit für Auskünfte zur Verfügung zu stehen ist ungewöhnlich und überraschend. Damit wird jedem Leser des Zeugnisses eine andere Aussage über die Leistungsqualität der Arbeitnehmerin suggeriert, als sie sich aus der äußern Form und dem Wortlaut des Zeugnisses tatsächlich ergibt.

Die Formulierung verstößt deshalb gegen § 109 Abs. 2 GewO, der gerade derartige verschlüsselte Botschaften, die im Zweifel als negative Beurteilungen verstanden werden können, verbietet und muss entfernt werden.

Thomas