Dr. Helmut Becker zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie für die deutsche Wirtschaft

Ratschläge für Betriebsräte für die Zukunft nach Corona
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Was passiert mit unserer Wirtschaft wegen Corona? Müssen wir um unsere Arbeitsplätze fürchten? Der Ökonom Dr. Helmut Becker ist überzeugt davon, dass die Maßnahmen der Bundesregierung wirken werden. Betriebsräten rät er zu Vertrauen und Geduld, denn „die Welt braucht unsere Produkte“.

Herr Dr. Becker, gehen Sie auf Basis der aktuellen Informationen auch von einer wirtschaftlichen Erholung in Deutschland ab dem Sommer aus?

Ja und nein. Das Wort Erholung ist doppeldeutig: Natürlich kommt es zu einer „Erholung“ allein dann schon, wenn der gegenwärtige Zustand des absoluten Shutdowns, sprich Lähmung, der gesamten Volkswirtschaft sukzessive aufgehoben wird. Die nachhaltigen Schäden der Corona-Krise sind damit aber noch nicht beseitigt, das dauert länger. Die eigentliche konjunkturelle Erholung im üblichen Sinn, der berühmte Konjunkturaufschwung, der sich dann selber trägt, dürfte frühestens im Herbst/Winter dieses Jahres zu erwarten sein.

Deutschland ist ja bekanntlich keine Insel mehr, wir brauchen für unseren Export und damit die Erholung auch einen Aufschwung im Ausland, vor allem in Europa. Und danach sieht es im Augenblick bei Gott nicht aus.

In einem Interview mit n-tv sprechen Sie davon, dass sich eine Entlassungswelle leider wohl nicht vermeiden lassen wird. Der Blick in die Zukunft bleibt also düster?

Düster nein, realistisch ja! Aus zwei Gründen: Es gibt Arbeitsmarktbereiche außerhalb der Industrie, die den aktuellen verordneten Stillstand nicht über Kurzarbeit abfedern können. Insofern sind Entlassungen nicht zu vermeiden, die sich dann auch in der Arbeitslosenstatistik niederschlagen. Zum anderen hat die Bundesregierung, besser das gesamte Parlament, über (fast) alle Parteigrenzen hinweg, einvernehmlich Rettungspakete in zuvor niemals gekannter Höhe beschlossen. In meinem n-tv-Interview habe ich die Bazooka, die ganz große Kanone, gefordert: Die GroKo hat sie ausgepackt! Die Maßnahmen werden wirken, davon bin ich überzeugt. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft nach Corona sehe ich weiter im Aufwärtstrend, die Welt braucht unsere Produkte! Beatmungsgeräte oder Impfstoffe mögen aktuell makabere Beispiele sein, aber die gibt es offensichtlich in der Qualität nur in Deutschland.

Was raten Sie Betriebsräten angesichts der aktuellen Aussichten?

Dreierlei:

1. Weiterhin wie schon in der Krise 2009 im gegenseitigen Vertrauen mit der Unternehmensleitung Lösungen zur Überbrückung der gegenwärtigen Beschäftigungskrise zu finden: Lohnfortzahlung, Arbeitszeitkonten etc.– alles schon mal mit Erfolg angewendet. Die Arbeit kommt ja wieder und muss dann mit Hochdruck nachgeholt werden!

2. Gegenüber ihren Kollegen ebenfalls für Vertrauen in alle entscheidenden Gremien zu werben, dass dort die Weichen richtig gestellt werden, auch wenn es im Augenblick schmerzt. Wobei es darauf ankommt, dass die „Schmerzen“ gerecht geteilt werden und nicht einseitig nur den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. 2009 hat das wunderbar funktioniert. Und das wird auch diesmal funktionieren, vielleicht sogar besser, weil man ja die positiven Erfahrungen aus der letzten Krise als Vertrauensvorschuss mit einbringen kann. Das Motto: „Gemeinsam sind wir stark“ gilt diesmal noch mehr als damals.

3. Werben für Geduld, die Erholung braucht diesmal vermutlich länger als nach der Finanzkrise 2008/2009. Und wenn danach auch nicht mehr alles so sein wird wie damals, sollten wir eines nicht vergessen: Auch diese Krise wird vorübergehen! Kluge und mutige Unternehmer genau wie tüchtige und fleißige Mitarbeiter werden auch nach Corona in Deutschland immer gebraucht! Keiner wird überflüssig, auch durch Corona nicht! Wir müssen nicht in Pessimismus vefallen, dafür besteht kein Anlass.

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